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TV-Kritik: Hart aber fair : Welcher Islam? Und was will Pegida?

  • -Aktualisiert am

Wer liest schon so etwas?

Immerhin machte sie eine nicht unwichtige Konzession. Die Bereitschaft der Pegida-Anhänger, sich mit Politik und Medien zu unterhalten, wäre zu Beginn auch nicht sehr ausgeprägt gewesen. Bis heute findet man, trotz unzähliger Einladungen, keine Pegida-Aktivisten in unseren Medien. Sie geben keine Interviews, kommen in keine Talk Shows. Plasberg wies darauf hin, der auch ansonsten eine gute Figur machte. Er bemühte sich redlich, Pegida nicht umstandslos in die rechte Ecke zu befördern. Nur wie sollen Journalisten ihren Job machen, wenn die einzige Ansprechpartnerin Frau Petry ist und sonst niemand kommt?

Einzige Ansprechpartnerin: Die Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen, Frauke Petry.

Sie macht eines nie: Sich als Vertreterin von Pegida vorzustellen. Frau Petry hält immer jene wohlwollende Distanz, wo sie zwar ihr Verständnis ausdrückt, aber für Auswüchse nicht verantwortlich gemacht werden kann. Da gerät der Journalist schnell in die Lage, den berühmten Pudding an die Wand nageln zu müssen.

Ein Soziologe bei der „Bild“-Zeitung

Plasberg versuchte es mit dem 19-Punkte-Papier der Pegida-Bewegung, das bis heute deren einzige programmatische Aussage formuliert. Er könne das keineswegs als undemokratisch betrachten, wenn er es sich ansehe. Das Papier verkörpert tatsächlich jene Parteienphraseologie, die alle hinreichend gut kennen. Oder auch nicht: Wer liest schon so etwas: „PEGIDA ist FÜR die Aufstockung der Mittel für die Polizei und GEGEN den Stellenabbau bei selbiger!“ Das soll die Menschen motivieren, jeden Montag zu demonstrieren? Eine Forderung, die jede Partei vertritt, allerdings nur bis es in die Haushaltsberatungen geht? Diesen Witz glaubt dann auch keiner, noch nicht einmal Frau Petry.

In Ermangelung jeder politischen Relevanz muss man sich an Plakaten und Reden halten, die Montags zu lesen und hören sind. So werden alle zu Soziologen, um dem Phänomen Pegida auf die Spur zu kommen. Sogar Julian Reichelt, der Chefredakteur von Bild.de. Er beklagte die „intellektuelle Schwäche“, die fehlende Differenzierung zwischen „Islam“ und „Islamismus“. Pegida demonstriere zudem gegen deutsche Staatsbürger muslimischen Glaubens. Oder gegen syrische Kriegsflüchtlinge, die sprichwörtlich nur ihr nacktes Leben retten konnten. Was sie wollten, sei so unklar wie seine Schlussfolgerung eindeutig: Bei Pegida handele es sich um Rassismus.

Ratlosigkeit der CSU

So waren die Fronten klar. Frau Göring-Eckhardt ließ auch an Deutlichkeit keine Wünsche offen. Sie bezog klare Positionen, wie sie auch Politiker formulieren müssen. Nur fehlte der politische Gegner, weil sich Frau Petry auf die Rolle der Verständnisvollen beschränkte und Scheuer ein Totalausfall gewesen war. Er konnte sich weder mit Frau Petry streiten, noch mit Frau Göring-Eckardt. Dem Bild-Soziologen Reichelt konnte er auch nicht folgen. So beschränkte er sich auf die Auslegung der Neujahrsworte der Kanzlerin. Er dokumentierte die Ratlosigkeit der Konservativen in der Union im Umgang mit Pegida und der AfD.

Die Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Katrin Göring-Eckhardt ließ an Deutlichkeit keine Wünsche offen.

Beide haben die konservative Symbolik besetzt, sogar das christlich-jüdisch geprägte Abendland, allerdings ohne irgendeinen politisch verhandelbaren Inhalt anzubieten. Sie vertreten eine Stimmungslage, die einerseits diffus ist, aber zugleich genügend Feindbilder zur Verfügung stellt. Das sind die Medien, die Altparteien, die Ausländer und der Islam. Das alles hat oft genug reale Ursachen, etwa Abstiegsängste oder zunehmende soziale Ungleichheit. Darauf wies Khola Maryam Hübsch hin. Sie vertrat die Muslime in der Sendung, obwohl ihre Ahmadiyya Glaubensgemeinschaft wohl kaum als repräsentativ für den deutschen Islam gelten kann.

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