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Landtagswahl im TV : Alle gegen eine!

Spitzenkandidaten in Mecklenburg-Vorpommern: Schuld an allem ist nur die Eine! Bild: AFP

Wer hat die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen? Die SPD. Wer hat verloren? Angela Merkel. So sieht das im Fernsehen aus. Und die AfD? Das weiß man nicht so genau, denn sie erscheint nur am Rande.

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          Knapp zwei Stunden haben Politiker bei uns nach Wahlen Zeit, dem Publikum ihre Botschaft zu überbringen. Punkt achtzehn Uhr kommt die Prognose, eine Viertelstunde später die erste Hochrechnung, nach anderthalb Stunden die „Elefantenrunde“ mit den Generalsekretären der Bundestagsparteien. Wenn um acht Uhr die „Tagesschau“ beginnt, muss die Schlacht geschlagen sein. Dann steht nicht nur nach Prozentpunkten fest, wer gewonnen und wer verloren hat. Dann muss der „Spin“ sitzen, die Interpretation des Ergebnisses.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das Eigentümliche des „Spins“ und der ihn formenden „Spin-Doktoren“ nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern an diesem Sonntagabend ist, dass der große Wahlsieger dauernd in Torten-Diagrammen, aber sonst nur am Rande erscheint: Die AfD ist aus dem Stand bei knapp 21 Prozent gelandet und wird zweitstärkste Kraft im Landtag.

          Die SPD verliert mehr als fünf Prozent, stellt aber weiter den Ministerpräsidenten und gibt das als Trendwende aus. Die CDU landet mit miserablen 19 Prozent auf Platz drei und macht einen hilflosen Eindruck. Was auch damit zu tun hat, dass sie von allen Seiten angegriffen und dass von allen Seiten – links bis rechts – eine einzige Person als die große Verliererin dieses Wahlabends und als Verursacherin aller Stimmenverluste bei allen Parteien (außer der AfD selbstverständlich) ausgegeben wird: Angela Merkel mit ihrer Flüchtlingspolitik.

          Gabriel setzt den Konter

          Der SPD-Parteichef und Vizekanzler Sigmar Gabriel macht das ziemlich gut. Er ist als Erster auf dem Platz und setzt seinen Konter: Man habe schon immer gesagt, das Mantra „Wir schaffen das“ reiche nicht aus, es müsse vielmehr darum gehen, die Menschen mit ihren Sorgen ernst zu nehmen. Die SPD wolle für mehr innere und für mehr soziale Sicherheit sorgen. Sogar das abgegriffene Stichwort des „neuen Sozialpakts“, mit dem er schon einmal Schiffbruch erlitten hat, holt Gabriel aus der Mottenkiste.

          Peter Tauber, der Generalsekretär der CDU, wirkt zu diesem Zeitpunkt noch perplex und beim Einordnen des Wahlergebnisses geradezu bemitleidenswert. Er spricht von einer „bitteren Niederlage“ und belässt es dabei. So defensiv wie er sind nicht einmal die Vertreter der Linken und der Grünen, deren Wahlergebnisse ebenfalls desaströs sind. Aber sie haben ja noch Angela Merkel, an der sie sich schadlos halten können (das macht die Linke), oder die Union, vor allem die CSU (das machen die Grünen als einzige Partei, auf die Angela Merkel noch rückhaltlos zählen kann).

          Wahl in Mecklenburg-Vorpommern : Reaktionen auf den Erfolg der AfD

          Was läuft da eigentlich?

          Es dauert eine Weile, bis der eine oder andere darauf kommt, was für ein Spiel an diesem Abend eigentlich läuft. Im ZDF weist die Hauptstadtstudiochefin Bettina Schausten im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Erwin Sellering darauf hin, dass es doch etwas doppelbödig sei, fortwährend davon zu reden, die AfD mache die Leute kopfscheu, schüre Ängste und Ressentiments, und gleichzeitig die Berliner Flüchtlingspolitik zu kritisieren, für die in all ihre Widrigkeiten schließlich die gesamte große Koalition und die Ministerpräsidenten der Länder verantwortlich zeichnen. Da kommt Sellering, der vorher gesagt hatte, die Bundeskanzlerin müsse umsteuern, doch etwas ins Schlingern.

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