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TV-Kritik „Anne Will“ : Oh, wie steuerfrei ist Panama

Anne Will Bild: dpa

Die Moderatorin lässt eine Stunde lang über die Enthüllung zu den „Panama Papers“ diskutieren. Es ist ein schmaler Grat, denn die Öffentlich-Rechtlichen haben die Tatbestände selbst ermittelt.

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          Wer schon am Freitag auf die Progammankündigung der Talkshow „Anne Will“ geschaut hat, konnte noch nicht viel ahnen: „Wenn das Geld in der Sonne liegt – Wer trocknet die Steueroasen aus?“ lautete der Titel. Solche Sendungen hat es immer mal wieder gegeben, seit auf Ebene der Industriestaatenorganisation OECD über einen besseren internationalen Informationsaustausch in Steuerangelegenheiten verhandelt wird. Gepflegte Sonntagabendroutine schien sich anzubahnen. Immerhin versprach die Sendung mit dem parlamentarischen Staatssekretär Michael Meister (CDU) sowie einer spezialisierten Anwältin und einem Schweizer Banker, der als Whistleblower selbst Ermittlungen in dieser Sache ermöglicht hat, eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Thema.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Wer sich dagegen am Sonntag im Laufe des Tages über die wichtigsten Nachrichten informiert hat, kam an der aktuellen Enthüllung zu den „Panama Papers“ nicht vorbei. Ob über FAZ.NET, Spiegel Online oder die Internetseite der Tagesschau – überall konnte man etwas über ein Datenleck erfahren, das einigen europäischen Zeitungen und den führenden ARD-Anstalten erlaubt hat, Einblick in die Geschäfte geheimer Briefkastenfirmen zu nehmen, die zum Teil in kriminelle Machenschaften verstrickt sind. Die Zeitungen – zu denen die „Süddeutsche Zeitung“, der „Guardian“ und „Le Monde“ zählen – berichten über die Verstrickungen von Fifa-Funktionären, Politikern wie dem argentinischen Staatspräsidenten Mauricio Macri, dem isländischen Premierminister Sigmundur Gunnlaugsson, dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko sowie einem engen Vertrauten des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

          Da die „Süddeutsche Zeitung“ und die ARD-Anstalten WDR und NDR seit einiger Zeit einen gemeinsamen Rechercheverbund betreiben, hat das Erste diese Enthüllungen auch sehr prominent und umfangreich in ihren Fernsehsendungen und im Internet begleitet – so auch in Anne Wills Talkshow am Sonntagabend. Sie beruhen auf einem Datenleck in der Anwaltskanzlei Mossack Fonseca aus Panama, die in der Vergangenheit zahllosen Menschen dabei geholfen hat, Briefkastenfirmen zu unterschiedlichen Zwecken aufzubauen.

          „Größtes Leck in der Geschichte“?

          Diese Frühkritik muss sich zwangsläufig zur Aufgabe machen, nicht den Gehalt dieser Enthüllungen zu prüfen, sondern den Umgang damit in einer Talkshow. Denn erst in einigen Wochen dürfte man beurteilen können, ob der weltweit vielleicht bekannteste Whistleblower Edward Snowden recht behält, wenn er sagt, dass es sich um das „größte Leck in der Geschichte des Daten-Journalismus“ handelt. Georg Mascolo, Chefkoordinator des Rechercheverbunds und damit eigener Mann der ARD, sprach in der Sendung von einjährigen Recherchen. Allein dieser Aufwand erklärt, warum die beteiligten Medienhäuser ihre Geschichte auf allen Kanälen ausführlich beleuchten. Schon an diesem Montag legt der Sender mit einer Dokumentation nach, in der die dubiose Verweigerung von Pensionszahlungen des insolventen früheren Schreibmaschinenherstellers Olympia an ehemalige Mitarbeiter mit Hilfe einer Briefkastenfirma beleuchtet wird. Nun heißt es erst einmal abwarten, was da im einzelnen alles an die Oberfläche gelangt.

          Bleiben wir also streng beim Format einer Talkshow – und vergessen vorerst einmal, dass sie hier als Teil einer konzentrierten Medienenthüllung benutzt wird. Es lässt sich festhalten, dass es der Moderatorin Anne Will wieder einmal gelingt, einen komplexen politischen Sachverhalt durch geschicktes Nachfragen, Ausbremsen wo nötig („Ich will noch einen Moment dabei bleiben, Herr Gysi, damit wir das erst verstehen“) und eine kluge Dramaturgie, den Zuschauer mit dem Eindruck zurückzulassen, einigermaßen sortiert und umfassend über die Sache informiert zu werden.

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