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TV-Kritik: Maischberger : Das Momentum der Macht

  • -Aktualisiert am

Sandra Maischberger diskutierte mit Michael Wolffsohn (Historiker), Ulrich Kienzle (Journalist), Sandra Navidi (Finanzexpertin), Thilo Sarrazin (ehem. Bundesbankvorstand und Buchautor) und Norbert Röttgen (CDU-Außenpolitiker). Bild: WDR/Max Kohr

In der Runde fehlte für ein Quartett aus besorgten Ruheständlern nur Peter Scholl-Latour. Kurz vor der Münchner Sicherheitskonferenz wirkt die außenpolitische Diskussion in Deutschland seltsam weltfremd.

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          Dazu trug Thilo Sarrazin bei, der in einem Beitrag für diese Zeitung dem Brexit und der Wahl Donald Trumps ökonomische Rationalität attestiert hat. Wer, wie Michael Wolffsohn, Trumps außenpolitische Positionswechsel als „genial-teuflische“ Verhandlungsstrategie lobt, wechselt ins Fach eines Horoskoponkels. Trumps Drohungen gegen China und den Iran klingen nicht danach, als beende die neue amerikanische Regierung eine Epoche des Interventionismus. Die Militärs in der Regierung sind keine Friedenstauben.

          Wie wird die Europäische Union sich gegenüber Amerika positionieren? Der Ruf nach Geschlossenheit (Norbert Röttgen) räumt ein, dass sie in ihrer jetzigen Verfassung nicht gerade als Hort der Einigkeit erscheint.

          Die knapp vier Wochen der neuen Regierung wirken wie die Live-Inszenierung eines Polit-Thrillers. Jeder Tag bringt neue Sensationen. Wer setzt auf wen gegen wen? Das politische Establishment, die Justiz, die Geheimdienste und die Medien positionieren sich. Selbst die Republikaner im Kongress gehen auf Distanz und verweigern dem Kandidaten für das Amt des Arbeitsministers die Bestätigung. Der Präsident selbst agiert widersprüchlich, akzeptiert aber keinen Widerspruch. Das spricht dafür, dass er das Kräftemessen auf eine andere Ebene verlagert.

          Wenn in München die außenpolitischen Eliten tagen, kann über Nacht schon die Lage gänzlich anders aussehen. Es spricht viel dafür, dass Trump das Momentum der Macht, über die er verfügt, auch ausspielt.

          Krieg dem Establishment

          Er und sein Berater Bannon haben dem Establishment den Krieg erklärt. Ein Rückschlag in der jetzigen Etappe lädt sie dazu ein, das Kräftemessen auf eine andere Ebene zu verlagern. Sie wollen die politische Ordnung der Vereinigten Staaten verändern. Zweifelhafte historische Vergleiche (Nero, Mussolini, Hitler) unterschätzen die Wucht solcher Pläne und ihre globalen Auswirkungen. Vorsicht ist angebracht. Die aggressive Rede zum Amtsantritt versteht Wolffsohn als Wählerauftrag.

          Norbert Röttgen packt das Entsetzen darüber. Als gewählter Abgeordneter käme er nie auf die Idee, dass sich in ihm das Volk personifiziere. Die repräsentative Demokratie kennt auch andere nicht ganz so distanzierte Rollenvorbilder. Thilo Sarrazin bevorzugt Haltungsnoten. Trump habe mit seiner Kritik an falscher Einwanderungspolitik und dem Versprechen, die Wertschöpfung zurück in den Rostgürtel zu holen, die Wahlen gewonnen. Ob er damit Erfolg hat, ist zweifelhaft. Trumps Kampagne dient europäischen Rechtspopulisten als Blaupause. Sie könnten sich verrechnen und mit dem ramponierten Vorbild auf die Nase fallen.

          Ulrich Kienzle hält nicht viel davon, Trump zu dämonisieren. Die Justiz und die Medien machten einen wunderbaren Job. Wie Trumps Sprecher bei einer Pressekonferenz gegrillt wurde, hat ihm gefallen. Darüber gerät aus dem Blick, dass in der Regierung selbst Machtkämpfe ausgetragen werden, über deren Ausgang nicht allein entscheidet, wer das Vertrauen Trumps genießt, sondern auch, wer es verspielt.

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