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Doku über Kaiser-Double : Einer wie er

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Eine prägende Figur

Das gibt der Dokumentation immer wieder verblüffend echte Momente. „Nichts ist so spannend für den Zuschauer, als dabei zu sein, wenn etwas entsteht“, sagt Dittrich. „Das ist das dünne Eis, auf dem ich marschiere, dass mich mein Gegenüber im Gespräch vielleicht mit irgendetwas kalt erwischt. Aber ich kann ja nicht wirklich aus der Figur rutschen, behaupte ich mal. Das passiert mir nicht.“

Schockiertes Maskottchen: Goleo hat doch nicht mit Beckenbauer gekickt, sondern nur mit dem „Schorsch“.

Franz Beckenbauer ist für Olli Dittrich ein bisschen, was Königin Beatrix für Hape Kerkeling ist: die eine Figur, die seine Wahrnehmung mehr prägt als alle anderen. Dabei, sagt er, hat er ihn gar nicht so oft gespielt. Nur zweimal bei „RTL Samstag Nacht“ in den Neunzigern, danach noch einmal in Spots zur Fußball-WM 1998, schließlich vor zehn Jahren, als Harald Schmidt Dittrichs Beckenbauer auf dem Höhepunkt seiner Präsidialisierung interviewte.

Die Komik kommt aus der Genauigkeit

Es ist natürlich, einerseits, ein Wagnis, noch einmal zu dieser Figur zurückzukehren, und andererseits eben doch nicht derselbe Beckenbauer. „Ich glaube, man kann sehen, wie Beckenbauer im Alter immer mehr darauf bedacht ist, seine Unantastbarkeit zu konservieren und zu sichern“, sagt Dittrich. „Je älter er wird, umso schwerer fällt es, das zu kontrollieren. Das ist so das Gefühl, das mich anweht, wenn ich ihn sehe, wenn er in einer Runde bei Sky sitzt. Ich glaube, dass er vorsichtiger wird, wie jemand, der auch körperlich älter wird, anders eine Treppe runtergeht. Da ist eine Zerbrechlichkeit, ein Bewusstsein, dass diese Lichtgestalt einer höheren Beschädigungsgefahr ausgesetzt wird, der er entgehen will.“

Den alten Kaiser (oder genauer: den alten Kaiser-Doppelgänger) stellt Dittrich vergleichsweise zurückgenommen dar, die berühmten Marotten übertreibt er nicht, sondern unterspielt sie fast. Die große Komik des Films kommt aus seiner Genauigkeit. Dittrich und Theunissen erzählen in einzigartiger Weise eine unwahrscheinlich wahrscheinliche Geschichte und inszenieren die größten Albernheiten mit größer Ernsthaftigkeit.

Als tragische Figur bleibt nur Goleo

Eine schöne Ironie ist es, dass der Film die Geschichte in einer Weise umschreibt, die letztlich den Fußballer besser aussehen lässt. „Vieles von dem, was nicht aller Ehren wert war in Beckenbauers Biographie, haben wir dem Aigner in die Schuhe geschoben. Das ist ein ganz anderer Ansatz, als als Kabarettist den Zeigefinger zu erheben.“ Der echte Beckenbauer wollte trotzdem nicht mitspielen, obwohl das Team alle Beziehungen spielen ließ, um eine kurze Begegnung zwischen dem Schorsch und dem Franz zu ermöglichen. Der Schorsch ist des Doppelgängerjobs eh müde geworden. „Irgendwann ist einmal gut“, sagt er. „Diese Reisen, der Jetlag hier, der Jetlag da, mit dem Marokkaner auf dem Kamel reiten und morgen mit dem Koreaner Suppe essen oder sonst was, das ist ’ne Weile lang gut, aber man wird müde.“ Und so sind er und seine Frau, die Elfriede (wunderbar: Carolin Fink), am Ende ganz froh, dass die Sache nun aufgeflogen und zu einem Ende gekommen ist. Als tragische Figur zurück bleibt nur Goleo, das deutsche WM-Maskottchen, das 2005 mit Franz Beckenbauer und Sepp Blatter in der Allianz-Arena ein bisschen vor der Weltpresse kicken durfte, was ein Highlight des Spielers in dem Löwenkostüm war. Der nun aber, bei einem Wiedersehen vor den Kameras des Fernsehteams, erfahren muss, dass das gar nicht der Franz war, mit dem er gespielt hat, sondern der Schorsch.

Aber hat der Blatter das damals gar nicht gemerkt, dass das nicht der echte Franz war? „Ja, was soll der Blatter da merken?“, lacht der Schorsch. „Der war ja nicht da.“

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