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ARD-Krimi Louise Bonì : Jägerlatein

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Den Entzug hat sie hinter sich, aber dem Alkohol entkommt sie so schnell nicht. Louise Bonì versucht, einfach alle Sorgen weg zu rauchen. Bild: WDR/Christoph Assmann

Ihr zweiter Fall bringt sie selbst in Gefahr. Kommissarin Louise Bonì ermittelt in Aachen gegen die eigenen Kollegen, und kämpft gegen ihre Alkoholsucht und die Triebe der Männer.

          In einer Scheune liegt eine junge Frau. Ihr Gesicht ist von Schlägen gezeichnet, ihr misshandelter Körper nur von einer roten Decke verhüllt. Die Studentin Nadine war als vermisst gemeldet. Gefunden wird sie von zwei pubertierenden Jungs, Eddie und Dennis. Der eine kann der Versuchung nicht widerstehen und fährt mit der Hand über den Körper der jungen Frau. Die Polizei zu rufen, daran denken die beiden nicht. Später am Abend kehrt Eddie zurück. Die Frau ist verschwunden, stattdessen erwarten ihn die Täter. Eddie wird ihr nächstes Opfer.

          Mit dieser verstörenden Szene beginnt der zweite Fall der Kommissarin Louise Bonì (Melika Foroutan), „Jäger in der Nacht“. Ein Täter wird anscheinend schnell gefunden: Eddies gewalttätiger Vater (Juergen Maurer), der sich nur für Fußball interessiert. Als er beim Verhör vom Tod seines Sohnes erfährt, fällt ihm nichts anderes ein, als nach den Halbzeitergebnissen eines Fußballspiels zu fragen.
          Louise Bonì ringt um Fassung. Sie hat gerade erst eine Entziehungskur hinter sich gebracht, nun bekommt sie es mit einer frauenfeindlichen Männerwelt zu tun. Sie wird angepöbelt und beschimpft. Sie trägt einen einsamen Kampf aus. Auch die alten Schwestern Ettinger, denen die Scheune gehört, wollen nicht helfen. „Sie wissen nicht mal, wo Sie suchen sollen“, verhöhnt die mürrische Josepha Ettinger (Gudrun Ritter) die Kommissarin. Die misstraut ihren Kollegen. Der oder die Täter scheinen im Besitz von Insider-Informationen zu sein, womöglich befindet sich in den Reihen der Polizei ein Mörder.

          Charakterköpfe: Kommissarin Louise Bonì (Melika Foroutan) und ihr Kollege Reiner Lederle (Frank Seppeler) verdächtigen die eigenen Kollegen. Bilderstrecke

          Den Drang nach Alkohol versucht Louise Bonì wegzurauchen. So viel geraucht wie in diesem Film wird sonst nur selten in deutschen Krimis. Es ist, als wollten Louise Bonì und ihr Chef Rolf Bermann (Anian Zollner) die schreckliche Realität in Rauch auflösen. Musik (Peter Hinderthür) und Kamera (Jörg Widmer) tun das Ihre, um die beklemmende Lage eindringlich vorzuführen. Der Dramatik dieses Krimis kann man sich schwer entziehen, die Regisseurin Brigitte Maria Bertele leistet dafür ganze Arbeit.

          Melika Foroutan spielt in ihrer Rolle als Kommissarin Bonì groß auf, sie verkörpert eine Figur in all ihrer Verlorenheit - sie ist unfähig, sich an jemanden zu binden, zu ihren Eltern hat sie ein schwieriges Verhältnis. Äußerlich bleibt Louise Bonì stets cool und zeigt keinerlei Unsicherheit. Ihrer Aufmerksamkeit entgeht nichts, vor allem nicht die kleinen Dinge, auf die es am Ende ankommen kann. Doch worum diese Frau mit sich selbst ringt, wird spätestens beim dramatischen Finale klar, als die Kommissarin selbst ins Visier des Täters gerät.

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