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TV-Kritik: „hart, aber fair“ : In der Infotainment-Falle

  • -Aktualisiert am

Sahra Wagenknecht und Frank Plasberg diskutieren über das Finanzsystem. Bild: ARD

Frank Plasberg wollte den Zuschauer über die Lage des deutschen Bankensystems informieren. Er verzettelte sich zwischen Infotainment und ernsthafter Debatte. Dabei gibt die Lage der Deutschen Bank durchaus Anlass, sich Sorgen zu machen.

          An Verbraucherschutzsendungen gibt es im deutschen Fernsehen keinen Mangel. So lief etwa am Montag um 20:15 Uhr „Markt“ im NDR. Dort beschäftigte man sich unter anderem mit der Qualität von Baguettes. In der ARD stand zum gleichen Zeitpunkt im „Geld-Check“ die kommunale Gebührenpolitik auf dem Prüfstand.

          Solche Sendungen haben ihren Sinn. So hat jeder Verbraucher schon einmal die Erfahrung gemacht, dass manche Baguettes eher an Gummimischungen erinnern als an Brot. Magazine wie „Markt“ sind klassisches Infotainment, wo man unter Umständen sogar noch gut informiert wird. Aber diese Formate haben ihre strukturelle Grenzen. Schwere Kost, etwa über die Nöte der Deutschen Bank, sind dort seltener zu finden.

          Tiefer liegende Probleme werden ignoriert

          Frank Plasberg konnte sich gestern Abend nicht entscheiden, woran sich „Hart aber fair“ orientieren wollte. An die harte Kost über die Zukunft unseres Bankensystems oder an den Verbraucherschutzsendungen mit ihrer Kundenorientierung? Er versuchte beides, was aber niemanden zufrieden stellte. Weder die Fernsehzuschauer, die sich über den Gebührendschungel der Banken oder das Problem der Restschuldversicherungen bei Kreditverträgen informieren wollten. Noch die Zeitgenossen, die etwa die aktuelle Spiegel-Titelgeschichte über die desaströse Lage der Deutschen Bank gelesen hatten.

          Diese ist die letzte deutsche Bank mit globaler Bedeutung. Ihre unklare Zukunft von entsprechender politischer Relevanz, weil unter anderem der exportorientierte Mittelstand auf die Dienstleistungen einer solchen Bank angewiesen ist. Darüber lohnte sich die Debatte. Plasberg hatte durchaus Gäste eingeladen, die das hätten thematisieren können. So Thomas Mayer als früheren Chefvolkswirt der Deutschen Bank und mit Norbert Walter-Borjans (SPD) den Finanzminister Nordrhein-Westfalens. Zudem mit Sahra Wagenknecht eine profunde Kritikerin des Finanzkapitalismus. Der Vorsitzenden der linken Bundestagsfraktion sprechen nicht einmal ihre härtesten politischen Gegner den ökonomischen Sachverstand ab.

          Daraus hätte man etwas machen können. So begann die Sendung zwar mit der Deutschen Bank. Mayer hielt einen „großen Teil“ der Kritik an ihr sogar für berechtigt, wenn er auch vor „Übertreibungen“ warnte. Aber als er versuchte auf die tiefer liegenden Probleme einzugehen, wurde er von Plasberg auf später vertröstet. Nur war später in diesem Fall nie. Die Deutsche Bank war bis zum Ende kein Thema mehr.

          Mayer wusste wohl am Ende nicht mehr so genau, warum er überhaupt in dieser Runde saß. Um über das Kreditgebaren der Targobank zu diskutieren, brauchte man ihn wirklich nicht einzuladen. So verpufften Mayers Versuche, etwas Tiefe in die Sendung zu bringen. Der Höhepunkt war sicherlich sein Hinweis auf die Widersprüche unseres Geldsystems. Sie vermochte Mayer nicht in den vierzig Sekunden zu erläutern, die ihm Plasberg einräumte. Dieser verstand zwar eingestandenermaßen kein Wort, aber zu dem Zeitpunkt war Plasberg auch schon längst im Infotainmentmodus.

          Ein Bankenlobbyist über ein bürokratisches Monstrum

          So bewegte sich die Sendung auf dem Niveau, das der Titel versprach: „Minus-Zinsen, Extra-Gebühren - Retten sich die Banken auf Kosten der Kunden?“ Auf wessen Kosten sich die Banken sonst retten sollten, ist allerdings ein Rätsel. Gemeinhin verdienen alle Unternehmen an ihren Kunden. Das ist nicht wirklich eine Überraschung.

          Uwe Fröhlich hatte als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken einen vergleichsweise geruhsamen Abend. Dass Banken für ihre Dienstleistungen ein Entgelt verlangen können, war in der Runde weitgehend unumstritten. Heinz Landwehr, Chefredakteur von „Finanztest“, wies zwar auf die fehlende Transparenz im Gebührenwesen von Banken und Sparkassen hin. Dass solche Vertragsbedingungen weniger dem Kundeninteresse dienen als dem Gewinnmaximierungsinteresse von Anbietern ist allerdings keine neue Erkenntnis.

          Dafür sind die Beratungsprotokolle ein gutes Beispiel, die die Bundesregierung zum Schutz des Verbrauchers eingeführt hat. Damit sollte es nicht mehr so einfach möglich sein, etwa älteren Damen jene berühmt gewordenen hoch riskanten Lehman-Zertifikate anzudrehen. Fröhlich sah darin einen Fortschritt, obwohl sie die Bankenlobbyisten bei der Einführung als bürokratisches Monstrum kritisiert hatten. Das hätte „die Beratungsgespräche besser strukturiert.“

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