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Neuauflage „Ein Fall für zwei“ : Einer haut drauf, der andere haut ihn raus

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Gestatten, der neue Matula: Leo Oswald (Wanja Mues, links) und sein alter Freund Benni Homberg (Antoine Monot jr.) gehen wieder gemeinsame Wege. Bild: ZDF

Neue Schauspieler in alten Figuren: Das ZDF belebt die Serie „Ein Fall für zwei“ wieder. Die Nachfolger des legendären Detektivs Matula sind - erstaunlich.

          Da ist sie wieder. Hängt vorerst ganz allein, möglichst weit weg von den Maßanzügen und zig weißen Hemden, die im Kleiderschrank des Anwalts Benjamin Hornberg (Antoine Monot jr.) darauf warten, Figur zu machen. Fast ein Déjà-vu, diese Lederjacke, ganz anders geschnitten als die von Matula damals, aber ein speckiges Kleidungsstück, in dem alle Jugend- und Freiheitsträume aufbewahrt sind. Rebellion zum Anziehen.

          Vorerst, in den ersten Minuten der Neuauflage der legendären Serie „Ein Fall für zwei“, ist die Jacke bloß Symbol der inneren Distanz dieses Anwalts - zu seinem Job als Rechtsverdreher für Versicherungsrecht, zu seinem übermächtigen Schwiegervater und Kanzleichef Dr. Oskar Renners (Thomas Thieme) und zum Oberflächenglück mit toll aussehender Frau (Kathrin Kühnel) und Angeberhaus, vermutlich im Taunus. Welcome back, Lederjacke.

          Und auch sie ist wieder da: die zünftige Schlägerei zwischen Detektiv und beliebigem zwielichtigem Zeitgenossen, die schon früher signalisiert hat, dass hier mit Kopf, Herz und Hand gearbeitet wird. Die schmierigen Visagen gehören immer noch den Bösen und brauchen gelegentlich eine Abreibung. Außerdem steht einem Privatdetektiv von Rang dieses gleichermaßen Spitzbübische wie Raufboldhafte gut zu Gesicht. Langes Fackeln ist seine Sache nicht, war nicht die Sache von Claus Theo Gärtner, der den alerten Privatdetektiv Matula seit 1981 in sage und schreibe 300 Folgen „Ein Fall für zwei“ für das ZDF verkörperte, und ist auch nicht die Sache von Wanja Mues als neuem Privatdetektiv Leo Oswald.

          Mit der Folge „Verhängnisvolle Freundschaft“ geht es nun wieder los. Die Zuschauer werden geteilter Meinung sein, sind es jetzt schon, ohne eine der vier neuen Folgen gesehen zu haben. Sakrileg! rufen die, die Claus Theo Gärtner für den einzig denkbaren Frankfurter Privatschnüffler halten. Neben dieser eher nostalgischen Sichtweise wird es aber auch Kritik geben, die sich (zu Recht) über die Schlichtheit der Fälle mokiert oder eine deutsche Serienproduktion mit (ungerechtem) Verweis auf die amerikanischen Leuchttürme des Serienfernsehens reflexartig abwehrt. Auf der anderen Seite könnte es ein Publikum geben, das diesen Neustart für so geboten wie gelungen hält.

          Auch am Anfang, in den früheren Achtzigern, war man schließlich geteilter Ansicht. Man fand die Schauspieler Gärtner und Günter Strack zwar bemerkenswert, die Figur Matula aber unmöglich und wenig glaubwürdig und den Anwalt Dr. Renz gleich ganz befremdlich. Ein junger Heißsporn und ein seriöser Berufsvertreter als Gespann? Was die beiden aber verband, war Charakterstärke. Je mehr sich das herumsprach, desto zahlreicher wurden die Anhänger von „Ein Fall für zwei“. Charakter, das lässt sich schließlich auch international vermarkten.

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