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TV-Kritik: Donnerstalk : Flüchtlinge, Cyber-Mobbingopfer und Pauline

  • -Aktualisiert am

Dunja Hayali moderiert während der Sommerpause von Maybrit Illner die neue ZDF-Sendung „Donnerstalk“. Bild: ZDF und Svea Pietschmann

In der Sommerpause von Maybrit Illner versucht sich das ZDF an einem neuen Format. Der „Donnerstalk“ erwies sich dabei als entwicklungsfähig. Nur hätte sich Frau Hayali entscheiden sollen, was sie will.

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          Ein „Tag der offenen Tür“ in Berlin-Marzahn. Der Anlass ist die Errichtung eines Containerdorfs, wo in Zukunft 400 Flüchtlinge eine provisorische Unterkunft finden sollen. Mittendrin ist Dunja Hayali, die langjährige Moderatorin des ZDF-Morgenmagazins. In ihrer Reportage versucht sie die Atmosphäre im Umgang mit diesen Flüchtlingen einzufangen. Auf der gegenüber liegenden Straßenseite demonstrieren rechte Demonstranten, die sich allerdings weigern, mit Frau Hayali zu sprechen. Das Interesse der Anwohner ist groß, ihre Auskunftsbereitschaft schon weniger. Die Reporterin wirkt in diesen Szenen fast hilflos, was keineswegs gegen sie spricht. Ein normaler Umgang mit diesem Thema ist fast unmöglich geworden. Es ist ein Konglomerat aus Ängsten und Vorurteilen, das die Atmosphäre bestimmt. Der „Tag der offenen Tür“ versucht durch Informationen eine gewisse Normalität herzustellen. Von diesem Bemühen ist auch der Filmbeitrag geprägt gewesen.

          „Sie sind der rechte Rand"

          Solche Reportagen sollen in den kommenden vier Wochen den „Donnerstalk“ bestimmen. Frau Hayali wechselt in der Sommerpause von Maybrit Illner in das Abendprogramm. Sie orientiert sich an Formaten wie Stern-TV. Reportagen werden mit Live-Interviews verbunden. Schon bei Günther Jauch bewährte sich dabei die Mischung aus Betroffenen und Experten, die für die fachliche Einordnung sorgen. So war das auch gestern Abend zu erleben. Bei den Themen setzte Frau Hayali allerdings eigene Akzente. Cyber-Mobbing oder Therapiehunde darf man sicherlich auch bei Stern-TV erwarten, die harte politische Kontroverse eher nicht. Zum Thema Flüchtlinge hatte Frau Hayali zwei Kontrahenten eingeladen, die eigentlich für eine spannende Kontroverse hätten sorgen müssen: Den „Spiegel online“-Kolumnisten Sascha Lobo und den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der AfD, Alexander Gauland.

          „Das Problem ist nicht, dass Sie am rechten Rand fischen, sondern Sie sind der rechte Rand“, so Lobo gewohnt angriffslustig an Gaulands Adresse. Dieser wirkte zwar etwas gelangweilt, und schien nicht so recht zu wissen, was er dort sollte. Aber immerhin machte Gauland eine interessante Bemerkung, die man so bisher nur aus eher linken Argumentationszusammenhängen kannte. Er habe in den 1970er Jahren etwas Ähnliches erlebt, was er aber immer abgelehnt habe. Damals sei „die Frankfurter Schule für den Terrorismus verantwortlich gemacht worden“. Es ging um den Zusammenhang zwischen der zunehmenden Zahl an Anschlägen etwa auf Asylbewerberheime und der Flüchtlingsdebatte. Lobo hatte eine veränderte gesellschaftliche Stimmung diagnostiziert, wo Menschen vor allem auf Facebook mittlerweile sogar mit Namensnennung zu Brandanschlägen aufrufen. Daraus hätte sich durchaus eine interessante Diskussion entwickeln können. Sie fand aber nicht statt, weil in den wenigen Minuten dieses Gesprächs keine Zeit bleibt, um es sich entwickeln zu lassen. Gauland kam so gar nicht erst in die Verlegenheit, seinen Vergleich mit dem Terrorismus der 1970er Jahren begründen zu müssen. Es hätte einen wirklich interessiert, wo heute auf Facebook Theodor Adorno oder Max Horkheimer zu finden wären.

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