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TV-Kritik: Anne Will : Und dann meldet sich der Springteufel von der AfD

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Das gibt Frau Will Gelegenheit, den Landesvorsitzenden der AfD in Niedersachsen danach zu fragen, ob er es als seine Aufgabe betrachte, den Menschen Ängste zu nehmen. Armin Paul Hampel, ehemaliger ARD-Korrespondent, eine zivile Erscheinung im Führungspersonal dieser Partei, umgeht die Frage und lobt das Kompromissangebot der Bürgerinitiative Jan Greves. Greve widersetzt sich der Umarmung und will weder mit Pegida noch mit der AfD in einen Topf geschmissen werden. Als politisch gebildete Bürger setze er auf Beteiligung, nicht auf Konfrontation.

Im Studio kommt Stimmung auf, als Frau Will Jan Stöß fragt, ob die Politik etwas versäumt habe. Wie soll Stöß antworten? Er hat keine Chance, aber nutzt sie, auch um den Preis, Hohngelächter zu provozieren. Was soll er auch tun? Die Politik solle die Wahrheit sagen, die Situation erklären, wie sie ist, sich den Realitäten stellen. Dass sich angesichts der katastrophalen Situation vor dem Lageso etwas ändern müsse, wer wollte das bestreiten? Er findet  den Bogen zur Integration. Die Gesellschaft dürfe durch die Herausforderungen nicht zerrissen werden.

Hier fährt AfD-Hampel wie ein Springteufel aus der Kiste. Das beharrliche Bohren dicker Bretter ist erkennbar nicht seine Sache. Er illustriert anschaulich das Dilemma der AfD. Praktisch und pragmatisch hat sie nichts zu bieten. Dass er wortreich den Rechtsbruch durch die Bundesregierung anprangert, das musste er als Parteiauftrag los werden. Nur was das zur Lösung der Probleme beiträgt, bleibt sein Geheimnis.

Frau Henniges gibt sich mit Stöß' Versöhnungsangebot nicht zufrieden. Die Lage vor dem Lageso verstoße gegen Grundrechte. Die Würde des Menschen sei dort antastbar geworden. Es fehle nicht mehr viel und es seien die ersten Toten zu beklagen. Es handelte sich nicht um eine Flüchtlingskrise, sondern um ein Versagen der öffentlichen Verwaltung.

Hacker können helfen

An der Stelle hätte es sich gelohnt, wenn Frau Will auch Anke Domscheit-Berg eingeladen hätte. Der von ihr im Oktober initiierte Refugeehackathon versammelte Programmierer, die nach Klärung von Prioritäten sich an die Arbeit machten, Programme zu schreiben, die den Alltag von Flüchtlingen erleichtern. Ähnlich könnten sie auch der chronisch überforderten Berliner Verwaltung durch bessere Abläufe auf die Sprünge helfen.

Die Diskussion findet zurück zu den Problemen. Was ist mit den Massenschlägereien? Ist das ein spezielles Flüchtlingsproblem? Davon kann keine Rede sein. In Massenunterkünften ticken alle Menschen aus. Kein Mensch hält auf Dauer den Verlust jeder Privatsphäre aus.

Ein letztes Mal versucht Hampel, seinen Organisationsauftrag zu erfüllen und Unfrieden zu schüren, verweist auf Sexualdelikte in Flüchtlingsunterkünften. Damit landet er bei Kripomann Küch an der richtigen Adresse. Mumpitz sei das, das seien Märchen. Tatsächlich gebe es despektierliches Verhalten alleinstehender junger Männer, das sei aber ohne strafrechtliche Relevanz. Frau Henniges fühlt sich in jedem deutschen Bierzelt unangenehmer angemacht als in einem überbelegten Flüchtlingsheim.

So wurden die Sorgen ausgesprochen. So kam Verständigung zustande. Aber noch knirscht es an vielen Stellen. Politik und Verwaltung sollten frühzeitiger den Dialog mit den Bürgern suchen. An alternativlose Lösungen glaubt keiner

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