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FAZ.NET-Frühkritik: Sandra Maischberger : Der Mann im Mond

  • -Aktualisiert am

Die ganz große Perspektive. Bild: dpa

Der Mond, Marktwirtschaft und Demokratie, China und der Iran waren die Themen bei Maischberger. Sie passen sogar zwischen zwei Buchdeckel.

          4 Min.

          Manchmal lassen sich Sendungen an scheinbaren Nebensächlichkeiten festmachen. Sandra Maischberger hatte das Thema „Casino global: Wer regiert die Welt.“ Josef Joffe, Mitherausgeber der “Zeit“, ist selten ein Mann der leisen Töne, aber dafür fehlt es ihm immerhin nicht an Deutlichkeit: „Der Club of Rome“, so seine Feststellung gestern Abend, “muss doch verspottet werden. Was hat er vor 30 Jahren für einen Unsinn geschrieben.“

          Joffe meinte damit sicherlich jenen legendären Bericht aus dem Jahr 1972 namens „Die Grenzen des Wachstums“. Es war die erste systematische Untersuchung über die Belastbarkeit des Ökosystems Erde. Themen waren etwa Industrialisierung, Unterernährung, das Bevölkerungswachstum oder die Rohstoffreserven – und deren Auswirkungen auf unseren Lebensraum. Auf der Basis von Computermodellen wurden Szenarien über die zukünftige Entwicklung aufgestellt. Nun lässt sich sicherlich immer spotten, ob nun mit oder ohne guten Grund, wie wir sehen werden. Nur diskutierte Joffe bei Frau Maischberger über die Folgen dieses 40 Jahre alten Berichts an den Club aus Rom. Bei allen methodischen Mängeln von „Grenzen des Wachstums“: Wer kann das schon von sich sagen? In 40 Jahren wird sicherlich niemand mehr über die gestrige Sendung reden.

          Ob Raab helfen kann?

          Club of Rome-Autor Meadows hatte analytisch umgesetzt, was den heutigen Moderator des „Heute Journal“, Claus Kleber, im Jahr 1968 beim Flug von Apollo 8 bewegte - nämlich die Erde vom Mond aus zu betrachten. Tatsächlich sind diese Fotos in ihrer Bedeutung kaum zu unterschätzen. Sie schufen erstmals in der Menschheitsgeschichte ein planetarisches Bewusstsein über ein gemeinsames Schicksal.

          Nur konkurriert sie leider immer mit den irdischen Bedingungen menschlicher Existenz, worauf ein Realist wie Joffe zwar mit guten Gründen hinwies, aber das sollte gestern Abend nicht nötig sein. In einem Einspieler über Klebers neues Buch stellte ihn Frau Maischberger so vor: „James Bond rettet die Welt. Claus Kleber erklärt die Welt wie kaum ein anderer.“ Gemäß dieser Logik müsste das planetarische Bewusstsein in einem Filmstudio entstanden sein – und der ZDF-Moderator wäre der Drehbuchautor gewesen. Aber so war das sicherlich nicht gemeint, wenn einem auch jede andere Interpretation partout nicht einfallen will. Wahrscheinlich könnte einem hier nur Stefan Raab weiterhelfen.

          Kleber und Geißler als Globalisten

          Ansonsten war die Sendung durchaus informativ. Kleber sowie Heiner Geißler übernahmen den Part einer globalen Perspektive, wo es um Themen wie den Klimawandel oder die Zerstörung von Lebensräumen geht. Diese Sichweise hat immer mit zwei Elementen zu kämpfen. Der Neigung zum Fatalismus und dem Zwang zur Utopie. Angesichts der globalen Probleme schrumpft die Überzeugung von der Problemlösungsfähigkeit des Menschen auf Zwerggröße. Geißlers Idee, dass man eigentlich eine Weltregierung und ein Weltparlament brauche, ist die utopische Konsequenz solcher Vorstellungen – und bestärkt damit den Fatalismus.

          ZDF-Moderator Claus Kleber
          ZDF-Moderator Claus Kleber : Bild: dpa

          Joffe ist insofern ein probates Gegenmittel, weil er bekanntlich die deutsche Neigung zum Weltschmerz nicht teilt. Ihn prägte der angelsächsische Pragmatismus, der nach Lösungen sucht, während die Deutschen eher dazu neigen, die ideengeschichtliche Aussichtslosigkeit des Begriffs „Lösung“ zu definieren. Allerdings können die damit bis heute ganz gut komfortabel leben, wie er ebenfalls anmerkte.

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