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TV-Kritik: aspekte : Ruine eingebaut

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Sie sind jung und machen in Kultur: „aspekte“-Moderationsteam Tobias Schlegl, Katty Salié und Jo Schück Bild: Jule Roehr, ZDF

Das gute alte ZDF-Kulturformat „aspekte“ wurde radikal renoviert: Die erste, zu hektische Ausgabe der neuen Live-Sendung aber zeigte, dass mit dem alten Kulturbegriff leider auch alles Analytische über Bord geworfen wurde.

          Aus dem lange von Luzia Braun und Volker Herles betulich heruntermoderierten Kultursendungs-Dampfer „aspekte“ wurde vor zwei Jahren – mit Dienstantritt der jungen, unverbrauchten und doch schon kultursendungserfahrenen Katty Salié – ein recht schnittiger Ozeanriese, zumindest was die Präsentation der ansonsten wenig veränderten Magazinbeiträge anging.

          Es spricht für die das ZDF in den letzten Jahren auszeichnende Umtriebigkeit, sich damit nicht zufrieden zu geben. In charmanter Eigenbauweise hat man dem „aspekte“-Schiff jetzt einen stärkeren Motor eingebaut und zwei Tragflächen angeschweißt: Als Moderator ganz neu hinzugekommen ist der dreiunddreißigjährige Jo Schück, der in Radio und Fernsehen vor allem auf dem Feld der Popmusik-Präsentation Meriten gesammelt hat. Der zweite neue Mann, Tobias Schlegl, jung, links, „Extra 3“-erfahren und ebenfalls mit Affinität zum Musikfernsehen, hat bislang schon die Urlaubsvertretung von Katty Salié übernommen, gilt aber fortan als gleichgewichtiger Ko-Moderator.

          Sind wir nicht alle ein bisschen Viva?

          Mit Hochgeschwindigkeit zischt das ZDF von nun an am späten Freitag (nach der „heute show“: Kann es überhaupt einen besseren Sendetermin geben?) über das Meer der Kultur hinweg. Einzelne Tauchgänge mag es immer noch geben, aber eben auch viel Spaß, Gischt und Geschwindigkeitsrausch, ganz besonders in der ersten neuen Ausgabe am gestrigen Abend. Wie man sich dabei die Bälle zuwirft, wie schnell und ironisch man Themen und Fragen abhandelt, das erinnert mehr an gut gelaunte, im Schäkern aufgehende Viva-Moderationen als an umständliches Kulturfernsehen alter Schule. Nach Club sieht auch das neue, ein wenig bunkerartige Studio aus: Leuchtwürfel, kleine Showbühne, ein Interviewtisch, den ein Bataillon leere Bierflaschen bestens zierte.

          Daniel Fiedler, seit einem Jahr Leiter der Redaktion „Kultur Berlin“ im ZDF und damit zuständig für „aspekte“, hat der Sendung nicht nur einen neuen Look und drei (in Zukunft jeweils wechselnd als Duo) das Format präsentierende Moderatoren verpasst, sondern – Chapeau! – auch die entscheidende, alles dynamisierende Änderung gewagt: „aspekte“ findet nun live vor Publikum und mit Studiogästen statt, ist also nicht mehr ein vorproduziertes, geglättetes und unverortbares Retortenformat, sondern ein Stück echtes Fernseh-Leben mit deutlich mehr Einsatz, Risiko und, ja doch, Sex-Appeal.

          Fiedler war bis Ende 2012 Leiter des nicht zuletzt als Musiksender reüssierenden Digitalkanals ZDFkultur, bevor dieser vom ZDF selbst torpediert wurde und inzwischen nur noch als Abspielstation für Archivmaterial dient. Mit der Kamikaze-Talkshow „Roche und Böhmermann“ hat Fiedler eines der interessantesten Formate der letzten Jahre initiiert: Wo sonst im Unterhaltungsfernsehen geht ein derart starker Formwille mit völliger inhaltlicher Freiheit einher? Gegen „Roche und Böhmermann“ sieht das neue „aspekte“ nun geradezu herkömmlich aus, ein bisschen so, als würde man dem Morgenmagazin gehörig Make-up auflegen und es dann – noch nicht ganz auf dem richtigen Alkoholpegel – ins Nachtleben abschleppen.

          Olympia und Berlinale im Schnellkochtopf

          Flott ging es also voran. Das erste Thema an diesem Abend waren die Olympischen Spiele in Sotschi, kaum anders zu erwarten wenige Stunden nach der Eröffnungsfeier. Abgehandelt wurde das Thema in einem vierminütigen Beitrag, der einige Olympiaruinen von Athen (2004) und Peking (2008) zeigte, dann den Journalisten Thomas Kistner zu Wort kommen ließ mit der Einschätzung, die olympische Idee habe längst den Geist aufgegeben, um schließlich die Prognose zu wagen, auch in Sotschi würden die Ruinen nicht lange auf sich warten lassen. Das ist nicht nur eine arg schlichte These, die ganz auf der Linie des gegenwärtig offenbar zwingend gebotenen Sotschi-Bashing liegt. Man hat sich für dieselbe auch noch an London (2012) und an allen Olympischen Winterspielen (Salt Lake City, Turin, Vancouver) vorbeimogeln müssen, weil sie hier kaum gestützt worden wäre.

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