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RTL-Dschungelcamp : Endstation in der „Hölle der Finsternis“

Der erste Missliebling der Zuschauer: Sara Kulka vor ihrer Dschungel-Prüfung Bild: RTL

Bei der Ekel-Show von RTL gibt es die erste spektakuläre Pleite. Wer will auch Skorpione, Krabben und Kröten anfassen? Die von den Zuschauern offenbar am wenigsten gemochte Kandidatin will es nicht. Ein Auftritt mit Tränen.

          2 Min.

          Wenn wir es richtig sehen, läuft im Dschungelcamp von RTL alles nach Plan und ist – es liegt zu nahe, um sich die Bemerkung zu verkneifen -, im grünen Bereich. Die Rollen sind verteilt. Es gibt den edlen Helden mit ansprechendem Körperbau, die Schönen, die Geselligen, die Zimtzicke und den wunderlichen Alten, der nur rumjammert. Diejenige allerdings, welcher der undankbare und anstrengende Part der Nervensäge vom Dienst zugefallen ist und die folglich vom Publikum am meisten gequält und von einer Dschungel-Prüfung zur nächsten geschickt wird, zieht die Reißleine.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sara Kulka hat den ersten Tag noch gut überstanden, trotz Ekel-Mampfzeug, am zweiten aber wird es ihr zu viel. Sie werde ja sowieso von allen gehasst, hat sie schnell erkannt. Nun ist ihr aufgegeben, in der „Hölle der Finsternis“ binnen zehn Minuten elf Sterne einzusammeln, damit die RTL-Camper auch alle etwas zu futtern bekommen.

          „Ich bin zu schwach dafür“

          Die ersten Sternchen sind in Totenköpfen versteckt, die von Skorpionen, Krabben und Kröten bevölkert sind (Indiana Jones lässt grüßen). Die Moderatorin Sonja Zietlow, wie stets die Güte in Person, gibt der Probandin noch den guten Tipp: „Stell dir vor, da sind kleine, weiße Häschen drin.“ Doch soweit reichen die autosuggestiven Fähigkeiten von Sara Kulka nicht. Sie bricht weinend zusammen. Warum sie das hier eigentlich mache, fragt sie sich wimmernd. „Ich habe zuhause doch eigentlich ein schönes Leben.“ Dann flüstert sie den Satz, der sie von diesen Übeln befreit: ich bin ein Star – holt mich hier raus! Kleinlaut trottet sie von dannen: „Ich bin zu schwach dafür.“

          Dramen wie diese scheinen die Zuschauer des Dschungelcamps zu erwarten und zu brauchen. Einer oder eine muss immer dran glauben und Prügel einstecken. Dafür kann man durch entsprechend auftrumpfendes Verhalten selbst sorgen, muss man aber nicht. Bei 7,5 Millionen Zuschauern – so viele waren es bei der ersten Sendung der neuen Dschungel-Staffel am Freitag - sind schon genug dabei, die mit sadistischer Spielfreude und einem Anruf bei RTL dafür sorgen, dass ihr Missliebling ein wenig gequält wird.

          Ansonsten geht es in den Gesprächen der noch recht frischen Dschungelcamper um Trennungsschmerz und nicht erfüllte Kinderfreuden. Das ist viel zu nett, zu harmlos und reicht für dieses Format natürlich nicht.

          Die Sterne sind in den Totenköpfen versteckt - zusammen mit Krabben und Kröten. Bilderstrecke

          „Menschen sind bösartig“, sagt Sara noch, grämt sich über sich selbst (große Klappe und nix dahinter) und geht ab. Der Moderator Walter Freiwald, lange Zeit bei RTL und anderswo im Geschäft, aber auch seit langer Zeit arbeitslos, gibt derweil nicht auf, sondern vor laufender Kamera eine Bewerbung ab: noch nicht zu alt, sonore Stimme, sucht ...

          Und wer muss zur nächsten Dschungelprüfung? Sara Kulka natürlich.

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