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FAZ.NET-TV-Kritik: Illner/Lanz : Nur nicht über Snowden reden

  • -Aktualisiert am

Maybrit Illner Bild: 360-Berlin

Ist Amerika eine „digitale Besetzungsmacht“, wie Hans-Peter Uhl sagt? Leider ließ Maybrit Illner in ihrer Sendung die wichtigen Fragen aus. Ihre Gäste sprachen dennoch über Edward Snowden und gaben überraschende Antworten.

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          Edward Snowden ist kein Geist, sondern ein recht gewöhnlicher Mensch, man kann ihn zum Essen treffen. Ungewöhnlich sind nur die Umstände, unter denen solche Treffen dann stattfinden. Hans-Christian Ströbele wartete wochenlang auf ein Gespräch. Ganz spontan sei es zustande gekommen und obendrein habe es an einem geheimen Ort stattgefunden. Der Abgeordnete der Grünen wird heute der Öffentlichkeit von dem dreistündigen Gespräch mit dem Whistleblower berichten. Gestern Abend schon nutzte das öffentlich-rechtliche Fernsehen mehrfach die Gelegenheit, mit dem Journalisten Georg Mascolo, der Ströbele begleitete, über die Reise zu sprechen.

          Die Begegnung sei „der Beginn eines Dialogs“ gewesen, der die Frage nicht aussparen werde, ob Edward Snowden vor einem Untersuchungsausschuss des Bundestags aussagen könne. Noch gehe es allerdings vorrangig um die Sicherheit Snowdens, die auch von den Bedingungen abhänge, unter denen Snowden seine befristete Aufenthaltsgenehmigung in Russland aufrechterhalten könne. Snowden freue sich über die Debatten, die durch seine Enthüllungen angestoßen worden seien, sagte Mascolo dem ARD-Magazin „Panorama“. Edward Snowden erwarte keinesfalls Dank.

          Soll man Edward Snowden danken?

          Ob deutsche Politiker inzwischen glaubten, Snowden danken zu müssen, wollte die „Panorama“-Redaktion dennoch wissen und zeigte Antworten von Politikern. Bildungsministerin Johanna Wanka antwortete nicht, sondern drehte sich laut lachend von der Kamera weg. Der Vizepräsident des Deutschen Bundestages Peter Hintze befand, er sei für diese Frage die falsche Adresse. Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich sagte: „Da müssen wir uns nicht darüber unterhalten.“ Verteidigungsminister Thomas de Maizière befand die Frage, ob mit Snowden generell zu sprechen sei, als zu ernst, um sie vor Journalisten zu beantworten.

          Moskau : Ströbele: Habe Snowden getroffen

          In einem Ausschnitt von der Bundespressekonferenz fügte Hendrik Wieduwilt, Sprecher des Justizministeriums, selbst hinzu, dass es nicht als Witz gemeint sei, als er sagte, die Bundesregierung könne derzeit gar nicht auf Snowden zugehen, weil von ihm keine ladungsfähige Anschrift bekannt sei. Es waren demnach erhebliche Anstrengungen, die Hans-Christian Ströbele unternahm, um mit Snowden persönlich zu sprechen. Obwohl auch Maybrit Illner mit einem Interview Mascolos in ihre Sendung einführte, interessierte sie sich nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der Begegnung allerdings nicht weiter für sie.

          Maybrit Illner sprach nicht über Edward Snowden

          Der Vorsitzende des Innenausschusses des Bundestages, Wolfang Bosbach (CDU), sprach fünf Minuten vor dem Ende der Sendung von sich aus darüber, Snowden als Zeugen in der Aufklärung der Spähaffäre in Erwägung zu ziehen – aber nicht einmal in diesem Moment wollte Maybrit Illner das Thema zulassen. Sie befasste sich stattdessen eine Stunde lang mit den uninteressantesten und unwichtigsten Aspekten der deutsch-amerikanischen Verstimmungen.

          Ihre Gäste antworteten dennoch überraschend. Wolfgang Ischinger, ehemaliger Botschafter in Washington D. C., berichtete davon, dass es auch in der deutschen Botschaft in Amerika Räume gebe, die er selbst als Chef des Hauses nicht ohne Begleitung betreten durfte. Dafür, dass sich der amerikanische Botschafter weigere, deutsche Politiker und Journalisten durch sein Haus in Berlin zu führen, zeigte er Verständnis.

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