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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Zuhause ist, wo ich das WLAN-Passwort kenne

  • -Aktualisiert am

Was guckst du? Duygu Gezen, die erste Social-Media-Volontärin der ARD, demonstriert Ranga Yogeshwar, was sie auf dem Smartphone hat. Bild: WDR/Oliver Ziebe

Machen Smartphones dumm und krank? Jede moderne Technik startet ihre Laufbahn als Fluch, bis sich ihr Segen durchsetzt. Selbst Frank Plasberg scheint vom digitalen Leben überfordert.

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          Die Ethnologjn Margaret Mead fühlte sich auch am Ende der Welt zu Hause, wenn sie wusste, wo ihre Zahnbürste lag. Das Zuhausesein hat sich seither fundamental verändert. Zuhause bist du, wo du erreichbar bist, also überall. Das Abschalten, die Unerreichbarkeit, stellt einen Zustand elektronischer Unbehaustheit her. Es trennt die digitalen Nomaden vom Informationsfluss, von ihrem Netzwerk, von ihrem Austausch. Es könnte sein, dass da draußen im Internet jemand etwas Falsches verbreitet.

          Das hat vielleicht sogar eine andere Bedeutung als die Organisation eines Gin-Abends, die Frank Plasberg gestern wegen unentwegten Piepsens von Whatsapp-Nachrichten auf die Palme brachte. Musste er deshalb zu Beginn der Sendung seine Ehefrau als onlinesüchtig bezeichnen? Manfred Spitzer hat das vermutlich als Projektion betrachtet. Er übernahm an diesem späten Abend die Rolle der Unke vom Dienst. Der Leiter der Psychiatrischen Uniklinik in Ulm und Autor des Buches „Cyberkrank“ hätte die Sendung am liebsten ganz an sich gerissen, um aus einer Vielzahl von Studien zu berichten, welche fatalen psychischen und körperlichen Folgen die exzessive Nutzung von Handys haben kann.

          Links und rechts vom Kopfkissen

          „Wenn der Hans zur Schule ging, Stets sein Blick am Himmel hing.“ Die Geschichte von Hans Guck-in-die-Luft klänge heute anders: „Wenn der Hans zur Schule geht, Stets klebt sein Blick auf dem Gerät.“ Mit vermeidbar fatalen Folgen. Duygu Gezen ist bei Radio Bremen die erste Social Media-Volontärin der ARD. Nachts liegt rechts neben ihrem Kopfkissen das iPhone und links das iPad. Zuhause fühlt sie sich, wo sie das WLAN-Passwort kennt. Professor Spitzer findet das schrecklich. Wir seien Info-Junkies, sagt er. 

          Frank Thelen versteht das nicht. Als Investor lebt er davon, dass Daten fließen. Die Gewerkschafterin Leni Breymaier berichtet von dem Druck, den die ständige Erreichbarkeit bei  Arbeitnehmern bewirkt. Ranga Yogeshwar sieht das als Wissenschaftsjournalist entspannter. Nicht jede neue Technik führe zum Untergang des Abendlands. Sein Vater sei über Whatsapp im Kontakt mit den Enkeln.

          Überspannte Untergangsbeschwörung

          Wie sähe der ständige Datenfluss aus, wenn er nur über Brieftauben liefe? Vermutlich gäbe es ihn nicht. Nur Beutegreifer hätten ihren Spaß. Weil aber Informationen unentwegt fließen, ist es nicht die Trivialität ihres Inhalts („Ich habe Gummibärchen gegessen“ statt: „Ich habe die Kritik der reinen Vernunft gelesen“), sondern die Verbundenheit im Netz, die zählt. In ihr gelangt – noch in Schrumpfform – ein Bewusstsein des Gesellschaftlichen in den Alltag, von dem frühere Generationen nicht zu träumen wagten. Das Phänomen der Quasselstrippe (m/w/trans) gabs schon immer, von Sokrates' Xanthippe bis zu Kurt Tucholskys Berliner Telefonquasslern. Deswegen wirkt die Untergangsbeschwörung des Psychiaters Spitzer so überspannt.

          Die Bundesregierung warnt, Frank Plasberg zitiert: „Internet kann süchtig machen.“

          Delinquente jugendliche Telefonspiele sahen Ende der Sechzigerjahre anders aus. Zum Beispiel, wenn in einem Zimmer zwei Telefone neben einander standen. Man konnte zwei Nummern gleichzeitig anrufen, die Hörer gegeneinander halten und wenn das Spiel klappte, nahmen die Angerufenen gleichzeitig ab. Müller. Meier. Pause. Dann meistens gleichzeitig: Ja, was wollen Sie denn? Es folgte ein unentscheidbarer Streit, wer wen angerufen hatte, während die Spitzbuben ihren Spaß am Ausgang ihrer ersten sozialen Experimente hatten.

          Mobilfunknetze retteten Leben

          Unvorstellbar damals, was heute in so einem kleinen Gerät an elektronischer Potenz steckt, Spaß, Spiel, Spannung satt. Es geht nicht um die Frage, wer das alles braucht. Das ist die Frage des überforderten Individuums Frank Plasberg. Genauso abwegig wirkt die Kampagne der Bundesdrogenbeauftragten, dass zu viel Internet süchtig machen könne. Die Mobilfunknetze haben im vergangenen Herbst Geflüchteten dazu gedient, ihre Wege zu planen. Sie haben Leben gerettet.

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