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TV-Kritik „Hart aber fair“ : Der „röhrende Hirsch“ und der Untergang des Feminismus

  • -Aktualisiert am

Sophia Thomalla kann sich ihr „Blondinen-Image“ lediglich in ihrer Branche leisten, wo solche weiblichen Rollenmuster gefragt und zudem gut bezahlt sind. Bild: dpa

In der Sendung „Hart aber fair“ geht es diesmal um den Geschlechterkampf unter besonderer Berücksichtigung einer Blüte des Wissenschaftsbetriebs namens “Gender Studies“. Das war recht aufschlussreich.

          In den 1960er Jahren waren Familien mit vier Kindern keine Seltenheit. Da konnte es dem Familienoberhaupt, das gab es damals noch, schon passieren, folgende Auskunft zu hören: Sie haben doch zwei Söhne, die das Gymnasium besuchen. Reicht dann für die Töchter nicht auch die Realschule? Die heiraten doch sowieso und bekommen Kinder. Das war damals im Bürgertum eine durchaus konsensfähige Meinung. Heute sind vier Kinder eine Rarität, und das Familienoberhaupt ist ersatzlos gestrichen worden, außer vielleicht in den gesellschaftlichen Segmenten einiger Migranten-Milieus. Knapp 50 Jahre später vertritt niemand mehr eine solche Sichtweise aus der Frühzeit der Bundesrepublik. Die DDR war in der Beziehung schon immer anders gewesen, aus welchen Gründen auch immer.

          Dieser gesellschaftliche Wandel ist dem Feminismus zu verdanken. Es kann heute auch keine Frau mehr geben, die noch dem alten Weltbild anhängt, wenn sie noch halbwegs bei Verstand ist. Oder gar ihre Töchter allein auf die Rolle der Hausfrau und Mutter vorzubereiten gedenkt. Jetzt wird es Zeit, ein Geheimnis zu lüften: Das alles passierte auch ohne jene akademische Disziplin namens „Gender Studies“, die über den Umweg Amerika schließlich sogar die deutschen Universitäten erreicht hat. Das Schicksal, sich von einer gesellschaftspolitischen Bewegung in eine hochschulpolitische Institution zu verwandeln, ist nicht allein dem Feminismus passiert. Allerdings findet man wenige andere Beispiele, wo man damit zugleich den Verfall dieser Bewegung beobachten kann.

          Am Pranger steht das „generische Maskulinum“

          Die „Gender Studies“ sind zu einem Witz geworden, wie gestern Abend in der Sendung „Hart aber fair“ bei Frank Plasberg deutlich wurde. Den Witz kann man nur mit Satire deutlich werden lassen. Darum bemühte sich der Moderator mit seinen Gästen in einer Form antagonistischer Kooperation. Antagonistisch, weil nicht alle einer Meinung waren. Kooperativ, weil sich alle bemühten am Erfolg der satirischen Aufarbeitung des Themas teilzuhaben. Schließlich ging es hier zumeist nicht um reale Menschen mit ihren wirklichen Problemen, sondern um die Dekonstruktion von Sprachverwendung, mit denen sich die „Gender Studies“ zumeist beschäftigen.

          Der Biologe Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag, fasste deren Grundgedanken gut zusammen, obwohl es sich dabei eigentlich um Linguistik handelt. Am Pranger steht das „generische Maskulinum“, das sich den Luxus erlaubt, Männer und Frauen zu meinen, obwohl dort nur von Männern die Rede ist, so die Kritik. „Wenn sie Ärzte, Politiker und Studenten sagen“, so Hofreiter, „denken sie immer an Männer.“ Allerdings könnte man in der von Hofreiter gewählten Reihenfolge auch eine Wertung vermuten. Ärzte und Politiker, so die mögliche These, sind für ihn wichtiger als Studenten. Deswegen kommen sie an letzter Stelle. Nun wissen wir nicht, ob hier Hofreiters Unterbewusstsein seinem Sprachverständnis einen anti-emanzipatorischen Streich gespielt hat. Aber auszuschließen ist das nicht, wenigstens dann nicht, wenn man die Welt nur noch aus der Perspektive von Sprachspielen analysiert. Die sollen allerdings nicht die Welt verständlich machen, sondern vor allem das Unverständnis über sie zum Ausdruck bringen.

          Eine Wiener Studie vom Pferd

          Kein Wunder also, wenn die Schauspielerin Sophia Thomalla davon bis gestern Abend noch nie etwas gehört hat und sie den Sinn des zukünftigen Studierendenwerkes im Gegensatz zum traditionellen Studentenwerk nicht zu erkennen vermag. Frau Thomalla sieht dort weiterhin Männer und Frauen, egal wie sich das Versorgungswerk nennt. Sie hat aber sicherlich auch noch nie von den französischen Strukturalisten in der Tradition Michel Foucaults gehört, ohne den die „Gender Studies“ nie zu einer hochschulpolitischen Institution geworden wären. Das gilt aber bestimmt auch für Hofreiter.

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