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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : „Das ist so was von verantwortungslos“

  • -Aktualisiert am

TV-Moderator Frank Plasberg diskutierte mit seinen Gästen über Griechenlands Schuldenkrise. Bild: WDR/Klaus Görgen

Die politische Torheit der Athener Regierung hat die Debatte über die Krise fundamental verändert. Das war gestern Abend auch bei Frank Plasberg zu erleben.

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          Griechenland wird uns noch bis kommenden Sonntag beschäftigen. Dann findet das Referendum über die Zukunft des Landes in der Eurozone statt. Aber schon jetzt hat sich die Stimmung nach der ersten Verblüffung über dessen Ankündigung verändert. Das europäische Establishment ist mit der amtierenden griechischen Regierung fertig, und das in jeder Beziehung. Dafür musste man gestern nicht dem EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker zuhören. Oder der Bundeskanzlerin und ihrem Vizekanzler. Es reichte schon den Brüsseler ARD-Korrespondenten Rolf-Dieter Krause bei „Hart aber fair“ zu erleben.

          Vor noch nicht einmal einer Woche hatte er sich bei Anne Will mit dem Vorwurf „einseitiger Berichterstattung“ der Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan auseinanderzusetzen. Gestern Abend konnte davon nicht mehr die Rede sein. Krause hatte für den Ministerpräsidenten Griechenlands, Alexis Tsipras, nicht nur kein Verständnis. Er fand sein Verhalten in Brüssel schlicht empörend. „Das ist so was von verantwortungslos“, so Krause, „der gehört zum Teufel gejagt. Aber von den Griechen. Nicht von mir.“

          Ein ARD-Journalist ist zwar kein handelnder politischer Akteur, aber diese kaum verhohlene Verachtung für Tsipras gibt eine verbreitete Stimmung wieder. Man hat keine Scheu mehr davor, die ansonsten üblichen Höflichkeiten im Umgangston beiseite zu lassen. Man redet in einer Form Klartext, den sich selbst ein früherer sozialdemokratischer Kanzlerkandidat niemals getraut hätte. Hier ist etwas unwiderruflich zerbrochen.

          Parteilichkeit als Gebot der Stunde

          Im Vergleich zu Krause bewahrte Kanzleramtsminister Peter Altmaier allerdings noch die Contenance. Wut sei ein schlechter Ratgeber; aber seine bis dahin „fehlende Vorstellungskraft“ über das Handeln Athens brachte er dann doch zum Ausdruck. Er musste sich allerdings auch der Angriffe des FDP-Europaabgeordneten Alexander Graf Lambsdorffs erwehren. Warum die Bundeskanzlerin nicht schon viel früher auf dieses Verhalten Athens reagiert habe, so sein Vorwurf. Immerhin hätten die Beobachter in Brüssel schon längst von den Dächern gepfiffen, was von dieser Regierung in Athen zu halten wäre. Es könnten aber auch die Spatzen gewesen sein.

          Altmaier wies auf die Verhandlungsbereitschaft hin, die von der Bundesregierung nicht verweigert werden könnte. Aber man sieht, wie solche Ereignisse Argumente in ihr Gegenteil verkehren. Die Selbstverständlichkeit mit europäischen Partner zu verhandeln, wird plötzlich zum politischen Fehler. Schließlich kämpfen alle Seiten um die Deutungshoheit über die Ereignisse. Für das Brüsseler Establishment sind es jene „Zugeständnisse“, die man „vorher nie habe machen wollen“. So formulierte das Krause, der keinen Zweifel erlaubte, nicht mit der Brüsseler Politik übereinzustimmen.

          Aber Parteilichkeit ist das Gebot der Stunde, übrigens auch bei den Verteidigern von Syriza. Lediglich die junge Europaabgeordnete der Grünen, Ska Keller, bemühte sich um eine ausgewogene Sichtweise auf das Drama. Sie ging nicht unkritisch mit der Athener Regierung um, etwa was den Zeitpunkt des Referendums betrifft. Aber sie stellte das in Frage, was im politischen Schlachtgetümmel ansonsten zu kurz kommt. Waren die Vorschläge der Institutionen wirklich so fair gewesen wie behauptet?

          So wies Frau Keller auf einen Argumentationsfehler Junckers in seiner gestrigen Pressekonferenz hin. Dieser hatte die beabsichtigte Kürzung griechischer Renten bestritten. Diese sollten zwar nominal nicht gekürzt werden, aber sie wären real durch die Erhöhung von Abgaben gesunken. Aber das ist nur noch von historischem Interesse, auch wenn die Griechen am Sonntag über diese längst obsolet gewordenen Vorschläge noch abstimmen werden.

          Wobei es schon eine Innovation ist, diese Arbeitspapiere aus den Brüsseler Verhandlungen zum Gegenstand einer Volksabstimmung zu machen. Die Frage, wer das in Griechenland inhaltlich überhaupt nachvollziehen kann, ist durchaus berechtigt.

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