https://www.faz.net/-gsb-7yi1e

TV-Kritik: Hart aber fair : Welcher Islam? Und was will Pegida?

  • -Aktualisiert am

Was das Kopftuch mit Metallwaren zu tun hat

Womit auch schon eines der politischen Probleme benannt ist. Es gibt nicht den deutschen Islam, sondern nur eine Vielzahl von Gruppen, die Muslime in Deutschland vertreten. Außerdem noch genügend Muslime, die wahrscheinlich gar nicht von diesen Gruppen vertreten werden wollen. Pegida, so das Argument von Frau Hübsch, verstärke bei jungen Muslimen das Gefühl der Ausgrenzung und auf diese Weise den radikalen Islamismus. Eine Ausgrenzung, die auch Pegida antreibt. An den Rändern dieser Gesellschaft entwickelt sich so eine politische Dynamik, die die Grenzen ihrer Integrationsfähigkeit beschreibt.

Aber dieser Konflikt betrifft keineswegs nur diese Ränder und wird vor allem über Symbolik ausgetragen. Es war die obligatorische Kopftuch- und Burka-Debatte, die gestern Abend aber durchaus originell zu nennen war. Frau Hübsch argumentierte mit feministischen Argumenten zugunsten des Kopftuches. Als Widerstand gegen eine sexistische Gesellschaft, die Frauen dem Diktat der Mode unterwirft und damit in ihrer Freiheit beschneide. Schön zu sein als gesellschaftliche Zumutung, dem sich eine Frau mit Kopftuch entziehen könne. Eine Diskussion mit Alice Schwarzer darüber wäre sicher interessant. Nur ist dieses Argument wenig überzeugend, weil niemand Frauen vorschreibt, wie sie sich zu kleiden haben. Sie können sich den gesellschaftlichen Konventionen entziehen, ob mit Kopftuch oder mit Metallwaren in Nase, Wange und Zunge. Nur ist das nicht die politische Frage des Kopftuches.

Anfang der Debatte

Dort geht es lediglich um einen Punkt: Ob diese Gesellschaft das Kopftuch in öffentlichen Funktionen akzeptieren will oder nicht, etwa bei Lehrerinnen. Allein das kann der Staat regeln. Es gibt lediglich im Islam das Kopftuchgebot als Kleidungsvorschrift für Frauen. Er nimmt ihnen damit diese Entscheidung ab, selbst wenn sie am Ende von Frauen akzeptiert wird. Es gibt keinen Grund für einen säkularen Staat, dieses Gebot noch aufzuwerten, indem er es in seiner eigenen Sphäre akzeptiert. Er schützt damit vor allem die Freiheit jener muslimischen Frauen, die sich dieser Vorschrift entziehen wollen, um sich selbst zwischen dem Modediktat und dem der eigenen Glaubenslehre zu entscheiden.

Darüber lohnte eine Debatte, weil sie die Vorurteile beider Seiten thematisierte. Ist das Kopftuch wirklich nur ein Instrument der Unterdrückung? Was verstehen wir unter Freiheit und welche Rolle hat der Staat in der säkularen Gesellschaft? „Der Islam gehört zu Deutschland“, so formulierte es gestern die Kanzlerin, genauso wie Pegida, so könnte man hinzufügen. Wir wissen halt nur noch nicht, welcher Islam, und genauso wenig, was Pegida eigentlich will, außer den läppischen 19 Punkten. So stehen wir am Anfang der Debatte. Einstweilen sind wir aber noch mit Zählen beschäftigt.

Weitere Themen

Topmeldungen

Fahrer von Volkmarsen : Tatverdächtiger war früher bereits straffällig

In Volkmarsen ist ein Autofahrer in den Rosenmontagsumzug gefahren. Es gibt 30 Verletzte, darunter sieben Schwerverletzte. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdelikts. Auch eine zweite Person wurde festgenommen.

CDU-Nachfolge : Nach der Wahl ist vor dem Söder-Test

Der CDU-Vorstand beschließt, dass am 25. April ein neuer Vorsitzender gewählt wird. Doch viele Fragen bei der Nachfolge sind noch unbeantwortet.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.