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TV-Kritik: „Anne Will“ : „Das kann jederzeit wieder passieren“

Die Polizei zeigt Präsenz am Kölner Hauptbahnhof. Bild: dpa

In der Sendung von Anne Will geht es um die sexuellen Angriffe auf Frauen in Köln, um die Flüchtlingspolitik und Angela Merkel. Es wird viel um den heißen Brei geredet. Doch dann fällt ein Satz Wirklichkeit, wie wir ihn in Talkshows nicht oft hören.

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          Es wird eng für Angela Merkel. Sie droht, die Basis ihrer Partei zu verlieren. Von der CSU trennen sie Welten und nun schlägt auch die SPD in der Flüchtlingspolitik härtere Töne an, die man von denen aus Bayern kaum noch unterscheiden kann. Vizekanzler Sigmar Gabriel hat erkannt, dass man auf diese Weise bei den anstehenden Landtagswahlen Wähler gewinnen kann. Er setzt Angela Merkel unter Druck: Die Kanzlerin müsse jetzt handeln, um die Zuwanderung zu begrenzen. Gabriel wird bei solchen Gelegenheiten gern martialisch: Man könne nicht die „Bundeswehr mit aufgepflanztem Bajonett“ (über die Bewaffnung der Soldaten sollte man sich bei der SPD mal informieren) zur Sicherung der Grenze einsetzen, sagt Gabriel in den „Tagesthemen“ der ARD. Aber eine Lösung – eine möglichst europäische natürlich –, um die Zuwanderung zu steuern, die müsse schnell her.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es wird eng für Angela Merkel. Das merkt man auch in der Sendung von Anne Will, die jetzt wieder sonntags arbeiten muss und nach dem Intermezzo von Günther Jauch auf den Königinnenplatz des Talkshowgewerbes zurückgekehrt ist. Sie sieht etwas ernüchtert aus, nicht mehr so euphorisch wie vor einem halben Jahr, als die Bundeskanzlerin bei ihr zu Gast war und eine ganze Stunde lang ihr „Wir schaffen das“-Mantra aufsagte.

          Bis zum Silvesterabend klang das für manche vielleicht noch überzeugend. Seither tönt es für viele Menschen nur noch hohl: 676 Anzeigen von Frauen wegen Diebstahl und sexueller Belästigung, mutmaßlich drei Vergewaltigungen in der Silvesternacht in Köln – von denen am Tag darauf im Polizeibericht keine Rede und in der Presse erst allmählich zu lesen, zu hören und zu sehen war; zu denen sich Hannelore Kraft, die Ministerpräsidentin des Landes NRW, erst geschlagene zehn Tage später überhaupt äußert und deren Täter genau zu benennen und zu beschreiben in der öffentlichen Debatte erst einmal begründet werden musste, weil es vielen nicht ins Weltbild passt.

          Die Täter sollen laut Aussagen der Opfer, von Zeugen und der Polizei, aus Nordafrika und dem arabischen Raum stammen. Sie sprachen Arabisch, viele hatten keine Ausweise, aber eine genaue Vorstellung davon, wie ihr Zeitvertreib in dieser Nacht aussehen sollte.

          Altmaier spricht, niemand applaudiert

          Es wird eng für Angela Merkel. Das merkt man auch als Fernsehzuschauer von „Anne Will“: Kaum ein Gast im Studio applaudiert, wenn Peter Altmaier, der Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, loslegt, um zu erklären, was die Bundesregierung alles unternimmt und dass Kriminelle selbstverständlich umgehend ausgewiesen werden müssen. Hätte, würde, könnte – nichts von dem, was Altmaier sagt, löst erkennbare Zustimmung aus.

          Auch Anne Will bleibt misstrauisch: 676 Anzeigen, ein Geschehen massenhafter sexueller Übergriffe auf Frauen wie in Köln – kann sich das, wird sich das wiederholen? Gesine Schwan, die wohl irgendwie für die SPD da sitzt, drückt sich bei dieser Frage, flüchtet lieber ins Begriffliche, hält der Union eine verfehlte Einwanderungspolitik der vergangenen Jahrzehnte vor, und so weiter und so fort – sie redet also genauso um den heißen Brei wie es Altmaier auf seine Weise tut. Stefan Aust, Chefredakteur von „Welt/24“, hält ein um das andere Mal fest, dass alles eine Frage der Zahl sei – der Flüchtlinge, die Deutschland aufnehmen kann und bei der das Land überfordert ist.

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