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TV-Kritik: „Hart aber fair“ : Wächst auf der Krim zusammen, was zusammen gehört?

Der Moderator Frank Plasberg Bild: dpa

Der Historiker Guido Knopp gibt bei Frank Plasberg dem Westen Mitschuld an der Eskalation in der Ukraine. Ein Journalist vergleicht die Geschehnisse auf der Krim indirekt mit der Wiedervereinigung.

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          „So wächst zusammen was zusammen gehört“, resümierte in Frank Plasbergs Talk-Sendung „Hart aber fair“ zur Annexion der Krim der russische Journalist Iwan Rodionow und spielte dabei bewusst auf die deutsche Wiedervereinigung an. Selbst der Historiker und Politologe Guido Knopp stimmte dem patriotisch-ideologisch hochgespannten Rodionow in der Hauptsache zu: Die Schwarzmeerhalbinsel sei 1783 von Russland erobert worden, und die Volksbefragung sei, obwohl völkerrechtswidrig, doch demokratisch gewesen - im Gegensatz zur Übereignung der Krim an die Ukraine durch KP-Chef Chruschtschow 1954. Und eben jener Chruschtschow habe dann ja auch die Berliner Mauer gebaut, ließ Rodionow sich nicht nehmen zu erwähnen.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Fünf-Experten-Runde schien die von Putin geschaffenen Fakten schon zu akzeptieren. Man diskutierte vor allem über die Wirtschaftssanktionen, die weitere russische Vorstöße, etwa in der Ostukraine, nach sich ziehen müssten. Selbst die amerikanische Journalistin Melinda Crane schloss militärische Maßnahmen gegen Russland prinzipiell aus und setzte allein auf ökonomische Strafen. Den vollends russophilen Rand des Spektrums markierte der Vorsitzende des Ostausschusses der deutschen Wirtschaft, Eckard Cordes, der sogar vor Sanktionen warnte, damit Russland sich bloß nicht umorientiere in Richtung China. Die Russen vertrauten den Europäern, vor allem aber den Deutschen, schärfte Cordes dem Publikum ein.

          Einschüchtern mit Schwerbewaffneten

          Gastgeber Plasberg mahnte gleichwohl an, der einseitige Bruch des Imperativs nach Ende des Kalten Krieges, auf Militäreinsätze zu verzichten, durch den russischen Präsidenten, der die Krimbewohner erst durch Schwerbewaffnete einschüchterte, bevor er sie abstimmen ließ, sei in Europa inakzeptabel. Der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen verteidigte gegen den Russen Rodionow auch den völkerrechtswidrigen Nato-Einsatz im Kosovo, weil dort ein Völkermord hätte gestoppt werden müssen, ebenso wie die europäische Hilfe für den Kiewer Maidan, nachdem dort achtzig Menschen ums Leben gekommen waren.

          Rodionow wollte im ersten Fall ein Beispiel für den europäischen Rechtsnihilismus sehen, und im zweiten ein Zugeständnis an die westukrainischen Nationalisten, die er mit der deutschen NPD verglich, und die in der jetzigen Übergangsregierung drei Ministerposten ergattert haben.

          Knopp: Der Westen hat sein Wort gebrochen

          Die Krim-Krise hatte offenbar allen die russischen Einkreisungsängste klargemacht. Selbst die Amerikanerin Crane gestand, bei der Nato-Osterweiterung sei einiges schiefgelaufen. Knopp bekannte, dass der Westen, der bei der deutschen Wiedervereinigung den Russen gelobt hatte, das Verteidigungsbündnis nicht in ihre Richtung auszuweiten, von ihnen zu Recht als wortbrüchig empfunden werde. Und dass die Bemühungen der Europäer, die Ukraine-Krise ohne die Russen beizulegen, idiotisch gewesen wären.


          Aus der Ukraine hatte Plasberg keinen Gast geladen. So sinnierte Röttgen darüber nach, was Russlands territorialer Zugewinn, der Putin derzeit phänomenalen Rückhalt in der Bevölkerung beschert, längerfristig mit sich bringt: ökonomische Mehrbelastungen, Kapitalflucht, sinkenden Lebensstandard. Also könnte sich die Haltbarkeit des Präsidenten, schloss Frau Crane hoffnungsfroh, durch seine Abenteuer am Ende doch noch verkürzen.

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