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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : „Heiße moralische Luft“

ZDF-Moderatorin Maybrit Illner Bild: ZDF und Svea Pietschmann

Es wird Zeit, dass Maybrit Illner in die Sommerpause geht. Warum, das zeigt ihre Runde zum G-20-Gipfel: Die Geduld der Talkgäste kann man nur bewundern.

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          Das Scheitern einer der Rederunden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, die oft genug ratlos machen, deutet sich mitunter schon bei der Formulierung der Fragestellung an: „Trump, Putin, Erdogan – machen sie die Welt kaputt?“, lautet die Frage, unter die Maybrit Illner die Ausgabe ihrer Talkshow zum G-20-Gipfel in Hamburg stellt.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sie beginnt mit der denkbar größten Erwartung: Gäbe es, fragt die Moderatorin eingangs, weniger Hunger, Krieg und Zerstörung in der Welt, wenn sich die Staatschefs der G 20 einigten? Worauf sie sich denn genau einigen sollten, wäre die Frage. Doch darum geht es erstaunlicherweise gar nicht, was damit zu tun hat, dass an diesem Abend aufscheint, wie bescheiden es um das Verständnis des Wesens von Außenpolitik, ja von Politik überhaupt, bestellt ist.

          Das liegt vor allem an Katharina Nocun, die bei der Piratenpartei war und von Maybrit Illner als politische Aktivistin und Kritikerin des G-20-Gipfels vorgestellt wird. Sie sagt an diesem, von Maybrit Illner als „spannend“ ausgewiesenen Abend, an dem es in Hamburg zu Straßenschlachten mit mindestens 76 verletzten Polizisten kommt, lauter Sätze, für die sie vom Publikum im Studio viel Applaus bekommt. Sie geißelt die Finanzmärkte, bezeichnet Steuerschlupflöcher als „Massenvernichtungswaffen“, die den sozialen Zusammenhalt zerstören, und ist der Überzeugung, dass Donald Trump die zurzeit herrschenden außenpolitischen Konflikte „eskaliert“.

          Die Vereinten Nationen seien entmachtet worden, Europa brauche keinen „neuen Kalten Krieg“, Waffen seien kein Ersatz für Diplomatie, sagt Katharina Nocun, und – mit Blick auf den türkischen Staatspräsidenten Erdogan -, dass sich die deutsche Regierung doch sehr genau überlegen solle, wer ihr „Freund“ sei.

          Erdogan ist kein „Freund“

          Es ist an Armin Laschet von der CDU, dem neuen Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen, darauf hinzuweisen, dass dergleichen wohl keinem Vertreter der Bundesregierung in den Sinn käme. Als „Freund“ wird Erdogan, der in seiner überschäumenden Rhetorik die Bundesregierung und Deutschland als Ganzes mit Nazi-Vergleich traktiert und gleichzeitig sein eigenes Land in eine Diktatur verwandelt, hierzulande wohl so schnell kein Vertreter der Politik bezeichnen. Dennoch wäre es ein Fehler, so Laschet, mit ihm gar nicht mehr zu reden. Mit „Freundschaft“ habe das nichts zu tun.

          Dass ein Dialog, dass das direkte Gespräch von Regierungschefs, von Wert ist, muss in dieser Runde aber erst einmal herausgearbeitet werden, geht es doch zunächst um die Frage, ob der G-20-Gipfel überhaupt statthaft sei – was in einem gewissen Widerspruch zu den dann wiederum vor allem von Katharina Nocun zu hörenden Warnungen vor Krieg und Waffengewalt steht.

          „Weltregierung“ und „Gruselkabinett“

          Die Erwartungen an den Gipfel werden niedrig gehängt. Von dem „Spiegel“-Journalisten Markus Feldenkirchen, weil er die Teilnehmer des Gipfels für „eine Art Weltregierung“, aber auch für ein „Gruselkabinett“ hält. Von Außenminister Sigmar Gabriel (SPD), der aus Hamburg zugeschaltet wird, aus politischer Klugheit: So lässt sich am Ende noch der kleinste Fortschritt, der geringste Minimalkonsens, als Durchbruch verkaufen. Dass es auch positive Ergebnisse des Gipfeltreffens geben könnte, die sich nicht in einem offiziellen Abschluss-Kommuniqué finden, sagt Gabriel nicht.

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