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„Udo Honig Story“ auf Sat.1 : Ich bin kein schlechter Mensch!

Das sage ich Ihnen! Können wir das dementieren? Uwe Ochsenknecht und Hannes Jaenicke spielen sich auf. Bild: SAT.1

Ob diese Sat.1-Komödie etwas mit Uli Hoeneß zu tun haben könnte? „Die Udo Honig Story“ entführt uns in ein bayerisches Märchenreich, in dem der Steuerbetrüger König ist. Hier wird alles und jeder verwurstet.

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          Udo Honig sagt es vorweg: „Das war’s noch nicht.“ In seiner Lage ist das eine recht verwegene Einschätzung, schließt sich hinter ihm doch gerade das Gefängnistor. Sollte es das nicht doch gewesen sein für den Präsidenten von Rot-Weiß, den großen Zampano, den Zocker, den Steuerbetrüger, der dem Fiskus 28 Millionen Euro vorenthalten hat und nun zu seiner gerechten Strafe einfährt? Zumindest seine Frau Marion gäbe einiges dafür, würde ihr Mann ein wenig geläutert und würden nicht weiterhin alle im „Team Udo“ mitspielen, dessen Reihen er mit seinem unwiderstehlichen Wurstverkäufer-Charme stetig auffüllt. Was er draußen kann, kann er hinter Gittern schon lange, denkt Udo Honig. Wir werden es sehen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Die Justizvollzuganstalt, in der er seine Haft absitzt, wirkt wie ein Märchenverlies. Die Wärter tragen Phantasieuniformen, der Direktor spielt sich als Figur aus dem 19. Jahrhundert auf und will von seinem neuen Häftling erst einmal wissen, ob er die Tonleiter singen kann. Der Direktor leitet nämlich den Gefangenenchor. Die Mitinsassen haben auf einen wie Udo Honig nur gewartet. „Udo Honig - 28 Millionen! Deutschland - null!“, brüllen sie ihm beim anfänglichen Spießrutenlauf entgegen. Bald schon wird er Alex, der hier im Knast das Sagen hat, nach jedem Essen das Dessert abtreten müssen, um sich vor Schlägen zu hüten. In seiner Zelle hockt derweil Stefan Stadlhuber, der wegen eines lumpigen 60 000-Euro-Betrugs verknackt wurde und sich beim verehrten Herrn Honig noch etwas abschauen will. Ob er vielleicht ein Autogramm haben könnte?

          Eine zweifelhafte Type

          Mit diesem Udo Honig werden alle ihren Spaß haben, das ist von Beginn an klar. Und ihm wird es eine Freude sein, weil über kurz oder lang doch wieder alle nach seiner Pfeife tanzen. In null Komma nichts verwandelt er die Gefängnis-Metzgerei in eine hochprofitable Wurstmacherei, beschert dem Gefängnisdirektor ungeahnte Einnahmen, hilft dem cholerischen Alex aus der Bredouille und wird nachts heimlich zum Hintergrundgespräch mit dem Ministerpräsidenten Hofersee abgeholt, der nicht mehr aus noch ein weiß mit dieser vermaledeiten Autobahnmaut. Udo Honig hat die Lösung: eine Zusatzgebühr für die Überholspur! Wer links fahren will, zahlt mehr. Da werden die Tempofreaks sogar freiwillig blechen.

          Ähnlichkeiten mit dem Schicksal eines gewissen Uli Hoeneß dürften den Zuschauern bis hierhin schon aufgefallen sein. Da ist die Wutrede vor dem versammelten Verein, da ist der übers Tor gehauene Elfmeter im Endspiel der Europameisterschaft 1976, zu dem Honigs Kumpel Franz Kaiser der Satz einfällt: „In Belgrad suchen sie bis heute den Ball.“ Da ist lauter Personal, und da sind lauter Umstände, die in der Realität vielleicht nicht ganz anders, aber sicherlich viel weniger witzig gewesen sind als in dieser grandiosen Klamotte, für die als Regisseur und Ko-Autor Uwe Janson verantwortlich zeichnet, dem wir auch die Satire „Der Minister“ zu verdanken haben, die Sat.1 vor zwei Jahren zeigte. Mit der „Udo Honig Story“ fängt Janson gemeinsam mit dem Autor David Ungureit an, wo er bei dem Guttenberg-Kabarett aufhörte. Nur gibt er dem Affen diesmal noch mehr Zucker, lässt aber keinen Zweifel daran, dass dieser Udo Honig eine zweifelhafte Type und ein Getriebener ist, an seiner Selbsteinschätzung aber etwas dran sein könnte: „Ich bin kein schlechter Mensch.“

          Eine moritatenhafte Komödie

          Diesen Udo Honig von der „Abteilung Attacke“ gibt Uwe Ochsenknecht mit Inbrunst. Der gesamten Besetzung merkt man an, welchen Spaß sie beim Dreh gehabt haben muss: Heiner Lauterbach als Gefängnisdirektor Ludwig Moser, Max von Thun als Mitinsasse Stefan Stadlhuber, Hannes Jaenicke als Lichtgestalt Franz Kaiser, Wolfgang Fierek als Honig-Kumpel Paul Greitner, Gisela Schneeberger als Honigs Frau Marion, Fritz Karl als im Grunde doch gutherziger Ganove Alex und schließlich Shadi Hedayati als Gefängnispsychologin Ceylan Ataman, die Honig - neben dessen Frau - als Einzige Paroli bietet und sich nicht bestechen lässt. Womit sie sich seinen Respekt verdient.

          „An jedem Schein klebt ein wenig Macht und Einfluss“, sagt der, als er gerade wieder jemanden einkauft: „Ich helf’ doch immer gern.“ Ihm selbst ist nicht zu helfen, die Besserungsanstalt hat sein Credo nicht erschüttert, das da lautet: „Du musst was wollen. Wenn du nichts willst, kriegst du auch nichts.“ Dieser Udo Honig kriegt, was er will. „Ich bin kein Besserwisser. Ich bin ein Bessermacher“, sagt er in dieser moritatenhaften Komödie, die nach dem etwas überladenen ZDF-Dokudrama „Uli Hoeneß - Der Patriarch“ binnen weniger Tage zu dem einstigen Präsidenten des FC Bayern den zweiten Akt bildet. Der dritte folgt, wenn der reale Uli Hoeneß im März des nächsten Jahres wieder ein freier Mann ist.

          Gefängnisdirektor Ludwig Moser (Heiner Lauterbach) kann sein Glück kaum fassen: Insasse Udo Honig beschert ihm unerwartete Einnahmen. Bilderstrecke

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