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RTL-Dschungelcamp : Möchtegern-Bundespräsident muss würgen

Walter Freiwald ist schon leicht rammdösig vom bevorstehenden Ruhm, den zu erlangen er sich sicher ist. Zum Bundespräsidenten hatte es nicht gereicht, doch der Titel des Dschungelkönigs sei gewiss. Bild: RTL

Bei RTL fallen endgültig die Ekel-Schranken. Zwei Kandidaten haben ein Menü vor sich, das man gar nicht beschreiben kann. Andere zeigen sich körperbewusst.

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          Wenn wir der „Bild“-Zeitung glauben dürfen, erhalten die Insassen des RTL-Dschungelcamps zumindest ein stattliches Schmerzensgeld. Zwischen 45 000 Euro und 135 000 Euro sollen die Summen liegen, die der Sender für die Quotenbringer im australischen Busch jeweils lockermacht. Das ist ansehnlich für zwei Wochen Quälerei. Doch man muss sagen: Manche der Dschungelcamper müssen dafür sehr viel auf sich beziehungsweise zu sich nehmen. Mehr als ein Magen vertragen kann.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          An Tag fünf jedenfalls werden Walter Freiwald und Jörn Schlönvoigt einer Prüfung unterzogen, die mit anzusehen schon eine Qual ist. Die beiden werden in die „Kleine Dschungel-Kneipe“ eingeladen und können sich schon denken, welche Art Sterne-Küche sie erwartet. Sechs Gänge werden ihnen kredenzt. Ein Kakerlaken-Cocktail zählt dazu, Taranteln, Kotzfrucht reichlich und dann noch ein paar Dinge, deren Nennung schon nicht jugendfrei wäre. Nur so viel: Gang fünf kommt unter der Tarnbezeichnung „Riesen-Bockwurst“ auf den Tisch.

          „Nachos“ von gekochten Entenfüßen

          Es ist dann selbstverständlich ein Schlürfen und Würgen zum Erbarmen. Tag fünf ist der Tag, an dem RTL in der aktuellen Dschungel-Ausgabe die Ekel-Grenze endgültig überschreitet. Hätte Jörn Schlönvoigt mal bloß nicht dauernd betont, wie langweilig ihm im Camp sei – die Zuschauer hätten vielleicht jemand anderen für die Tortur ausgewählt. Walter Freiwald dürfte seinen Gang nach Canossa dagegen durch seine großsprecherische Grundhaltung provoziert haben.

          Männer fürs Grobe: Duo Schlönvoigt/Freiwald

          Er hat sich in der Vergangenheit sogar, auch das wird für die Nachwelt festgehalten, schon einmal als Kandidat zur Wahl des Bundespräsidenten beworben. Aus unerfindlichen Gründen bekam er jedoch eine Absage: „Bei der SPD war die Stelle frei und da habe ich mich beworben. Und dann haben die geschrieben: ,Vielen Dank für ihre Bewerbung, alles wunderbar, aber leider haben wir uns schon für einen anderen Kandidaten entschieden.` Das ist für mich genau der richtige Job, weil ich die Aura habe, die Ausstrahlung, ich habe die Rhetorik drauf, die ich auch fürs Ausland brauche, um mich im Ausland mit anderen Regierungsonkels zu treffen.“

          Wir statten bei dieser Gelegenheit den Sozialdemokraten unseren Dank ab: Ein zweiter Bundespräsident Lübke wurde uns erspart (dafür kam allerdings in der Tat zunächst Christian Wulff). Doch hat Herr Freiwald ja auch längst ein neues Ziel: „Klar, dass hier will ich gewinnen. Du wirst schon sehen. Deshalb bin ich hier. 60 Jahre musste ich warten – jetzt bin ich hier. Ich will Dschungelkönig werden! Ich bin mental schon so fixiert auf diesen Sieg, dass mir den gar keiner mehr wegnehmen kann. Das merken die nur noch nicht. Ich werde Dschungelkönig! So wahr ich hier sitze!“

          Anfassen erlaubt

          Den Herren der Schöpfung ergeht es im Dschungelcamp also eher schlecht – verlorene Träume und unverdauliches Essen. Während dessen wenden sich die Damen anderen Dingen zu und versammeln sich, um die Silikon-Brüste von Patricia Blanco zu bewundern und – ausgiebig zu betasten. Die Do-it-yourself-Mammographie wird begleitet von nüchternen Was-wäre-wenn-bei-mir auch-die-Spannkraft-nachlässt-Kommentaren, für die unter anderen Gender-Umständen ein hoher Obolus in die Macho-Kasse wandern müsste, Vergleiche mit Milchvieh inbegriffen.

          Die Bekenntnisse der einen oder des anderen zu diversen Jugendsünden (mit uralten Männern zusammen gewesen, Jobs in der Textilfrei-Branche) schockieren einen da schon nicht mehr. Das Dschungelcamp ist wieder einmal so richtig bei sich angekommen. Und das Ende ist noch nicht in Sicht.

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