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TV-Kritik: Günther Jauch : Von Haus aus kein Diplomat

Der Westen hat Moskau nicht über den Tisch gezogen

Moskau sei nicht vom Westen über den Tisch gezogen worden, sagte der langjährige Russland-Korrespondent der ARD, Ruge, aber Russland habe sich von der Zeit nach der Wende mehr versprochen. Ruge schlug in der Runde die sorgenvollsten Töne an. Vielleicht, sagte er, müsse man „auch von unserer Seite vorbedingungsloser herangehen“ an die Situation. Er warnte vor einer Stimmung, in der sich „beide Seiten etwas vorwerfen“.

Putin hatte in seiner Rede am Dienstag vor dem russischen Parlament die Annexion der Krim mit der deutschen Wiedervereinigung verglichen und auf Verständnis aus Deutschland gehofft. Er äußerte er die Hoffnung, „dass die Europäer, zuallererst die Deutschen“, die Aufnahme der Krim, die „immer ein untrennbarer Teil Russlands“ gewesen sei, verstünden. Russland habe bei der deutschen Wiedervereinigung den „unaufhaltbaren Wunsch der Deutschen nach einer nationaler Einheit“ eindeutig unterstützt. „Ich bin mir sicher, dass ihr uns nicht vergessen habt“, sagte Putin.

Die Bundesregierung wies das zurück: Die deutsche Einheit habe zwei getrennte Staaten gleicher Nation wieder zusammengeführt, hieß es. Das russische Eingreifen führe dagegen zu einer Teilung der Ukraine. „Es stimmt, wir sind Russland dankbar“, dass es die deutsche Wiedervereinigung „begleitet“ habe, sagte nun von der Leyen. Aber die Wiedervereinigung sei ein „gemeinsamer Prozess der Völker“ unter völkerrechtlichen Bedingungen gewesen, angeleitet von den 2+4-Gesprächen, sagte sie.

Interessant waren an dieser Stelle Auszüge aus Putins Rede vor dem Bundestag 2009, die eingeblendet wurden. Als erster russischer Präsident sprach Putin vor dem deutschen Parlament und die Rede ist es wert noch einmal gelesen zu werden. „Entscheidungen werden viel zu oft ohne uns getroffen“, sagte Putin damals auf Deutsch. „In Wirklichkeit haben wir immer noch nicht gelernt uns zu vertrauen, trotz der süßen Reden.“

Ist es verletzter Stolz? Immer wieder suchte Jauch nach Erklärungen für das Verhalten des russischen Präsidenten. „Sind sie ihm auch mal persönlich begegnet?“, fragt er von der Leyen, und die berichtete von der Faszination, die von Putin früher auf sie ausgegangen sei. Er habe damals deutsch gesprochen zu ihnen, sei „exzellent informiert“ und charmant gewesen, es habe eine „Aufbruchstimmung“ geherrscht. Im Laufe der Zeit sei ihr dann aber aufgefallen, dass Putin immer „starrer“ geworden sei.

Ihr sage man ja nach, dass sie sich „ein bisschen auskennt“ mit der Inszenierung der Politik - sagte Jauch zu Frau von der Leyen. Vielleicht könne sie etwas zu Putins Inszenierung sagen. Die sei wohl eher nach innen gerichtet, antwortete von der Leyen vorsichtig, und sie zahle sich offenbar aus, denn die Zustimmungsraten Putins in Russland stiegen. Aber diese innere Stärke habe einen „großen Preis nach außen“. Einen Preis, den alle zahlen müssten, doch Russland, das so viel Vertrauen im Westen enttäuscht habe, werde den „höheren Preis zahlen“.

Nach all dem fragte Jauch Herrn Tultschinski, ob Putin sich denn nun nicht bewegen müsse. Die Antwort war ernüchternd: Moskau habe nie das Gespräch verwehrt. „Aber wieso ist Russland in der Pflicht etwas zu sagen?“.

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