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„The Last Panthers“ auf Sky : Diese Bande ist nicht zu fassen

  • -Aktualisiert am

Es wird schmutzig: Die Sky-Serie „The Last Panthers“ entführt in die Unterwelt Osteuropas. Wir sehen ein grandioses Gangsterepos. Und David Bowie liefert den passenden Sound dazu.

          3 Min.

          Da ist sie, die mit viel Vorschusslorbeer bedachte britisch-französische Koproduktion von Sky und Canal+, deren Rohschnitt den göttergleichen David Bowie so sehr überzeugt hat, dass er die düster-hymnische, vor Energie geradezu berstende Titelmelodie „Blackstar“ beisteuerte, die mit der wabernd-chorischen Ankündigung „On the day of execution“ anhebt, bevor sich der Zuschauer als Voyeur ertappt fühlen darf: „And in the center of it all: your eyes.“

          Kaum dass der Beat eingesetzt hat, reißt der Vorspann ab. Auf den kompletten Song muss man noch einige Tage warten, auf Bowies gleichnamiges Album bis Anfang des kommenden Jahres. Aber man ist bestens eingestimmt nach diesen 45 Sekunden, in denen Hände, schmauchende Waffen und lebendige Tattoos wie in Trance einen Zeitlupentanz vollführen, der auf einen Schuss hinausläuft. Die Dämonen sind erwacht, die Exekution beginnt.

          Die Klunkerdiebe schlagen in Marseille zu

          Ja, es wird schmutzig in dieser hervorragend besetzten, sechsteiligen Serie nach einem Drehbuch von Jack Thorne, die sich locker an die spektakulären Juwelendiebstähle eines seit den neunziger Jahren aktiven, von Interpol „Pink Panther“ getauften Diebesnetzwerks aus dem Balkan anlehnt. Regisseur Johan Renck, ein über Musikvideos zum Film gekommener Musiker, der schon für Episoden von „Breaking Bad“ und „The Walking Dead“ verantwortlich war, wählt eine Ästhetik, die an harte französische Krimis nach dem Muster von „Braquo“ erinnert.

          Sie ist  der Polizei  meistens einen  Schritt voraus, doch  reicht  das? Samantha Morton spielt die Privatermittlerin Naomi Franckom.

          Gleich zu Beginn schlagen die berühmten Klunkerdiebe in Marseille zu, jedenfalls scheint es so, überkippen sie die Direktorin eines imposanten Juwelierladens doch mit rosafarbener Wandfarbe. Außerdem scheint alles bis ins Detail geplant zu sein. Unmaskiert erbeuten sie Diamanten im Wert von fünfzehn Millionen Euro. Doch auf der Flucht erschießt einer der Räuber aus Versehen ein Kind. Dass das nicht ganz zu den Panthern passt, die hier in Abweichung vom realen Vorbild in Richtung Robin Hood frisiert sind - „die haben Klasse, einen Code“ -, wissen auch ihre Gegner, allen voran der nicht zimperliche Versicherungsvertreter Tom Kendle (John Hurt). Er setzt seine beste Privatermittlerin Naomi Franckom (Samantha Morton) auf den Diebstahl an, wobei sie mit dem sympathischen Khalil Rachedi, dem Ermittler der französischen Polizei (Tahar Rahim, der schon in „Ein Prophet“ glänzte), ebenso interferiert wie mit den Vertretern von Interpol, aber meist die Nase vorn hat.

          Der Zuschauer weiß indes, dass es nur ein Mitglied der alten Panther-Bande war, das diesen Raubzug mit einigen Stümpern beging. Nun müssen sie die durch den Tod des Kindes fast unverkäuflich gewordenen Diamanten losschlagen, was sie zunächst in Ungarn, dann in Serbien versuchen. In Belgrad kommt Panther Milan (der hierzulande noch wenig bekannte kroatische Starschauspieler Goran Bogdan) über seine Familie mit den neuen Paten der brutaler gewordenen Szene in Kontakt. Dass Milan zu den Guten gehört, zeigt schon sein (leicht kitschiges) Motiv für den Raubzug: Er brauchte Geld, um einem Familienmitglied eine Operation zu bezahlen. Weil diese Serie nichts anderes sein will als Genreunterhaltung, stört es nicht wirklich, dass der Gangster-Look (dicke Karren, schlechte Zähne, Goldkettchen) hart am Klischee entlangschrammt. Wobei hier ganz Südosteuropa als Klischee erscheint: ein einziger Sumpf aus rücksichtslosen Kriminellen und korrupten Politikern.

          Die Optik der Serie - stets dunkel, grün- oder gelbstichig, grobkörnig - ist Kaputt-Chic vom Feinsten; ausgesucht hässlich sind die meisten Settings. Am schlimmsten trifft es in der ersten Folge Ungarn. Das aus dem Ruder laufende Treffen mit einem Mafia-Milizionär findet in einer Gegend statt, die irgendwo zwischen Slum, Müllkippe und rauchendem Schlachtfeld rangiert. Aber auch der Balkan kommt kaum besser weg, hat mit Emir Kusturicas romantischer Überhöhung nichts mehr zu schaffen. Die eingestreuten Passagen, die von Franckoms Trauma als Blauhelm-Soldatin im Jugoslawien-Krieg erzählen, unterscheiden sich nur unwesentlich von den übrigen Bildern: Panzer und Helme sind zwar verschwunden, Trümmer und Handwaffen aber noch da. So hat man beispielsweise für eine der ersten Belgrad-Szenen nicht die herausgeputzte Altstadt als Hintergrund gewählt, sondern die als Denkmal konservierte Ruine des von der Nato-Allianz zerbombten serbischen Verteidigungsministeriums. Dreckige Hinterhöfe, bröckelnde Mauern, unsägliche Wohnungen, abstoßende Häfen und vor Friedhöfen lungernde Gangs runden das Bild. Und doch sind sie alle ziemlich lässig, diese Bankster und Ganoven. Franz Biberkopf würde die Serie „liken“.

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