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TV-Kritik: Anne Will : Glücklich diskutieren, alleine sterben

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ARD-Themenwoche „Zum Glück“: Bei Anne Will ging es ums würdevolle Sterben Bild: dpa

Es sollte vermutlich originell sein, in der ARD-Themenwoche „Zum Glück“ das Thema Sterben aufzugreifen. Wer lange genug aushielt, erfuhr in Anne Wills Talkrunde, wie schnell das Originelle ins Übliche abrutschen kann.

          Eine der klarsten Äußerungen in Anne Wills Talkrunde „Gibt es ein glückliches Sterben?“, die zudem das Thema nachdenklich und nicht romantisierend aufgriff, kam vom CDU-Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe, der zugleich Behindertenbeauftragter der Bundesregierung ist. „Ich bin skeptisch, ob es ein glückliches Sterben geben kann. Ich persönlich habe Angst vor dem Tod, aber ich kann mir vorstellen, dass man zufrieden mit dem Leben abschließen kann. Aber ein Glücksgefühl beim Sterben kann ich mir nicht vorstellen.“

          In dieser ersten Viertelstunde der Sendung, in der sich die Moderatorin mit guten Gründen zurückhalten konnte, hatten auch der Journalist Tilman Jens, die von der Medienmanagerin zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin gewordene Christiane zu Salm und die Psychotherapeutin Angelika Kallwas in sehr persönlich gehaltenen Beiträgen einen konzentrierten Blick auf das Thema „Sterben“, seine Widersprüchlichkeiten und Abgründe eröffnet.

          Die Gesellschaft hat keine Zeit mehr fürs Sterben

          Zu Salms Erkenntnis nach gerade mal zwei Jahren als ehrenamtlicher Sterbehelferin, dass es in Deutschland „immer mehr Schläuche und immer weniger Seele“ gebe, wirkte etwas plakativ. Aber ihre Kritik daran, dass in Deutschland so viele Menschen alleine sterben wegen zerrissener und zerstrittener Familien, führte an einen wichtigen Punkt des Unglücks. Hier konnte Angelika Kallwas, die ihre sterbende Mutter in der letzten Zeit zu sich geholt und sie im Sterben begleitet hatte, anknüpfen und feststellen, dass Sterben oft ein langsamer und mühseliger Prozess sei, unsere Gesellschaft aber nicht mehr darauf eingerichtet sei, so ein zeitraubendes Erleben zuzulassen.

          Jens dagegen, die lange, schwierige Phase der Demenz seines Vaters erinnernd, wollte hier Möglichkeiten geschaffen wissen, dass Menschen nicht gezwungen werden sollten, im Leben auszuharren, was ihm von Christiane zu Salm die kühle Frage einbrachte, ob er damit die aktive Sterbehilfe propagieren wollte.

          Schon oft gesehen und gehört

          An dem Punkt spätestens wurde deutlich, was sich auch vorher schon in einigen Gesten und mimischen Reaktionen abgezeichnet hatte: die Gäste von Anne Will hatten sich vorbereitet; sie wussten, wer in der Diskussion über Sterbehilfe, assistierten Suizid und Tötung auf Verlangen in welchem Lager steht und bezogen das des öfteren in ihre Reaktionen auf andere und in ihre eigenen Debattenbeiträge mit ein. Aus der Debatte, die unerwartet konzentriert und persönlich begonnen hatte, wurde so schon vor der Halbzeit eine der Talkshows über das Lebensende und die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten seiner medizinischen und rechtlichen Regulierung, wie wir sie in den letzten Jahren bei Plasberg, Maischberger, Beckmann und last but not least auch Will selber schon recht oft gesehen haben.

          Ehrenamtliche Sterbebegleiterin: Christine zu Salm sieht zerrissene Familien als Hindernis für würdevolles Sterben

          Dass die Diskutanten und ihre Moderatorin dennoch die rechtlichen Begriffe der Debatte so munter durcheinander wirbelten, als redete man das erste mal über das Thema, und dabei völlig unklar blieb, was die aktive Sterbehilfe vom Abbruch der Beatmung unterscheidet oder warum Hubert Hüppe die organisierte Suizidbeihilfe strafrechtlich verbieten will, das aber kein gesetzliches Verbot des ärztlich unterstützten Suizid beinhaltet, führte anschaulich vor, dass Talkshows keine Fortbildungsveranstaltungen sind.

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