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Frühkritik: Günther Jauch : Ohne Jauch geht’s auch

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Das Ergebnis löste Verwirrung aus, die aber lediglich der Unkenntnis geschuldet war. Der Stammwähler der SPD ist nämlich keineswegs der „Arbeiter“, genauso wenig wie bei der Union der Titular-Christ. Vielmehr ist es bei der SPD der gewerkschaftliche gebundene Arbeitnehmer und bei der Union der katholische Kirchgänger. Leiharbeiter sind dagegen zumeist nicht gewerkschaftlich organisiert und daher für die Sozialdemokratie schwer erreichbar. Zudem bestimmt eben nicht alleine die soziale Lage die Wahlentscheidung. Viele Arbeitnehmer haben durchaus konservative gesellschaftspolitische Vorstellungen. Dieses Potential zu nutzen, gehörte schon immer zu den klassischen Stärken der CSU, wie sich bei der Bayernwahl wieder gezeigt hatte. Horst Seehofer weiß, wovon die Rede ist – und wird die AfD mit ihren rechtspopulistischen Anklängen fürchten.

Wer mit wem?

So erfuhren die meisten Zuschauer inhaltlich nichts, was sie nicht schon wussten, wenn sie denn der Debatte überhaupt folgen konnten. Trotzdem wird es am kommenden Sonntag spannend werden. Denn die Wähler müssen sich nicht nur zwischen, sondern auch innerhalb der politischen Lager entscheiden. Die Zweitstimme für die FDP kann die Union schwächen, wenn es für die heutige Regierung nicht reichen sollte. Es fehlte allerdings in Zukunft der Koalitionspartner, wenn die Liberalen erstmals nicht im Bundestag vertreten wären.

Die SPD hat das gleiche Problem, trotz der Warnungen von Ursula von der Leyen und Daniel Bahr vor einem Bündnis der heutigen Oppositionsparteien. „Herr Bahr, halten Sie die SPD nicht für mutiger als sie ist“, konterte Sahra Wagenknecht, die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linken im Bundestag. Die Strategie ihrer Partei beruht ja darauf, dass Bahr recht haben sollte, aber nicht recht hat, und man daher die Linke wählen müsste. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hielt die Linke in der Außen- und Sicherheitspolitik dagegen für zu unzuverlässig, um mit ihr zu regieren. Die SPD „habe noch nie mit diesem Land gespielt“, so sein Argument gegen ein Bündnis mit Wagenknecht. Die Linke ist sich dabei in einer Frage mit den Regierungsparteien einig: Beide bezweifeln die Glaubwürdigkeit von SPD und Grünen, wenn auch mit einander ausschließenden Begründungen.

Allerdings wird Gabriel niemand widersprechen, wenn er das Ergebnis am kommenden Sonntag von der Mobilisierungsfähigkeit der Parteien abhängig macht. Und die Wähler haben dabei das Problem, dass eine taktische Stimmabgabe innerhalb der beiden Lager unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. Die sich daraus ergebende Konfusion wird die kommende Woche bestimmen. Immerhin bekam man davon bei Jauch schon einen guten Eindruck. Der Wähler wird also selber denken müssen. Bei Jauch wird am kommenden Sonntag über das Wahlergebnis ab 21:00 Uhr diskutiert werden. Vielleicht dann wieder mit Moderator.

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