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TV-Kritik: European Qualifiers : Ein peinlicher Fußballabend mit RTL

  • -Aktualisiert am

RTL-Moderator Florian König (l.) und Ex-Nationalspieler Jens Lehmann Bild: dpa

Fußball war nur das Beiwerk - eigentlich ging es nur um die Plazierung von Werbebotschaften: Die Übertragung der EM-Qualifikation auf RTL wirkte wie eine Verschwörung der Öffentlich-Rechtlichen, um deren Unersetzbarkeit zu dokumentieren.

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          Wer wissen will, wie es jungen Damen und Herren auf dem Debütantinnenball ergeht, konnte gestern Abend bei RTL fündig werden. Sie irren auf dem Platz umher, versuchen nichts falsch zu machen und bloß nicht den Einsatz zu verpassen. So wandelte Moderator Florian König am Sonntag ab 19:00 Uhr um den früher Westfalenstadion genannten Fußball-Tempel zu Dortmund, um dort von den „European Qualifiers“ zu berichten. Dieser geschützte Begriff soll den Umstand benennen, dass sich die Fußball spielenden Nationalmannschaften erst für die Endrunde der Europameisterschaft 2016 in Frankreich qualifizieren müssen. Der Kölner Privatsender hat sich die Übertragungsrechte für diese Veranstaltung gesichert. Zuschauer wie Fernsehkritiker stellen sich aber kurz vor Mitternacht nur noch eine Frage: Handelt es sich hier um eine Verschwörung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter, um deren Unersetzbarkeit zu dokumentieren? Sollte gar deutlich gemacht werden, dass es immer noch eine Möglichkeit geben kann, jedes journalistische Niveau zu unterbieten? Ansonsten lassen sich diese fünf Stunden des Zuschauers mit „Mein RTL“ kaum sinnvoll erklären.

          Das Lied von deutschen Helden

          Nun hat RTL die einzigartige Fähigkeit, aus jeder Berichterstattung ein Event zu machen. In dieser profan mit Ereignis zu übersetzenden Veranstaltungsform gibt es keine Akteure mehr, über deren Handlungen man berichtet. Dort werden Heldenepen geschrieben, wo selbst der Besucher des Bayreuther Hügels noch auf seine Kosten käme. So brachte RTL, bekanntlich bei der WM-Begeisterung nur Zaungast gewesen, seine Zuschauer mit Einspielern auf den Nachgeschmack des WM-Triumphs aus Brasilien und sang das Lied vom deutschen Helden. „Gemeinsam die Strömung spüren. Mit voller Kraft voraus“, so war zu hören, und jetzt käme die „Zeit der großen Gefühle“, gar der „Beginn einer neuen Ära“. Es ging um „die nächste Verabredung“, gemeint war das EM-Endspiel 2016 in Paris, dort stünde „der nächste Pott“. Die Heroen? „Kantig. Vollgas. Müller“, gemeint war der Stürmer gleichen Namens. Bundestrainer Joachim Löw fand sich mit „Lachend. Locker. Tiefenentspannt“ charakterisiert. Wo blieb die ZDF-Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein, wie sie die einsamen Strandspaziergänge des Bundestrainers schmachtend dokumentierte?

          So flogen dem Zuschauer ratternd die Worte um die Ohren, die ihn an die Elogen auf Stalin im sozialistischen Realismus erinnern könnten, wenn sich unter den Zuschauern oder RTL-Redakteuren noch jemand an Stalin erinnern sollte. Der Formulierungskunst war im Rückblick auf Brasilien keine Grenze gesetzt. Der sozialistische Realismus überwand bekanntlich auch mit leichter Feder die Grenze zum Kitsch. „Im strömenden Regen von Recife“, wir erinnern uns dunkel an das Spiel, „sind die US-Boys von Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann letztlich die Begossenen.“ Es fehlte noch des Pudels Kern. 

          Kongenialer Medienpartner des DFB

          Bevor es endlich um 20:45 Uhr losging, wünschte König dem Zuschauer viel Spaß bei der, so sagte er, „Inszenierung“ der Zeit bis zum Anstoß. Es folgte ein virtuelle Reise der deutschen Mannschaft durch die stolze Ahnengalerie des hiesigen Fußballs von 1954 bis 2014. Am Ende landete man in den Katakomben des Dortmunder Tempels, wo die Spieler beider Mannschaften brav auf den Gang zum Spielfeld warteten. Dort sah man schließlich ein Ensemble aus den Fahnen der beiden Nationalmannschaften, links und rechts um das Zentrum der Welt gruppiert. Das ist das Logo des DFB und seines Hauptsponsors. Bei RTL, so kann man es wohl formulieren, hat der DFB einen kongenialen Medienpartner gefunden, um seine Marketingstrategie an den Mann und die Frau zu bringen. Vorher hatte aber König seinen Irrweg durch das Stadion in Westfalen beendet. „Wir gehen jetzt“, gemeint war sein Fachexperte Jens Lehmann, „die letzten Schritte am Spielfeldrand zu unserer Position“. Nach fast zwei Stunden erreichten die Debütanten so endlich ihr Ziel.

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