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„Neben der Spur“ im ZDF : Seelenklempner am Abgrund

Hegen den Verdacht: Juergen Maurer (links) und UIrich Noethen Bild: Marion von der Mehden

Britisches Vorbild, skandinavische Routine: Ein „Psycho-Fritze“ und ein Kommissar im dunkel verhangenen Hamburg und der Kontrollverlust über das eigene Leben. Der Krimi „Neben der Spur“ im ZDF

          Wenn Hamburg im Fernsehen düster aussieht, dann aber richtig. Dunkle, fast schwarze Wolken über der Stadt, über den Häusern, über dem Kinderzimmer, über dem Park, über dem Friedhof und – über der gleich nebenan am Ufer vergrabenen Leiche. Aus der Vogelperspektive geht es im Sturzflug in die Nahaufnahme – wir sehen die fahle Hand einer jungen Frau. Und dann sitzt da jemand mit Kopfhörer auf den Ohren in seinem Wintergarten, der in dieser düsteren Nacht nicht schlafen kann. Es ist der Psychiater Johannes „Joe“ Jessen (Ulrich Noethen). Im Keller hat er gerade einen riesengroßen Schimmelfleck entdeckt, der ebenfalls in düstersten Farben blüht. Er wisse jetzt, woher das komme, sagt der Psychiater zu seiner Frau. Doch die hat ihre Zweifel.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Von Berufs wegen hat Jessen für jeden ein offenes Ohr, aber wie sich das für einen guten Psycho-Krimi gehört, klemmt es beim Seelenklempner selbst im Gestänge, und Geheimnisse hat er reichlich, gerade gegenüber seiner Frau Nora (Petra van de Voort). Dass er an Parkinson erkrankt ist, sagt er ihr nicht. Und er verschweigt selbstverständlich auch, dass sein Ehrentitel „der Hurenversteher“ noch einen anderen Hintergrund hat als jenen, dass er einer versammelten Prostituiertenschar als Berufsberater erscheint, indem er über das Wesen von Triebtätern doziert und erklärt, wie man diese erkennt. Das nerve ihn immer an „euch Psycho-Fritzen“, wird Kommissar Vincent Ruiz (Juergen Maurer) später sagen: Allen anderen ließen sie die Hosen runter, nur ihren eigenen Allerwertesten bekomme nie jemand zu sehen.

          Der Vergleich ist derb, und der Kommissar verwechselt absichtsvoll Physis und Psyche, aber er erklärt so zugleich, wieso Jessen von ihm des Mordes verdächtigt wird und nicht dessen deutlich als Psychopath markierter Patient Robert Mohren (Nikolai Kinski). Jessen bietet viel zu viele Abgründe an, als dass die Polizei daran vorbeikäme, in ihm den abgefeimten Frauenmörder zu sehen. Das hat er nun davon: Karriere und Familie entgleiten ihm, bald geht es um Leben und Tod.

          Das literarische Vorbild dieses Hamburger Psychiaters heißt Joseph O’Loughlin und stammt aus der Feder des australischen Krimiautors Michael Robotham. Bis auf die Tatsache, dass O’Loughlin in London lebt, übernimmt das ZDF sämtliche Vorgaben des Charakters und verändert unter der Regie von Cyrill Boss und Philipp Stennert auch nichts am Duktus der Geschichten: routinierter Spannungsaufbau, ein durchaus reizvolles und ausbaufähiges Duell zwischen Jessen und dem Kommissar, grausame Details grausamer Taten grausamer Täter (der Skandinavien-Krimi lässt grüßen). Sieben O’Loughlin-Romane hat Michael Robotham inzwischen geschrieben. So dürfen wir wohl mindestens sieben Filme in dieser neuen Reihe namens „Neben der Spur“ erwarten. Sehenswert bleiben sie vor allem, wenn die beiden Hauptdarsteller ihre Form bewahren. Alles andere ist vor allem – Routine.

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