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FAZ.NET Frühkritik: Anne Will : Die Symbolik der Frauenquote

  • -Aktualisiert am

Sie haben es als Frauen in Führungspositionen geschafft: Bundeskanzlerin Merkel, Arbeitsministerin von der Leyen, Familienministerin Schröder (v.l.) Bild: dpa

Bei Anne Will war am Mittwochabend vor allem von Symbolik die Rede. Aber was symbolisiert eigentlich die Debatte über die Frauenquote in Aufsichtsräten?

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          Eine Regierungskrise wird es heute wohl nicht geben. Die erste Kanzlerin in der deutschen Geschichte wird nicht gestürzt werden. Diese Gefahr drohte Frau Merkel ironischerweise nicht wegen der Hilfskredite für Zypern, sondern wegen eines Themas, bei dem die Kanzlerin selbst jenen Fortschritt repräsentiert, dem nun auf Antrag des Bundesrates mit Gesetzeshilfe Beine gemacht werden soll: der Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen und der Einführung einer Frauenquote für die Aufsichtsräte deutscher Unternehmen.

          Doch der politische Sprengstoff ist längst entschärft - das brachte schon der Titel der Will-Sendung, „Der Quotenstreit – Koalitionen gerettet, Frauen verraten?“ zum Ausdruck. Auch wenn die Opposition bei der Debatte im Bundestag an diesem Donnerstag noch einmal alle rhetorischen Register ziehen wird, um das Umfallen der Unionsparteien genauso wie das von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen zu kritisieren: Es wird ihr nichts nutzen, eine Abstimmungsniederlage der Koalition ist nicht zu erwarten. Sie wäre im Wahljahr von hohem Symbolwert gewesen, der durchaus den Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Frau Merkels hätte bedeuten können. Macht verzeiht, ganz geschlechtsneutral, keine Anzeichen von Schwäche.

          Deutsche Lebenswirklichkeit

          So war die Debatte über die politische Dimension der Frauenquote aber auch bei Anne Will schnell abgeschlossen. Zwar wies der Journalist Michael Spreng darauf hin, dass Frau Merkel mit der Aufnahme der Frauenquote in das noch zu beschließende Wahlprogramm der Unionsparteien wieder einmal eine Grundsatzposition geräumt habe. Bislang hatte die CDU-Vorsitzende diese bekanntlich abgelehnt. Aber jenseits des mittlerweile eingetretenen Gewöhnungseffektes an ein derartiges Handeln der Kanzlerin formulierte die Vorsitzende des bayerischen Landesverbandes der Jungen Union, Katrin Albsteiger, ein plausibles Argument: Die Frage der geschlechtsneutralen Besetzung von Aufsichtsräten hat mit der Lebenswirklichkeit der meisten Frauen (und Männer, wie sie betonte) nichts zu tun. So werden die meisten Wähler der fehlenden Prinzipientreue der Kanzlerin eher mit Gelassenheit begegnen.

          Die Neigung, sich über die Karriereaussichten der eigenen (männlichen oder weiblichen) Vorgesetzten Gedanken zu machen, hält sich bei den meisten Bundesbürgern in Grenzen. Daher wurde auch, etwa von der Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt, die, wir ahnen es, hohe symbolische Bedeutung dieses Themas betont. Man kann das mit Spreng als Lerneffekt von oben beschreiben. Zwar wird nur eine winzige Minderheit der Deutschen jemals Mitglied in einem Aufsichtsrat, aber die Sichtbarkeit von Frauen in derartigen Führungspositionen verändert den kulturell geprägten Blick auf das Rollenverständnis der Geschlechter. Denn wie, so wurde es es formuliert, ist es sonst zu erklären, dass Frauen heute zwar bessere Bildungsabschlüsse als Männer haben, trotzdem aber 90 Prozent der Führungspositionen männlich besetzt sind?

          Wie ist das eigentlich zu erklären?

          An diesem Punkt kommt der Medienwissenschaftler Norbert Bolz ins Spiel, ein „entschiedener Gegner der Frauenquote“, wie es Frau Will in ihrer Vorstellungsrunde ausdrückte. Er wandte sich gegen die These einer Verschwörung von Männern, die eine gleichberechtigte Teilhabe der Frauen verhindere. Nun wusste Bolz zwar sicherlich, wovon er sprach, aber sicher nicht die meisten Zuschauer. Tatsächlich hat erst die seit den 1970er Jahren entwickelte feministische These der „old boys networks“ die heutige Quotendebatte möglich gemacht. Danach scheitern Frauen weder an fehlender Qualifikation noch an der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf, sondern an männlich dominierten Strukturen.

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