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TV-Kritik: Günther Jauch : Wohnen bald nur noch Reiche in den Städten?

  • -Aktualisiert am

ARD-Moderator Günther Jauch diskutierte am Sonntag mit seinen Gästen über die Mietpreisbremse Bild: dpa

Die Mietpreisbremse soll das Wohnen in den Ballungsräumen bezahlbarer machen. Doch die Pläne der Bundesregierung könnten das Gegenteil bewirken - das Thema der Diskussion bei Günther Jauch.

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          Jeden Abend verlässt in New York eine komplette Schicht die Stadt. Kellner, Busfahrer oder Zimmermädchen und viele andere, die relativ niedrig entlohnte Tätigkeiten ausüben, nehmen eine U-Bahn-Linie, die sie weit weg von Manhattan bringt, wo die Mieten noch bezahlbar für sie sind. Die Weltstadt New York hat ihren Preis.

          Und Berlin, das momentan wohl die hippste Stadt des Planeten ist und gutverdienende Menschen aus Schwaben und Hollywood anlockt, ist auf dem Weg dahin. Aber nicht nur die Hauptstadt. In Deutschland zieht es die Menschen nach der Landflucht Mitte und Ende der achtziger Jahre wieder verstärkt in Städte wie Hamburg, München, aber auch Regensburg und Münster. Und wie werden sie empfangen? „Hipster hau ab“, stand auf einem Plakat eines demonstrierenden Bürgers, der in einem Einspielfilm bei Günther Jauch zu sehen war. Sein Thema an diesem Abend: Leben bald nur noch Reiche und Gutverdiener in den Ballungszentren?

          Da war es wieder das Stichwort „reich“, mit dem man die Menschen momentan so gut in Wallung bringen kann. In der Tat wird die Wohnungssuche immer schwieriger – vor allem in deutschen Städten und Ballungsgebieten. Während zahlungskräftige Mieter schnell Wohnungen in bester Lage finden, haben Durchschnittsverdiener das Nachsehen: Sie können sich die steigenden Mieten einfach nicht mehr leisten, wie in New York. Viele müssen sogar ihre Wohnungen verlassen, weil diese nach einer aufwendigen Sanierung deutlich teurer und somit unerschwinglich werden.

          Hamburgs Bürgermeister Scholz wohnt zur Miete

          Wie konnte es soweit kommen?  Die schlafende Politik und gierige Investoren seien schuld, lauteten die Antworten der Gäste. Sie trafen damit ziemlich genau den Kern des Problems und lieferten am Ende der Diskussion sogar neuen Sprengstoff für die Auseinandersetzung um die größte Aufgabe seit der Wiedervereinigung. Zunächst berichten sie aber über ihre persönliche Wohnungssituation. Olaf Scholz, Erster Bürgermeister von Hamburg, wohnt zur Miete. Ebenso Christian Lindner, der FDP-Vorsitzende ist und in Düsseldorf und Berlin jeweils eine Wohnung unterhält. Auch die anderen Gäste, der Stadtsoziologe Andrej Holm, und die Rechtsanwältin Sylvia Sonnemann, zahlen jeden Monat Geld an ihren Vermieter. Nur der Vertreter der Immobilienwirtschaft Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland IVD, besitzt eine Eigentumswohnung in Wilmersdorf.

          Dass es tatsächlich ein Problem mit steigenden Mieten gibt, leugnete deshalb niemand. Eine gute Grundlage für eine gute Diskussion, die sich tatsächlich entwickelte. Argumente wurden sachlich ausgetauscht und verständlich klar gemacht, was aber auch daran liegt, dass die geplante Mietpreisbremse der Bundesregierung nicht so komplex ist wie eine Bankenrettung. Und an uneitlen Gästen, die kaum versuchten mit polemischen Äußerungen das Studiopublikum zum Johlen zu bringen.

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