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TV-Kritik „Maybrit Illner“ : Schwarze Null oder schwarzer Schwan?

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner mit ihren Gästen Bild: ZDF/Jule Roehr

Maybrit Illner diskutiert die aktuelle Lage der Deutschen Bank. Kehrt mit ihrer Schieflage die Finanzkrise zurück? Und wer profitiert davon? Denn gestraft sind bislang vor allem deutsche Sparer.

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          Um die Lage zu verstehen, reicht es nicht aus, Zahlen herunterzurattern oder nach Schuldenböcken zu suchen. In einer Periode negativer Zinsen einen Tanz um die schwarze Null der öffentlichen Haushalte zu veranstalten, wird in anderen Gegenden dieser Welt als ökonomischer Irrsinn wahrgenommen. Wo bleiben öffentliche Investitionen in die Sanierung maroder Schulen, in besseren Nah-, Regional- und Fernverkehr und in ein Glasfasernetz?

          Als im Frühjahr 2010, kaum achtzehn Monate nach der Lehman-Brothers-Pleite, in Cambridge das Institut für neues ökonomisches Denken gegründet wurde, verglich ein Beobachter die neoklassischen Ökonomen mit dem Marshal in dem Film „Shutter Island“. Der Marshal fahndet nach einem aus der Forensik entkommenen Sträfling und muss schließlich feststellen, dass er selbst der gefährlichste frei herumlaufende Irre ist. Ähnlich gehe es den Neoklassikern bei der Frage, was 2008 zur Finanzkrise geführt habe und welche Rolle sie dabei gespielt hätten.

          Der nächste schwarze Schwan

          Es entsteht der Eindruck, als tauche demnächst abermals ein Schwarzer Schwan auf. Die Figur des Schwarzen Schwans zeichnet sich durch drei Merkmale aus: Das Phänomen tritt vollkommen plötzlich auf. Es hat massive Auswirkungen. Und nur aus der Retrospektive scheint es vorhersagbar.

          Über die Deutsche Bank zu diskutieren, wirkt deshalb fast wie eine Ersatzhandlung. Dass sie gerade einen – im Vergleich zu früheren Zahlen – bescheidenen Quartalsgewinn meldet, gibt keinen hinreichenden Grund. Anders: Wie sieht es mit einer Warnung des Weltwährungsfonds aus?

          Oskar Lafontaine sagt, der IWF bezeichne die Deutsche Bank als gefährlichste Bank weltweit. Konzernsprecher Jörg Eigendorf wendet ein, sein Unternehmen sei als systemrelevanteste Bank bewertet worden, was allerdings die Annahme nahelegt, dass bei einer Schieflage seines Hauses Gefahren für das globale Finanzsystem zu erwarten sind. Zweifelsfrei scheint nur: Die goldenen Jahre sind vorbei. In Amerika drohen der Bank Milliardenstrafen. Aktuell verdienen nur Anlageprofis in den Aktien- und Immobilienmärkten, während die Sparer mit Null-Zinsen leer ausgehen. Die Europäische Zentralbank daher zum Bösewicht zu erklären, ist eine weitere Ersatzhandlung. Dass die EZB ihre Zinssätze nicht nach Rücksprache mit dem bayerischen Finanzminister festsetzt, ist unter anderem dem einstigen Bundesfinanzminister Theo Waigel zu verdanken.

          Banken in Schieflage

          Zu Recht erinnert Lafontaine daran, dass nicht nur die Deutsche Bank, sondern viele Banken in Europa in extremer Schieflagen seien. Wer weiterhin in dieser Situation auf Zocken setze, solle das mit eigenem Geld tun und nicht damit rechnen, dass der Steuerzahler für Verluste aufkommt.

          Im Kontrast dazu wirkt die rhetorische Performanz des Konzernsprechers der Deutschen Bank etwas blass: Die Bank sei auf einem guten Weg. Warum fragt Gastgeberin Maybrit Illner nicht, wohin der Weg führt? Ein Einspieler erinnert an die Zeiten, als ein Vorstandssprecher 50 Millionen als Erdnüsse bezeichnete. Man muss auch daran erinnern, dass die Bank auf dem amerikanischen Markt Hypothekenpapiere in Verkehr gebracht und gegen ihre Kunden auf den Totalausfall dieser Papiere gewettet hat. Wegen dieser sehr einträglichen Idee drohen ihr Strafen bis zu 14 Milliarden Dollar. Im Rückblick auf seine Erfahrungen als einstiger Investmentbanker greift Rainer Voss zu einem Bild aus der Nukleartechnik. Die faulen Papiere in der Bilanz der Bank müssten isoliert und in ein Abklingbecken gesteckt werden.

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