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TV-Kritik: „Bambi“-Verleihung : „Jetzt dauert’s ein bisschen“

  • -Aktualisiert am

Uma Thurman und ihr Bambi Bild: dpa

Goldene Rehe fürs Doktorspielen, fürs Weltmeisterwerden und fürs Flüchtlingenhelfen: Die „Bambi“-Verleihung als langer, rätselhafter Fernsehabend und Wechselbad der Gefühle.

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          Glücklicherweise hatte Helene Fischer noch eine Konzert-Verpflichtung am selben Abend. Man hätte sonst nicht ausschließen können, dass sie diese „Bambi“-Verleihung vollständig übernommen hätte: Sie hätte immer im Wechsel mit anderen Interpreten ihre Songs vorgetragen, Bambis im Dutzend mitgenommen und die Moderationen zwischen den eigenen Laudationes auch noch selbst übernommen.

          Dazu kam es nicht, was aber in der ersten halben Stunde wirklich noch nicht abzusehen war. Fischer eröffnete den Abend mit ihrem Hit „Atemlos“, der dann von Samu Haber (Sunrise Avenue) in einer Akustikversion wiederholt wurde, bevor er ihr den Entertainment-Bambi überreichte. Sie revanchierte sich damit, dass sie nun auch noch ihre neue Single „Unser Tag“ zum besten gab, die in ihrer Hymnenhaftigkeit und mit dem Refrain „Das ist unser Tag / Der perfekte Tag / Der allerbeste Augenblick“ offenbar der Versuch ist, in Zukunft anstelle von Andreas Bouranis „Auf uns“ gespielt zu werden - weshalb wir sie vermutlich nicht nur das ganze kommende Jahr, sondern auch zur Eröffnung der Bambi-Verleihung 2015 hören werden.

          Fernsehpreis : 66. Mal Bambi verliehen

          Der erste in der Moderatoren-Staffette des Abends war zur allgemeinen und offenbar auch eigenen Überraschung Bastian Schweinsteiger. Mit dem Gesichtsausdruck eines Hollywood-Stars bei seinem ersten „Wetten dass“-Besuch formte er angestrengt die lobenden Worte auf Miroslav Klose und Philipp Lahm, die auf dem Teleprompter standen; Sätze wie: „Und da ist ein anderer Ausnahmespieler. Lieber Philipp, du bist der Kapitän der Weltmeistermannschaft.“ (Applaus.) Lahm und Klose bekamen den „Ehrenpreis der Jury“ für ihre Leistungen und stürmischen Applaus vom Publikum.

          Die Organisatoren vom Burda-Verlag hatten die Erinnerung an den Weltmeistertitel, zu der ja auch Helene Fischer gehört, als Höhepunkt gleich an den Anfang der fast dreieinhalbstündigen Veranstaltung gepackt, die live aus dem Theater am Potsdamer Platz im Ersten übertragen wurde.

          In ganz anderer Weise in Erinnerung blieb der darauf folgende Lebenswerk-Preis für den Regisseur und Autor Helmut Dietl. „Setzen Sie sich wieder bequem hin“, sagte er eingangs schwer atmend dem Publikum, das ihm stehend applaudierte, „jetzt dauert’s ein bisschen.“ Drei Stunden würde es dauern, seine Dankesrede vorzulesen, scherzte er - tatsächlich wurden es anstrengende, teils rätselhafte, teils bestürzende zehn Minuten. Dietl rechnete vor, was so ein Bambi nach dem heutigen Goldpreis wert sein müsste, und schwadronierte, dass seine „Schicksalszahl“ die drei sei. Dies sei zum Beispiel schon sein drittes Bambi und sein dritter Lebenswerk-Preis. 

          Dietl: Wenn ich wüsste, wie Glücklichsein geht

          Er erinnerte an seinen Film „Zettl“ und kritisierte die Kritiker: „Ein Flop beim einfachen Publikum und vor allem bei der Mehrzahl der Starkritiker. Für diese omnikompetenten Professoren der deutschen E-Cinematologie-Kultur war es sicher ein kulinarisches Vergnügen, einen Unverdächtigen wie mich endlich vor ihre Edelfedern-Flinte zu kriegen.“ Einige derer, die ihn damals verrissen, hätten ihn dann zu seinem 70. Geburtstag dafür gepriesen - „das kam aber für mich und den Verleih ein paar Jahre und vermutlich etliche Millionen zu spät“, beklagte sich Dietl. Das Publikum schaute stumm betroffen.

          Bastian Schweinsteiger goes Hollywood - und überreicht Philipp Lahm und Miroslav Klose ihre Bambis.
          Bastian Schweinsteiger goes Hollywood - und überreicht Philipp Lahm und Miroslav Klose ihre Bambis. : Bild: dpa

          Dietl ist an Lungenkrebs erkankt. Er sprach aus, was angesichts seines Auftritts auf der Bühne womöglich einige im Publikum tatsächlich dachten:  „Die Akademie musste sich in meinem Fall besonders beeilen, denn einen Lebenswerk-Preis kann man nur dann erfolgreich verleihen, wenn der Lebenswerkler während der Preisverleihung noch am Leben teilnimmt.“  Er erzählte von der Geburt seiner dritten Tochter vor elf Jahren: „Wenn ich wüsste, wie Glücklichsein geht, wäre ich es damals gewesen. Und möglicherweise sogar noch heute.“

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