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TV-Kritik: Harald Schmidt Show : Til Schweigers Hintern durchgefallen

  • -Aktualisiert am

Letzte Woche bei Sky: Harald Schmidt Bild: dapd

Die letzte Woche der Harald Schmidt Show hat begonnen. Ein letztes Mal kann das Publikum die größte, beste und wichtigste Sendung im deutschen Fernsehen bewundern.

          Zur großen Uli-Hoeneß-Geständnis-Oper kann es im Fernsehen nur einen Kommentar geben, und es gibt ihn, gerade eben noch so. Schon im Warm-up geht es los: Zwei freie Plätze sieht Harald Schmidt und erklärt, die habe das Ehepaar Hoeneß gebucht, wolle aber nun doch noch mal in die Sonne. Wie bei einem Spielautomaten sei das, beginnt Schmidt dann fast euphorisch seine Sendung, man halte gespannt die Fenster zu, nehme die Hände weg – und pamm! schon wieder eine höhere Summe! Letzter Stand 27,2 Millionen Euro hinterzogene Steuern: „Da hätte er Christian Wulff sechsundzwanzigtausendmal zum Oktoberfest einladen können.“ Der Angeklagte selbst glaube ja an einen Freispruch, schiebt Schmidt nach, Hoeneß habe heute noch fünfzigtausend Euro darauf gewettet.

          Alle fünf Minuten erreichen nun Eilmeldungen das Studio 449 in Köln-Mülheim: „Hoeneß gesteht: Ich bin ADAC-Mitglied“, „Hoeneß gesteht: Ich hatte eine Fahrgemeinschaft mit Alice Schwarzer“, „Hoeneß gesteht: Meine Glatze ist nicht echt“, „Hoeneß gesteht: Ich habe 1976 absichtlich den Elfer verschossen“... Wer soll uns künftig das Tagesgeschehen verdaubar machen, wenn die Harald Schmidt Show fehlt, dieser Digestif, mit dem sich auch die schlimmsten Erbärmlichkeiten herunterspülen lassen. Wer wird uns bei künftigen Orgien der Gier und des Schwachsinns, die einen verzweifeln lassen können, ironisch wieder aufbauen?

          Harald Schmidt in Topform

          Die dann doch recht zahlreichen Ausschnitte aus den vergangenen Harald Schmidt Shows, die Sky auf seiner Webseite anbietet (die letzten Harald-Schmidt-Happen für Nicht-Sky-Abonnenten), zeigten es schon: Der König der Late Night hat nicht nur nicht nachgelassen in Tempo, Schärfe, Anspruch und Spiellust, nein, Harald Schmidt ist in der Form seines Lebens. Er war immer schon ein Meister des Aufhörens, aber diesmal übertrifft er sich selbst, tritt nicht einmal nach in Richtung Sender (wie er das – freilich auch sehr amüsant – bei ARD und Sat.1 getan hat, kaum dass die Absetzung beschlossen war). Besser als die gegenwärtigen, sehr reifen Sendungen waren auch die klassischen Ausgaben mit den höchsten Einschaltquoten und prominentesten Gästen in den neunziger Jahren nicht.

          Und besser kann man eine solche hochaktuelle Sendung auch kaum machen. Ob Schmidt Titel von „Herrenmenschen bei Maischberger“ bis „Markus Landser“ für die geplante RTL-Hitler-Serie vorschlägt, ob er das Publikum weidlich einbezieht, ob er im Gespräch, kaum dass der Name Siegfried Lenz fällt, einwirft: „Ich hoffe, er macht weiter bei ‚Wetten, dass..?‘“, ob er mit Playmobil seine eigene Karriere nachspielt, ob er seinen Laptop verloren meldet („ich hatte nackte Senioren fotografiert; aber es waren nur die Geschlechtsteile zu sehen“) oder „12 Years A Slave“ trocken kommentiert mit „bei mir waren es zwanzig“ – so mitreißend, verspielt und hinterlistig tut er dies alles (jenseits des manchmal recht rumpeligen Witzes selbst), dass es ein einziges Vergnügen ist, ihm dabei zuzusehen.

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