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TV-Kritik: Günther Jauch : Schumachers Managerin  kommt mit Richtigstellungen nicht hinterher

Schuhmacher Managerin Sabine Kehm beklagt sich über die Berichterstattung Bild: dpa

Eine Prognose zur Genesung sei unmöglich, sagte Schumacher-Beraterin Sabine Kehm bei Günther Jauch. Sie beklagte sich vor allem über die Berichterstattung. Ein großes Boulevardblatt kam hingegen überraschend gut weg.

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          Mal wieder. Eine Stunde Günther Jauch. Beginn 21:45 Uhr, Ende 22:45 Uhr, und hinterher ist alles wie vorher, es ist nur wieder eine Stunde später. „Wie geht es Michael Schumacher?“ war der Titel der Ausgabe vom Sonntagabend, eine Frage mit zweiter Ebene, natürlich, so viel Tiefgang gestattet der Norddeutsche Rundfunk. Thema der Sendung sollte eben nicht nur der Gesundheitszustand des siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters werden, zentral sollte viel mehr die Frage sein, ob der Umgang der Medien mit dessen Schicksal angemessen ist. Welches Recht haben Prominente auf Privatleben?

          Der Reihe nach: Michael Schumacher erlebt „Momente der Wachheit und des Bewusstseins“, sagte seine Managerin Sabine Kehm, bevor die eigentliche Talkrunde begann. Weitere Prognosen seien unmöglich, nicht einmal ein Mediziner könne sie abgeben. Kehm hatte das vor wenigen Tagen bereits mitgeteilt, die wiederholte Nachricht machte trotzdem noch während der Sendung die Runde und landete auf den meisten wesentlichen deutschen Nachrichtenportalen, auch bei FAZ.NET.

          So ist es mit Meldungen über Schumacher seit seinem Skiunfall Ende Dezember 2013. „Das Interesse ist so groß wie in keinem Fall der letzten Jahrzehnte“, sagte Alfred Draxler, Chefredakteur der „Sport-Bild“ und „Sport-Koordinator der Bild-Gruppe“. Jeder Informationshappen wird verschlungen, wiedergekaut. Quelle egal, Inhalt nebensächlich. Live-Ticker, Gerüchte, Ferndiagnosen. Nicht überall, nicht in jeder Zeitung, auf jeder Website, in jedem Sender, aber doch häufig genug, um eine „virtuelle Wirklichkeit“ entstehen zu lassen, sagte Kehm. „Die müssten wir permanent korrigieren. Das können wir gar nicht.“

          Getarnte Journalisten wollen ins Krankenhaus

          Paparazzi haben einst Lady Di und Dodi al-Fayed nachgejagt, bevor sie in Paris verunglückten, nach Schumachers Unfall stellten und stellen Journalisten und Kamerateams Schumachers Angehörigen nach, bis heute versuchen verkleidete oder anders getarnte, „obskure Gestalten“ (Kehm), auf die Intensivstation zu gelangen, auf der Schumacher im Krankenhaus von Grenoble liegt. Gestalten, die eben auch zu „den Medien“ gehören oder meinen, „den Medien“ Informationen oder Fotos verkaufen zu können, wenn ihre Pläne aufgehen. Jauchs Thema war gut.

          Dann verging eine Stunde. Hans Paul, als „Promi-Fotograf“ angekündigt, gab überzeugend den skrupellosen Paparazzi („Ich liebe meinen Job“, „Prominente, die ihre Fotos exklusiv verkaufen, sind meine Konkurrenten“). Dominik Höch, den die Vorschau als Fachanwalt für Medienrecht vorstellte, wusste sich von Paul abzugrenzen, indem er festhielt, sich in seiner journalistischen Vergangenheit als Volontär beim Berliner Verlag immerhin nicht in Mülltonnen versteckt zu haben. Aufklärung der Rechtslage, die zweite Ebene, das Recht der Prominenz auf Privatleben? Es ist kompliziert.

          Sabine Kehm und Rolf Hellgardt, der Lebensgefährte der vor einigen Jahren ebenfalls schwer erkrankten Moderatorin Monica Lierhaus, waren nun über weite Strecken außen vor, denn Jauch ging den Dingen auf den Grund. Fabulieren doch vor allem Dutzende Blätter der Regenbogenpresse nach Lust und Laune, aber gewiss nicht nach Faktenlage über Schumachers Gesundheitszustand, die Zeugungsfähigkeit des Hochadels und das Liebesleben von Volksmusikern. Jauch ließ sich das von Moritz Tschermak erzählen, der mit Mats Schönauer bei topfvollgold.de sein Bestes gibt, diese Schauermärchen festzuhalten. Wer so etwas schreibt? Überwiegend jüngere Frauen. Wer so etwas liest? Überwiegend ältere Frauen.

          Milde gegenüber der „Bild“

          Warum Jauch dem Ende des Regenbogen nachjagte? Tja. Vielleicht weil die Gelegenheit zur Vendetta so günstig war. Jedenfalls hatte Jauch ein Belegexemplar „die aktuelle“ zur Hand, um darzulegen, dass auch über ihn schon phantasiebegabt berichtet worden war. Carpe diem.

          „Schweinepresse“, fiel Draxler dazu ein. Bevor jemand „ausgerechnet“ sagt: „Im großen und ganzen“, sagte Kehm, sei „Bild“ mit Schumachers Fall fair umgegangen. Im großen und ganzen? Manchmal kommt es auf die Zwischentöne an, aber bei Jauch, ausgerechnet? Die Machtstrukturen der Medienbranche, nicht ganz unwichtig bei diesem Thema, hatten keinen Platz in dieser Sendung. Chance vertan.

          Zuletzt waren „Eindringlinge bei Schumi“ übrigens am Samstag Aufmacher der Bild-Zeitung. Am selben Tag auf der Rückseite der Zeitung: Ein Bild des jüngsten Kinds der vor kurzem verstorbenen Peaches Geldof. Die Nachricht dazu: „Ihr jüngster Sohn lag neben der Leiche“. Günther Jauch macht jetzt zwei Wochen Osterpause.

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