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TV-Kritik: Günther Jauch : Allahs Dampfplauderer

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Engel am Bett und der BGH von 1966

Warum man den Islam nicht frauenfeindlich nennen darf, aber dafür die katholische Kirche des 1992 in Münster verstorbenen Leppich, ist allerdings ein Rätsel. Bosbach forderte nun eine „klare Kante“ gegen den Salafismus. Er warnte vor falsch verstandener Toleranz, wir ahnen es schon, gegenüber den Feinden der früher FDGO genannten und oben erwähnten Grundordnung. Er wies auf den alten Fritz hin, der schon im 18.Jahrhundert der Überzeugung war, „jeder soll nach seiner Façon selig werden“. Dabei wurde aber ein seltsames Verständnis dieser FDGO sichtbar. Jauch zeigte Film-Ausschnitte, die über das Frauenbild von Kamouss Aufschluss geben sollten. Unter anderem ging es um die Verpflichtungen des Weibes. Der altertümliche Begriff passt ja durchaus  zum Frauenbild der Salafisten. Kamouss erläuterte dort, wie sie den Bedürfnisses des Mannes im Ehebett Wohlwollen entgegenzubringen haben. Ansonsten, so der Imam, erschienen der Frau nämlich die ganze Nacht mahnende Engel am Bett.

Immerhin kam der Bundesgerichtshof im Jahr 1966 in einem Grundsatzurteil zum damaligen Scheidungsrecht zu der Erkenntnis, dass „eine Frau ihren ehelichen Pflichten“ nicht schon damit genüge, wenn „sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt.“ Wenn das die Engel wüssten! Jauchs Gast wies aber darauf hin, dass das Video aus dem Jahr 2002 stamme. Mittlerweile habe er dazu gelernt. Vielleicht bekamen Kamouss damaligen männliche Zuhörer, statt Engel zu sehen, auch nur die passenden Worte ihrer Ehefrauen zu hören. Da ist für einen Prediger das Lernen eine probate Möglichkeit zum Erhalt der Glaubwürdigkeit. Aber diese Frage wurde nicht geklärt. Nur meinte Jauch in diesem Frauenbild eine Verfassungswidrigkeit im Sinne der FDGO feststellen zu müssen. Nur ist die katholische Kirche ein Verfassungsfeind, weil sie das Recht auf freie Berufswahl für Frauen einschränkt? Es ist wirklich grotesk, wie mittlerweile gewisse gesellschaftspolitische Überzeugungen zur verpflichtenden Leitlinie für alle gemacht werden sollen. Das geringste Problem am militanten Islamismus ist wirklich sein reaktionäres Frauenbild.

Ohne rosa Elefanten

Jeder kann in Zukunft weiterhin so leben, wie es seiner Façon entspricht. Ob mit Engeln am Bett oder ohne. Nur der Staat kommt heute nicht mehr auf die Idee, sich über die Beiwohnung in ehelichen Betten Gedanken zu machen. Als Bosbach die Forderung an die Muslime erhob, sich eindeutig vom Terror der Dschihadisten zu distanzieren, war Kambouss sofort zur Stelle. Er wolle sogar bei der Aktion „Not in my name“ mitmachen, womit Muslime auf der ganzen Welt ihre Ablehnung des IS deutlich machen. Hier platzte Frau Gezer endgültig die Hutschnur. Sie gab ihm zwar nicht die Hand, aber duzte ihn respektlos.

Wie er auf die Idee käme, ihre Mutter solle sich als gläubige Muslima von diesen Leuten distanzieren? Schließlich machten das die Deutschen beim NSU auch nicht. Wobei das die Repräsentanten dieses Staates in deren Namen schon oft genug zum Ausdruck gebracht haben. Aber zu dem Zeitpunkt war Jauch der Abend schon völlig aus dem Ruder gelaufen. Das hatte vor allem einen Grund. Es blieb bis zum Schluss unklar, mit wem man es bei Abdul Adhim Kamouss zu tun hatte. Er bestätigte noch nicht einmal die Charakterisierung als Salafist. Soll der Zuschauer eigentlich vor dem Fernseher sitzen, und im Internet nach solchen Artikeln zu suchen? So saß er staunend vor dem Bildschirm und versuchte sich auf diesen Abend einen Reim zu machen, wenn auch ohne rosa Elefanten. Aber vielleicht haben es ihm auch die Engel im Schlaf erklärt.

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