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TV-Kritik: Hart aber fair : „Eure Gier frisst unsere Rente“

  • -Aktualisiert am

Besserverdienende in Uniform: Streikende Lufthansa-Piloten in Frankfurt Bild: AFP

Was ist ein „gerechter Lohn“? Eine Frage, die sich nicht nur Frank Plasberg stellt. Und warum erscheinen Piloten eigentlich immer in Uniform?

          5 Min.

          Bisweilen wird der Zustand der ökonomischen Bildung in Deutschland beklagt. Warum diese Klage berechtigt ist, konnte man gestern Abend bei „Hart aber fair“ erleben. Frank Plasberg diskutierte über den Gassenhauer der politischen Ökonomie: „Im Land von Gier und Neid - welcher Lohn ist noch gerecht?“ Zwar fielen Stichworte aus diversen Fachgebieten. Da ging es um sehr viel Ethik („Verantwortung“), schon weniger um Knappheit („Angebot und Nachfrage“) und fast gar nicht um Opportunitätskosten („lange Ausbildungszeiten“).

          Aber am Ende der Sendung musste der Zuschauer jenes klassische Fazit ziehen: „Da steh ich nun, ich armer Tor! und bin so klug als wie zuvor.“ Denn das Rätsel, das uns neuerdings die Piloten der Gewerkschaft Cockpit hinterlassen haben, blieb ungelöst. Ist das durchschnittliche Jahreseinkommen eines Lufthansa-Piloten von 188.000 € gerecht oder nicht?

          Gut frisiert in adretter Uniform

          Nun war zwar die Annahme nicht ganz unbegründet, dass mit Ausnahme der Linken-Politikern Sahra Wagenknecht und der Unternehmerin Sina Trinkwalder die Einkommen der anderen Teilnehmer der Sendung in vergleichbaren Dimensionen anzusiedeln sind. Das gilt sicher auch für den Moderator der Sendung, aber diese Gerechtigkeitsfrage blieb aus unerfindlichen Gründen unausgesprochen. Der einzige, der daher sein Einkommen legitimieren musste, war der Pressesprecher der Pilotengewerkschaft Cockpit. Jörg Handwerg argumentierte wie ein klassischer Gewerkschaftsfunktionär - allerdings gut frisiert in adretter Uniform. Piloten sind der einzige Berufsstand, der in der Öffentlichkeit immer nur in Arbeitskleidung auftritt. Deren Mythos funktioniert offenkundig immer noch so gut wie bei Leonardo DiCaprio als Frank W. Abagnale in „Catch Me If You Can“. Es fehlte wirklich nur die Sonnenbrille – und Tom Hanks als Mann vom FBI.

          Dafür kamen Florian Gerster (ehemaliger SPD-Politiker und Präsident der Bundesagentur für Arbeit, heute Unternehmensberater) und Peter Hahne (Bild-Kolumnist, ZDF-Moderator und Buchautor) zu Plasberg. Sie übernahmen jene Aufgabe, die da hieß: Wir haben zwar nichts gegen hohe Einkommen und Gehälter für „Funktionseliten“ (Gerster), finden aber bei den Lufthansa-Piloten jenes Haar in der Suppe, das ihnen ansonsten partout nicht auffallen will. So stellte niemand Hahne die Frage, ob es eigentlich gerecht sei, wenn er mit Erbauungsliteratur 6 Millionen Bücher verkaufen kann. Oder ist das lediglich eine kulturhistorische Verfallserscheinung?

          Auch Gewerkschaften wollen keinen Einheitslohn

          Ökonomisch gesehen sind solche Fragen belanglos. Natürlich ist es nicht mit Gerechtigkeit zu erklären, warum Hahne sechs Millionen Bücher verkaufen kann. Er findet auf dem Markt Käufer, aus welchen Gründen auch immer. Frau Trinkwalder hatte daher schon gute Ansätze, etwa indem sie auf den Charakter einer hoch arbeitsteiligen Gesellschaft hinwies, wo ein Pilot ohne alle anderen Akteure im Luftverkehr nicht starten kann. Aus der Arbeitsteilung selbst sind Gehaltsunterschiede also nicht zu erklären. Ob man, wie Frau Trinkwalder, auf den Unternehmerlohn deshalb verzichten soll und sich mit einem Einheitslohn begnügt, ist eine Frage der individuellen Ethik, mehr aber auch nicht. In Tarifverträgen ist übrigens die Eingruppierung von Berufen das schwierigste Geschäft. Dort spielen tatsächlich die Qualifikation, also die Knappheit, und die Opportunitätskosten die entscheidende Rolle. An einer völligen Nivellierung von Einkommensunterschieden haben weder Arbeitgeber noch Gewerkschaften ein Interesse.

          Insoweit war es kein Zufall, dass Frau Wagenknecht an den Gehältern der Piloten grundsätzlich wenig auszusetzen hatte, sondern deren Solidarität mit weniger durchsetzungsstarken Berufsgruppen im Unternehmen einklagte. Genau hier liegt das Problem von Cockpit. Handwerg bestritt zwar die Privilegierung der Piloten auf Kosten anderer Beschäftigter bei der Lufthansa. Aber der Ausstieg aus der alten Tarifgemeinschaft im Unternehmen hatte exakt diesen Zweck: Die eigene Position im Tarifkonflikt auf Kosten aller anderen Gruppen zu stärken.

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