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TV-Kritik: Donnerstalk : Die fragwürdige Masche der „Bild“ in der Griechenland-Debatte

  • -Aktualisiert am

ZDF-Moderatorin Dunja Hayali im Studio der Sendung „Donnerstalk“ Bild: ZDF und Svea Pietschmann

Welchen Anteil hat die „Bild“-Zeitung am Tiefpunkt im deutsch-griechischen Verhältnis? In Dunja Hayalis „Donnerstalk“ präsentiert sich das Blatt wie eine seriöse Wirtschaftszeitung. Irreführende Schlagzeilen kommen nicht zur Sprache.

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          Wahrscheinlich hätte sich Maybrit Illner gestern Abend mit dem zur Justizaffäre gewordenen Landesverratsvorwurf gegen die Journalisten von „Netzpolitik“ beschäftigt. Der Debatte um diese Affäre merkt man die Sommerpause der Talkshows in ARD und ZDF an. Es fehlt das Forum, wo sich die Politik ihren Kritikern stellen muss. Sie kann es daher eher gemächlich angehen lassen. So werden noch nicht einmal die für Justiz und Inneres zuständigen Bundestagsausschüsse aus der Sommerpause gerufen. An der politischen Bedeutung des Themas kann es nicht liegen. Schließlich wird in diesem Land nicht sehr oft ein Generalbundesanwalt von einem Justizminister in den vorzeitigen Ruhestand geschickt – und wurde bisher genauso selten wegen des Vorwurfs „publizistischer Landesverrats“ ermittelt.    

          Relevanz der klassischen Talkshow

          Nun wissen wir nicht, ob die „Donnerstalk“-Moderatorin Dunja Hayali an eine kurzfristige Themenänderung dachte. Nur wäre das mit ihrem Sendeformat nicht zu machen gewesen. Es beruht auf dem politischen TV-Magazin alter Schule. Diese funktionieren immer noch wie die klassische Zeitung. Man bringt mehrere Berichte mit Themen, die der jeweiligen Redaktion als wichtig erscheinen. Frau Hayali verbindet das noch mit Live-Interviews mit Gästen, wobei sie Betroffene auf Experten treffen lässt. In diese Struktur hätte die Justizaffäre um „Netzpolitik“ nicht hineingepasst.

          Insofern traf Frau Hayali die richtige Entscheidung für das Format „Donnerstalk“, aber journalistisch stellt sich eine andere Frage: Wo soll dieses für das Verhältnis zwischen digitalisierten Medien und Politik wichtige Thema eigentlich kontrovers diskutiert werden, wenn nicht in ARD und ZDF? In der Selbstbezogenheit sozialer Netzwerke? Diese reflektieren in hohem Maße die zumeist harsch kritisierten Talkshows. Dort ist man immerhin noch gezwungen, sich eine andere Meinung wenigstens anzuhören. Ansonsten funktionieren digitalisierte Mediensysteme zumeist als Selbstbestätigungsmaschine. Man liest, hört und sieht nur noch das, was man lesen, hören und sehen will. Alles andere wird bestenfalls als Möglichkeit gesehen, um die zeitgenössische Denunziation namens Shitstorm in Gang zu setzen.

          So könnte man mit dem gestrigen Abend die Relevanz der klassischen Talkshow begründen, um damit zugleich die Verantwortlichen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten an ihren publizistischen Auftrag zu erinnern. Trotzdem war diese Sendung mit dem Titel „Not in Griechenland, alte Eltern und Bruchbude Schule“ durchaus geglückt. Frau Hayali vermochte es, ihre Themen in einen inneren Zusammenhang zu stellen. Es ging nur formal um Griechenland, ein älteres Lehrer-Ehepaar aus Hamburg mit Kinderwunsch und die Situation an deutschen Schulen. Vielmehr vermochte Frau Hayali das zu beschrieben, was Soziologen unter „Lebenslagen“ verstehen – und die durchaus differenziert sein können. Diese bestimmen auch das Bewusstsein, wie in den Interviews deutlich wurde. So berichtete die gebürtige Griechin Kalliopi Lagudaki von ihrem Umgang mit dem, was wir die Griechenland-Krise nennen. Wie sie Bekannte und Verwandte aus Kreta bei sich in Köln aufnimmt, um diesen Zuwanderern in Köln einen Neustart zu ermöglichen. Es wurde deutlich, was diese Krise mit den Menschen in Griechenland macht, was eine für das entwickelte Europa beispiellose Verschlechterung der sozialen Lage bedeutet.

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