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TV-Kritik: Günther Jauch : „Jetzt seien Sie doch mal ein bisschen stolz!“

Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) argumentiert in der Sendung „Günther Jauch“ für ein „Entgeltgleichheitsgesetz“. Bild: Imago

Wenn Frauen weniger als Männer verdienen, erhitzt das die Gemüter. Führt Frauenministerin Schwesig ideologische Grabenkämpfe oder befindet sich Deutschlands Wirtschaft noch im Mittelalter?

          4 Min.

          Was sollte nach dem Mittelfinger auch noch kommen? Es war die Sendung eins nach #varoufake, jener denkwürdigen Ausstrahlung mit dem griechischen Finanzminister, dessen eingespielter Youtube-Auftritt samt obszöner Geste und Fälschungsdebatte medial Furore machte. Um es vorwegzunehmen: Ein würdiger Nachfolger ist nicht in Sicht. Diesmal ging die Redaktion auf Nummer sicher und brachte einen Beitrag über Mitarbeiterinnen von Foto Heinze, die vor rund einem Vierteljahrhundert gegen die Lohnungleichheit im eigenen Betrieb auf die Barrikaden gingen. Da sie auf dem Klageweg erfolgreich waren, ist die Echtheit des Vorgangs quasi richterlich festgestellt.

          Sven Astheimer
          Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.

          „Ungerechter Lohn - warum verdienen Frauen weniger?“  Moderator Günther Jauch nahm den Equal Pay Day vergangene Woche zum Anlass, um über die Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen zu diskutieren. Rein rechnerisch war das der Tag, an dem Männer erst anfangen mussten zu arbeiten, um auf dasselbe durchschnittliche Jahresgehalt zu kommen wie Frauen, die aber seit Jahresbeginn schufteten. So zumindest das plakative Bild: Die durchschnittliche Lohnkluft zwischen den Geschlechtern beträgt 22 Prozent. Mit in der Runde waren Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD), die an einem „Entgeltgleichheitsgesetz“ arbeitet, die beiden Journalisten Elisabeth Niejahr und Roland Tichy, der Hotel-Unternehmer Marcus Wöhrl sowie Thomas Sattelberger, der mal einer der einflussreichsten Personalmanager des Landes war und bei der Telekom die Frauenquote durchsetzte.

          „Die Arbeitswelt entspricht dem Mittelalter“

          Gastgeber Jauch stieg mit zwei Beispielen aus dem Publikum ein: eine Managerin, die nach eigenen Angaben rund 50.000 Euro im Jahr weniger verdient hatte als ihre männlichen Kollegen, weshalb sie das Unternehmen verklagte und verließ. Nun bekomme sie bei der Konkurrenz, was sie verdiene und hat sich überdies mit dem alten Arbeitgeber verglichen, weshalb sie wahrscheinlich den Namen auch auf Nachfrage nicht nennen wollte. Zusammen mit dem Beispiel der Schreinermeisterin an der Universität Stuttgart, die rund 40 Prozent weniger in der Tasche hat als ihr Kollege für dieselbe Arbeit, trieb das den Moderator zu der Frage, ob das nicht eine „himmelschreiende Ungerechtigkeit“ sei. Ein Ball, den die Ministerin nur zu gerne aufnahm. „Die heutige Arbeitswelt entspricht dem Mittelalter“, findet die Sozialdemokratin, „sie können nicht davon ausgehen, dass es alle gut meinen mit den Frauen“. Und das, obwohl Mädchen in der Schule mittlerweile die besseren Noten und an den Universitäten die besseren Abschlüsse haben.

          Ansonsten verlief der Start der Sendung reichlich zäh. „Die Zeit“-Journalistin Niejahr (“Der Markt wird es nicht schaffen“) hält politische Rahmenbedingungen wie Ehegattensplitting und Minijobs für den Grund, dass Frauen oftmals in der Karriere stecken bleiben und deshalb auch weniger  verdienten, der frühere Chefredakteur der „Wirtschaftswoche“ Tichy wies mehrmals auf den Umstand hin, dass Frauen quasi die „falschen“ Berufe wählten, wenn man auf die Bezahlung schaut. Was Sattelberger mit der Forderung kommentierte, man müsse „Pflegerinnen tarifieren wie Industriearbeiter“. Ansonsten wirkte der frühere Personalmanager mehrerer Dax-Konzerne in dieser Runde irgendwie deplatziert, weshalb sich Tichy zu der Spitze hinreißen ließ, dass die Zeit wohl an ihm vorbei gegangen sei.

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