https://www.faz.net/-gsb-7nney

TV-Kritik: Günther Jauch : Von Haus aus kein Diplomat

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen in der Sendung von Günther Jauch Bild: dpa

Putin und sein Charme hätten sie einst fasziniert, sagt Ursula von der Leyen bei Günther Jauch - und fordert ein Ende der russischen Provokationen. Aus Sicht der Verteidigungsministerin gibt es aber auch einen Grund, Russland dankbar zu sein.

          5 Min.

          „Sie sind kein Diplomat, von Haus aus?“ - hatte der deutsche Journalist Hubert Seipel Wladimir Putin einmal gefragt. „Koneschno net, überhaupt nicht“, antwortete dieser in einer Mischung aus Deutsch und Russisch. Russlands Präsident ist in den vergangenen Wochen in der Krim-Krise alles andere als diplomatisch vorgegangen. Zuletzt reagierte er auf amerikanische Sanktionen gegen eine russische Bank mit der Ankündigung, nun dort ein Konto eröffnen zu wollen. Und nach der Annexion der Krim in der vergangenen Woche übernahm Moskau am Wochenende die Kontrolle über weitere Militärstützpunkte auf der Halbinsel. Dort wehen nun russische Flaggen. Schon an diesem Montag ist neben der ukrainischen Griwna auf der Krim offiziell der Rubel als Zahlungsmittel zugelassen.

          Julian Staib

          Politischer Korrespondent für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland mit Sitz in Wiesbaden.

          In Deutschland herrscht eine gewisse Ratlosigkeit über das Vorgehen Russlands, die jedoch in merkwürdigem Gegensatz zu all den Talkshows steht, in denen darüber gesprochen wird. Maybrit Illner fragte zuletzt, ob „jetzt Krieg in Europa“ drohe, Anne Will erörterte, ob die „Krim erst der Anfang“ sei, Frank Plasberg sorgte sich, ob wir „Angst vor Russland“ haben müssten. Jetzt also auch Jauch. „Putin, der Große - wie gefährlich ist sein Russland?“, fragte der, und es hätte interessant werden können. Denn neben dem Leiter des deutschen Büros der staatlichen russischen Nachrichtenagentur „Ria Nowosti“, Dmitri Tultschinski, saßen da mit Gerd Ruge und Hubert Seipel zwei langjährige deutsche Russland-Kenner auf der einen Seite. Ihnen gegenüber Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen und der frühere amerikanischen Botschafter in Deutschland, John Kornblum.

          Jauch versucht es mit Küchenpsychologie

          Tultschinski, der Mann von „Ria Nowosti“, war von Jauch wohl in die Runde geholt worden, um Russlands offizielle Sicht zu vertreten und das zumindest gelang: Natürlich habe Moskau bei diesem „Schritt“, gemeint war die Annexion der Krim, mit dem „Unverständnis“ des Westens gerechnet. Aber schwerer hätte nun einmal gewogen, dass Russland an die Menschen auf der Krim gedacht habe, die sich „verunsichert“ und „bedroht“ gefühlt hätten. Und dass an die gemeinsame Geschichte der Krim gedacht wurde und an die Zukunft in Kiew, „die nicht so rosa“ zu werden verspräche.

          Da, denkt man, hakt er doch mal nach. Aber Jauch hakte nicht nach. Später fragte er Herrn Seipel, ob Putin in Bezug auf den Osten der Ukraine „den entsprechenden Plan schon im Kopf“ habe, oder ob er einfach so je nach „Tagesform“ entscheide. Meine Güte, wollte man da rufen, Europa befindet sich in der schwersten Krise seit langer Zeit, und Jauch läpperte diese Sendung da herunter. Immer wenn es interessant zu werden versprach, ging er über zum nächsten Gast. Ein wenig Küchenpsychologie hier, ein bisschen Geschichtsseminar dort, ein Stückchen Weltpolitik da drüben. Routiniert und ein wenig gelangweilt stellte er reihum die Fragen und fast alle hielten sich daran, sprachen nicht zu lange und unterbrachen einander nicht. 

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eskalation in Hongkong : Jagdszenen auf dem Campus

          Die Universitäten in Hongkong geraten zum Kampfgebiet. Das stellt die Hochschulleitungen vor eine Zerreißprobe. Sollen sie sich hinter ihre Studenten stellen? Oder auf die Seite der Polizei?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.