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TV-Kritik: Günther Jauch : Günthers WM-Stammtisch

  • -Aktualisiert am

TV-Moderator Günther Jauch Bild: dpa

Die Fifa steckt kurz vor dem Turnier in Brasilien in der Krise - eine Steilvorlage für Jauch. Doch statt einer Diskussion gab es Parolen: Nationalspieler sollten auf ihre Gage verzichten und das DFB-Team keine Sponsorentermine mehr wahrnehmen.

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          Eine bessere Vorlage für seinen Sonntagabend-Talk hätte Günther Jauch gestern nicht bekommen können. Schließlich mussten die neuesten Korruptionsvorwürfe gegen das umstrittene WM-Land Qatar auch jedem noch so sportuninteressierten Zuschauer die aktuelle Problematik eindrücklich vorführen:  Es geht bei allen diesen Skandalen auch immer um den rasanten Verfall gesellschaftlicher Akzeptanz bei den milliardenschweren Megasportorganisationen. Der Internationale Fußball-Verband (Fifa) kämpft gerade an verschiedenen Fronten dagegen an. Spannend, vor dem Turnier in Brasilien.

          Bis bei Jauch allerdings am späten Sonntagabend nach dem zähen Länderspiel der deutschen Elf gegen Kamerun dieses Thema den Puls in der braven Gesprächsrunde zumindest ein wenig hochbrachte, dauerte es. Davor bot der Fußball jedem der Gäste die erwartete Projektionsfläche, bei aller Widersprüchlichkeit. Der Schalker Edelfan, VIP-Logengast und Schauspieler Peter Lohmeyer nörgelte über das viele Geld im Fußball und forderte, dass Nationalspieler doch gefälligst auf ihre Vergütung verzichten sollten, wenn sie für Deutschland antreten würden. Warum er aber dagegen als Darsteller jede Gage einstecken dürfe, darauf wollte Lohmeyer dann lieber nicht mehr näher eingehen.

          Stoiber überfordert Jauchs Stammtisch

          Die Bundestagsvizepräsidentin und selbsternannte Fußballfreundin Claudia Roth von den Grünen schlug in Anspielung auf die Vorkommnisse im deutschen Trainingslager vor, dass die Nationalmannschaft doch auf Werbetermine verzichten und die Zeit lieber zur vollen Konzentration auf die Turnieraufgaben nutzen sollte. Schließlich hätte die wichtigste Elf des Landes auch noch eine Vorbildfunktion zu erfüllen – und die ließe ja derzeit zu wünschen übrig. Jens Lehmann lächelte Pinkelvorfall und Raser-Affäre beim Nationalteam da einfach mal weg. Aber auf die immer wieder durchschimmernde Kommerz-Kritik seiner Nebenleute sprang der ehemalige Torhüter und heutige Multimillionär an, als er den gemeinen Fußballfan beruhigte und berichten konnte, dass Fußballteams auch heutzutage nicht nur aus vielen egoistischen Einzelunternehmern bestehen würden, sondern wie damals beim „Wunder von Bern“ noch ein Wir-Gefühl entwickelten.

          Irgendwie hatte Edmund Stoiber in einem der ersten Sätze zu Beginn der Talkrunde recht, als der frühere CSU-Ministerpräsident, der seit vielen Jahren dem Aufsichtsrat des FC Bayer angehört, auf die hohe Komplexität des Fußballs hinwies. Sie schien Jauchs Stammtisch immer wieder zu überfordern, weshalb so vieles an der Oberfläche blieb. Und der eigentlich interessante Aspekt, wie nämlich ein weltweit agierender Fußballkonzern seine neue gesellschaftliche Legitimation in Zukunft verantwortungsvoll erarbeiten könnte, wurde nur andiskutiert. Es blieb bei ein paar altbekannten Schlagworten – die „obszönen Ausgaben“ für die WM in Brasilien oder das zweifelhafte „Monopol der Fifa“.  Eine verpasste Chance für vielschichtige Erkenntnisse. Aber wie sagte Jens Lehmann doch so schön über sich und seine ehemaligen Kollegen auf dem Platz: „Als Spieler lernst du, alles um dich herum zu verdrängen.“

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