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TV-Kritik: „Anne Will“ : Kein „Kulturrabatt“ für Straftäter

Peter: „Ich hätte anders argumentieren müssen“

Diese Einlassung – man wird ja wohl noch fragen dürfen –, schenkt ihr die Moderatorin Anne Will in ihrer Talkshow am Sonntag zum Abschied, nachdem es eine Stunde lang sehr hitzig um die Frage gegangen ist „Bürger verunsichert – Wie umgehen mit kriminellen Zuwanderern?“ Und siehe da: Simone Peter, die plötzlich einem starken Staat das Wort redet und darin Olaf Scholz von der SPD und Edmund Stoiber von der CSU wenig nachstehen will, macht eine Kehrtwende und sagt, sie hätte „einen Tag später, mit einer anderen Faktenlage, anders argumentieren – müssen.“

Vorher haben wir von allen in der Runde gehört, dass sie verstanden haben, worum es geht. Olaf Scholz (der der beste Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten wäre) sagt es in ruhigen Worten, Edmund Stoiber (er will auch die Bundeswehr einsetzen) mit sich überschlagender Stimme und am überzeugendsten die Journalistin und Dokumentarfilmerin Düzen Tekkal: Es geht um die Durchsetzung rechtsstaatlicher Prinzipien; es geht um eine Polizei, die besser ausgestattet und von der Politik unterstützt werden muss; es geht um eine „Gesellschaft, in der wir alle leben wollen“.

Die Journalistin und Dokumentarfilmerin Düzen Tekkal weiß bei Anne Will zu überzeugen: Ihr geht es um eine „Gesellschaft, in der wir alle leben wollen“.
Die Journalistin und Dokumentarfilmerin Düzen Tekkal weiß bei Anne Will zu überzeugen: Ihr geht es um eine „Gesellschaft, in der wir alle leben wollen“. : Bild: NDR/Wolfgang Borrs

„Kriminelle müssen wie Kriminelle behandelt werden“, sagt Düzen Tekkal, es gelte, die Gesellschaft zu schützen und nicht die Straftäter, es gebe keinen „Kulturrabatt“ für Straftäter. „Flüchtlingsein ist kein Beruf“, sagt Düzen Tekkal, echauffiert sich über die ethnische Bigotterie der Grünen und der Linken und macht deutlich, dass es bei diesem entscheidenden politischen Thema nicht um die Herkunft, sondern um die Einstellung geht.

Frauen bleiben fern

Diese Feststellung ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Man muss sie aber angesichts der Grünen und der Linken auf der einen und der AfD auf der anderen Seite eigens betonen, will man sich nicht mit dem inzwischen erreichten Zustand im öffentlichen Raum abfinden, der da lautet: Ohne massiven Polizeieinsatz geht es an Silvester oder bei anderen Gelegenheiten, zu denen sich Menschen in großen Gruppen zum Feiern treffen, nicht. Und Frauen bleiben ob der potentiellen Gefahren gleich fern.

Im Fernsehen zu bekunden, dass man sich dieser Realität stellt, ist das eine. Das andere aber ist die Politik, die von denjenigen betrieben wird, die sich in den Talkshows ein Stelldichein geben. Dies ist in diesem Fall nicht nur die Bundesregierung, es sind die mehrheitlich rot-grün dominierten Landesregierungen, die die reale Sicherheits- und Flüchtlingspolitik zu verantworten haben.

Schaut auf Rot-Rot-Grün in dieser Stadt!

Und da lohnt sich insbesondere der Blick auf die Berliner Landesregierung von Rot-Rot-Grün. Sie spricht sich gegen mehr Videoüberwachung aus, will dafür die Polizisten mit Body-Cams überwachen und in Sachen Anti-Diskriminierung besonders schulen, wie es im Koalitionsvertrag heißt. Abschiebungen will die Berliner Landeskoalition möglichst erschweren, sie, wenn es aus „humanitären Gründen“ nicht tragbar sei, ganz lassen, und das auch bundesweit durchsetzen.

73 Prozent der Bürger in diesem Land, sagt Anne Will zum Abschluss ihrer Sendung mit Beschwichtigungsgestus, fühlten sich laut ARD-Deutschlandtrend sicher. „Eher sicher“ hätte sie sagen müssen, denn darauf lautete die von Infratest dimap vorgegebene Antwortmöglichkeit. Die politischen Parteien dürfen sich indes nicht nur „eher“, sondern sehr sicher sein, dass sie bei den anstehenden Landtagswahlen und der Bundestagswahl an diesem Thema gemessen werden. Und das ist keine Frage des „Sicherheitsgefühls“, sondern der Lage dieses Landes.

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