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FAZ.NET-Frühkritik : Was soll man mit der Datenflut?

  • -Aktualisiert am

Was macht man mit der Datenmasse?

Alan Posener, der sagte, es verwundere ihn, dass die Enthüllung von „Prism“ so viel Aufmerksamkeit hervorrufe, weil doch alles längst bekannt gewesen sei, ging in der Sendung davon aus, dass es sich bei „Prism“ um die geheimen staatlichen Anfragen an Facebook, Google und andere Internetdienste handele. Ihre Anzahl schätzte er grob auf 50.000, was eine „Datenmenge, die überschaubar ist“ bedeute. Dass die Rechenzentren der NSA nicht gebaut wurden, um 50.000 Datensätze aufzubewahren, sondern die nächsten einhundert Jahre des Internets zu speichern, klärte auch Padeluun nicht auf – obwohl er die größte Einrichtung, die jüngst in Utah entstand, in einem Halbsatz erwähnte.

Der Whistleblower: Edward Snowden

Padeluun fiel statt mit spontaner Aufklärung eher mit vorbereiteten Argumenten auf. Es könne doch sein, dass der Terror, den die Überwachung bekämpfen soll, erst durch sie herbeigeführt werde, weil sie die Bevölkerung im Unklaren lasse und große Verunsicherung herbeiführe. Außerdem gelte: Wenn die Geheimdienste nicht offen sagen, was sie mit den gesammelten Daten tun, müsse man davon ausgehen, dass sie alles tun. Aus dieser Überlegung leitete er insbesondere eine Frage ab: Warum protestieren die Industrieverbände eigentlich nicht gegen die immense Gefahr der Industriespionage, die sich allein dadurch ergebe, dass die amerikanischen Dienste derzeit ein Monopol auf Überwachungen hätten?

Eine wichtige Frage schob er nach, wohl wissend, dass es auf sie noch keine Antwort gibt: „Was macht man eigentlich mit dieser Datenmasse?“ Egal wie diese Frage in den nächsten Jahren beantwortet wird, ein Aspekt schien Padeluun schon heute ersichtlich zu sein: „Verbrechen lassen sich nicht vorhersagen.“ Daran änderten auch die neuen computerisierten Methoden nichts, in denen Algorithmen die Aufgaben übernähmen, die vormals Menschen erledigten, allerdings ohne moralischen Kompass und Wertesystem. „Algorithmen sind böse, sie sind unmenschlich!“ platzte es aus Padeluun heraus, nachdem ihm schien, dass sein Argument, dass heutige Überwachungsmethoden verglichen mit polizeilichen Ermittlungsmethoden einen Paradigmenwechsel darstellten, der vom Rechtsstaat wegführe, von Alan Posener nicht verstanden worden war.

Profile werden wichtiger als Personen

„Wir müssen noch einmal klären, was ein Rechtsstaat überhaupt ist”, sagte Padeluun und legte damit den Grundstein für eine Diskussion, die in einer Fernsehsendung nicht zu bewältigen ist. Denn ebenso, auch das zeigte sich in der chaotischen aber interessanten Diskussion, muss über alle anderen Begriffe neu disponiert werden - beispielsweise über den der Überwachung, der kaum mehr etwas mit den Geschichten zu tun hat, die im ARD-Tatort als Strategien der Verbrechensbekämpfung gezeigt werden.

„Das Internet ist für uns alle Neuland“, sagt Kanzlerin Merkel

Alan Poseners These, die Geheimdienste interessierten sich überhaupt nicht für Menschen, ist dann sehr ernst zu nehmen. Doch entlastet sie die Methoden der digitalen Kriminalitätsprävention nicht, sondern stellt ihre größte Gefahr hervor. Überwachungsmethoden, die Verhalten und Kommunikation algorithmisch auswerten, milliardenfach vergleichen, kategorisieren, katalogisieren und gedeuteten Mustern die Geltung medizinischer Diagnosen zuschreiben, nehmen auf den einzelnen Menschen, um den es dabei immer noch geht, tatsächlich keine Rücksicht. Das Urteil über ihn ist gefällt, ehe er überhaupt erfährt, Subjekt einer Ermittlung gewesen zu sein.

Um eine dystopische Vorahnung geht es dabei nicht. Anne Roth sprach davon, wie in Ermittlungsakten über sie notiert wurde, sie verhalte sich sehr unauffällig, weswegen empfohlen wurde, die Ermittlungstätigkeit zu intensivieren, weil das unauffällige Verhalten den Ermittlungskräften verdächtig schien. Dieses Vorgehen aber, dass weiß man heute, weil es sich aufklären ließ, ruhte auf menschlichen Fehleinschätzungen. Ähnliches wird man Maschinen nicht zugestehen.

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