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FAZ.NET-Frühkritik „Jauch“ : Vergesst Precht!

Schule, ganz anders gedacht: Richard David Precht Bild: dpa

Der Fernsehphilosoph Richard David Precht war zu Jauch gekommen, um seine hochfliegenden Reformideen für die Schule zu bewerben. Am Ende blieb davon nicht viel.

          Wer Precht einlädt, bekommt eine Schulkatastrophe serviert, aus der nur noch eine Bildungsrevolution heraushilft. Nämlich seine, Richard David Prechts. Wie das gehen wird, ist nur in aller Unschärfe bisher bekannt geworden, seit sein neues Buch erschien, auch die zahlreichen Interviews konnten wenig Klarheit schaffen. Und auch dieser Abend bei Günther Jauch konnte die Unschärfen der Prechtschen Ideen nicht klarstellen. Jedenfalls sind Noten seiner Ansicht nach ein Unheil, gehören also abgeschafft; zumal die klassischen Fächer eine Sache aus dem 19. Jahrhundert seien, also weg damit, was auch das Sitzenbleiben überflüssig mache. Dann noch deftige Polemik gegen zu viel Stoff, den die meisten alsbald wieder vergessen würden. Dafür Projekte, die einen Bezug zum Leben haben; nicht mehr in Klassen lernen, vielleicht aber jahrgangsübergreifend; Pauken ist auch schlecht und so weiter. Was das eine mit dem anderen zu tun hat, bleibt schleierhaft.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Der Hamburger Schulsenator Rabe hat Precht einen Sofakritiker genannt. Und da saß er nun auf dem Sofa bei Günther Jauch, an seiner Seite Melda Akbas, die ein Spitzenabitur vor ein paar Jahren hingelegt hat und nebenher ihr erstes Buch schrieb, jetzt studiert sie, und bald erscheint ihr zweites: „Warum fragt uns denn keiner?“ Dazu Ursula Sarrazin, wohl als professionelle Gegenspielerin zum Hobbypädagogen Precht geladen, sowie der CDU-Politiker Armin Laschet, der einmal sitzengeblieben war.

          Fröhliche Sitzenbleiber

          Richard David Precht musste zu Beginn die wohl knappeste Zusammenfassung seines Schulkatastrophenbefundes und daraus folgender Revolutionsbegründung geben: Erstens gehörten deutsche Schulen im internationalen Vergleich zu den sozial ungerechtesten. Wieso und warum, das spielte fürderhin gar keine Rolle mehr. Vielleicht zum Glück. Und zweitens sei das Bildungsniveau zu niedrig, zu viel von dem, was man in der Schule lerne, werde alsbald wieder vergessen. Auch wolle er nicht generell die Klassen abschaffen, nur sollte zum Beispiel der Mathematikunterricht ab Klasse 6 in Kursen je nach Wissensstand stattfinden, weil die heterogenen Klassen Lehrer überfordern und Kindern schaden. Die sollten nach individueller Lernsoftware lernen. Was es ja durchaus gibt an guten Schulen, nur wurde darüber auch nie wieder geredet, obwohl es schon interessant wäre zu erfahren, ob es nach Prechts Kenntnis (so er die hätte) am Willen der Lehrer dazu mangelt oder an der technischen Ausrüstung oder an beidem. Ein komplexes Thema in Talkshow-Häppchen abzuhandeln, hat seine Tücken.

          Ursula Sarrazin war daran gelegen, Prechts Behauptung von der Katastrophe anzuzweifeln, Mängel gebe es – wer wollte dem widersprechen. Sie erinnerte daran, dass dieses immer als unsozial gegeißelte Schulsystem doch recht durchlässig sei und dass heute immerhin fünfmal mehr Schüler das Abitur schaffen als noch vor dreißig Jahren. Die Sache mit dem Sitzenbleiben, gerade der Renner unter Bildungsreformsüchtigen, ging eher pro Sitzenbleiben aus. Weder Armin Laschet noch der dazu geladene Schüler und Sitzenbleiber Gordian Loomans wollten seelische Schäden erlitten haben. Beide erzählten statt dessen, welchen Gewinn sie aus der Ehrenrunde geschlagen haben. Wie man das als Lehrerin befördert, konnte Ursula Sarrazin erklären.

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