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TV-Kritik „Anne Will“ : Bescheuerte Amerikaner?

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Sind die Amerikaner bescheuert? Fragt Anne Will in ihrer Sendung. Thomas Gottschalk zitiert in seiner Erklärung Peter Sloterdijk. Bild: NDR/Wolfgang Borrs

Donald Trump könnte Amerikas nächster Präsident werden. Für viele Deutsche ist das unbegreiflich. Aber statt teutonische Vorurteile zu pflegen, sollte den wahren Trump-Wählern lieber zugehört werden.

          In wenigen Wochen wird in Amerika ein neues Staatsoberhaupt gewählt. Das Rennen um das Weiße Haus scheint offen. Der Wahlkampf geht in die heiße Phase. Auch Anne Will widmete sich in ihrer Sendung diesmal der amerikanische Präsidentenwahl und einem Mann namens Donald Trump. Sein Erfolg ist für aufgeklärte Europäer unverständlich, weshalb diese gerne Rückschlüsse auf den Geisteszustand des amerikanischen Wählers ziehen. Anne Will spielte mit diesem Klischee als sie dem einzigen anwesenden Amerikaner die launige Frage stellte, ob er bescheuert wäre.

          Der bekennende Trump-Wähler Roger Johnson nahm es mit Gelassenheit. Er tat sich mit dieser Entscheidung selber schwer, wie er deutlich machte. Sein Votum zugunsten des formal republikanischen Kandidaten begründete er mit seiner Ablehnung der Gegenkandidatin Hillary Clinton. Deren mögliche Präsidentschaft betrachtet Johnson als „eine Katastrophe“, womit er aber ironischerweise den derzeitigen Ton in der Berichterstattung hervorragend traf.

          „Rätselhaftes Kindvolk“

          Vor einer drohenden Katastrophe, allerdings verbunden mit dem Namen Trump, warnte die Politikanalystin Constanze Stelzenmüller, die derzeitig in einer Denkfabrik in Washington arbeitet. Das machte sie vor allem an dessen Rhetorik fest, die sie als „menschenverachtend“ empfindet. Trump mache außerdem aus seiner Verachtung für die Regeln des amerikanischen Rechtsstaates keinen Hehl. Frau Stelzenmüller warnte davor, ihn nur noch aus der Perspektive des Showbiz zu betrachten. Es war schon interessant zu sehen, wie verzweifelt sie sich bemühte, das „andere Amerika“ zu skizzieren. Das war zwar in früheren Zeiten das Privileg der linken Amerika-Kritik, die sich damit gegen den Vorwurf des Antiamerikanismus wehrte. Frau Stelzenmüller meinte aber ein Amerika, das Politik noch als einen Streit um rationale Argumente betrachtete.

          Daher wehrte sie sich gegen jene Einspieler, die dieses Klischees über das von Frau Will angesprochene „bekloppte“ Amerika bestätigten. Das richtete sich darüber hinaus gegen Thomas Gottschalk, der Peter Sloterdijks Sentenz von den Amerikanern als „rätselhaftes Kindvolk“ zitierte. Der altgediente Entertainer hatte einen anderen Zugang zur amerikanischen Politik als die überzeugte Transatlantikerin Stelzenmüller. In den Vereinigten Staaten betrachtete man Politik nicht als entscheidend für das eigenen Leben, so Gottschalk, weshalb Wahlkämpfe als ein Unterhaltungsformat gelten würden. So hielten zwar viele Amerikaner die Wahl zwischen Trump und Clinton für eine „zwischen Pest und Cholera.“  Aber es fehlte die in Europa vorherrschende Katastrophenstimmung, wenn Trump gewählt werden sollte. Allerdings kann man offensichtlich auch die Wahl Clintons für eine Katastrophe halten.

          Politikanalystin Constanze Stelzenmüller empfindet Trumps Rhetorik schlicht „menschenverachtend“.

          Nun ist die extreme politische Polarisierung in Amerika nichts Neues. Dort wird Obama von vielen Konservativen genauso gehasst, wie Liberale den jüngeren Bush verachteten. In der Sendung von Anne Will wurde aber deutlich, warum es so schwierig ist, das Phänomen Trump zu verstehen. Frau Stelzenmüller und Gottschalk beurteilten ihn lediglich auf Grundlage seiner Rhetorik, die ein Ziel nicht verfolgt: Irgendetwas über eine politische Agenda zu verraten, die seine Präsidentschaft prägen könnte.

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