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TV-Kritik: Dieter Nuhr : Fehlt da nicht was?

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Eine Welt, die nicht schlecht sein kann

So gab Nuhr einen Rückblick, der nicht jedem gefallen haben wird. Etwa jenem Lutz Bachmann, der für die Verwirrung bei der Berliner Polizei sorgte. Er behauptet ja immer noch jeden Montag in Dresden, das Volk zu repräsentieren. Ihm fehlten allerdings die mathematischen Grundkenntnisse. Zweitausend in Dresden seien nicht das Volk, machte Nuhr deutlich. Auch die Beschwerden der AfD über die Machenschaften der Medien sind aus seiner Perspektive wenig überzeugend. Die AfD-Protagonisten säßen jede Woche in einer Talkshow, um zu sagen, dass sie nicht ihre Meinung sagen dürfen. Nuhr bewies damit wieder einmal ein gutes Gespür für die Funktionsweise eines Mediensystems, das sich vor allem durch Skandalisierung auszeichnet. Es wird vor allem wahrgenommen, was möglichst viel Krawall verspricht. Von dieser Logik profitieren nicht nur die Rechten, sondern in gleicher Weise die Islamisten. Letztere sind für Nuhr auch nichts anderes als ein Anschlag auf den gesunden Menschenverstand. So betrachtet er die Burka und den Niqab vor allem als eins: als absurde Form der Selbstdarstellung. Sein Vorschlag wäre eine Burka für Männer auf dem Oktoberfest, versehen mit dem schönen Slogan: „Bier formte diesen schönen Sack.“

Für Nuhr bilden die Medien die Realität nicht mehr ab, sondern sie liefern davon lediglich ein Zerrbild. Etwa, wenn eine Talkshow wie die von Anne Will eine Frau mit Niqab einlädt. Was sollen davon eigentlich, so Nuhr, die gut integrierten und toleranten Muslime halten? Sie finden dort nicht statt, allerdings nur aus einem Grund: weil sie keinen Ärger machen. Für Nuhr sind die Medien zu einem Kuriositätenkabinett geworden, wo alle möglichen Deppen ein Höchstmaß an Aufmerksamkeit erzielen. Auf der Strecke bleibt jene gesellschaftliche Mitte, die dem nur noch fassungslos und staunend, aber schweigend gegenübersteht. Ihr gibt Nuhr eine Stimme. „Eine Welt, in der Menschen für sowas Zeit haben, kann nicht schlecht sein.“ Mit „Sowas“ meinte Nuhr die Pokemon-Go-Hysterie des vergangenen Sommers.

Jahresrückblick als Korrektiv

Im klassischen Kabarett ist die Welt schlecht und voller Skandale. Für Nuhr ist sie besser als ihr Ruf, allerdings sagt das im Gegensatz zu früher kaum noch einer. Tatsächlich kann man heute niemandem mehr den Vorwurf machen, eine heile Welt zu propagieren, um die Kritik daran zu verschweigen. Insofern ist Nuhrs Jahresrückblick als Korrektiv zu betrachten, wenn er die Absurditäten des vergangenen Jahres in den Blick nimmt. Die Sendung war fast zeitgleich mit dem Anschlag aufgenommen worden. Nuhr machte daher gestern Abend noch eine Vorbemerkung. Das Jahr habe mit Köln schlecht begonnen und mit dem Anschlag noch schlechter geendet.

So wäre er gerne auf die parteipolitische Instrumentalisierung eingegangen, die schon kurz nach dem Anschlag begann. Er nannte sie „ekelhaft“, ohne das aber zu konkretisieren. Aber der Jahresrückblick sei trotzdem lustig geworden. Eines könne man uns schließlich nicht nehmen: die Lebensfreude

Ob das Nuhr auch unter dem unmittelbaren Eindruck eines solchen Anschlages hätte vermitteln können, ist zu bezweifeln. Nuhr beschrieb nämlich die Distanzlosigkeit als eines der Probleme unserer heutigen Medienlandschaft. Der kann man schließlich auch selbst zum Opfer fallen. So konnte Nuhrs Jahresrückblick zum Glück unterhaltsamer und nachdenklicher werden als es die Umstände eigentlich erlaubten. Ansonsten kann man nur hoffen, dass die Behörden im Fall des Anis Amri weniger Material für die satirische Zuspitzung liefern als es augenblicklich den Anschein hat. Wir werden es von Dieter Nuhr hoffentlich nicht erst im Jahresrückblick 2017 erfahren.

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