https://www.faz.net/-gsb-7pqjq

Europawahl im Fernsehen : Die AfD hat gewonnen

  • -Aktualisiert am

Hauptrolle in der TV-Berichterstattung: AfD-Spitzenkandidat Bernd Lucke Bild: dpa

Das Wahlergebnis liegt vor. Doch wie wird es von den Sendern eingeordnet? Wer hat mehr gewonnen: Martin Schulz oder Bernd Lucke? Wie hieß der Kandidat der Union? Und wie stark wird die Rechte in Europa?

          In der ARD stürzen sich Jörg Schönenborn, Michael Strempel, Ellen Ehni und Rolf-Dieter Krause so routiniert in den Wahlabend, dass bis zu den vagen, müden und offensichtlich vorab aufgezeichneten Korrespondentenmeldungen aus London, Paris und Rom in der letzten Viertelstunde vor der „Tagesschau“ kaum ins Gewicht fällt, wie wenig das Erste über das Geschehen in den anderen Staaten der Europäischen Union zu reden vermag. Natürlich kann man da sagen: Europa hat alles vereinheitlicht, nur nicht die Öffnungszeiten der Wahllokale, und eine Europawahl ist kein European Song Contest. Trotzdem erinnern die ersten Stunden im Ersten daran, dass es auch den Journalisten schwerfällt, über das europäische Geschehen anders als durch die nationale Brille zu berichten.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Sie haben es versucht, werden sie sagen: Ein Film über die Europäer, denen man im Alltag begegnet. Ein Blitz-Interview mit Studiogästen aus Südeuropa. Ein kurzer Blick auf die Wahlen in Griechenland und Österreich. Sogar „Schätzungen“ zur Zusammensetzung des europäischen Parlaments. Alles kompliziert und unübersichtlich. Im Hintergrund der Moderatoren sind die Wahrzeichen von London, Paris und Berlin zu sehen.

          Aber ein bisschen mehr Begeisterung dafür, dass hier ein ganzer Kontinent seine Männer und Frauen für das gemeinsame Parlament auf den Weg bringt, könnte man im Ersten schon wecken. Zumindest könnte man mehr Hintergrund liefern: Was wird gewählt, wer schickt wie viele, und wann sind die Ergebnisse aus welchen Ländern zu erwarten? Stattdessen geht es um die Frage, was das deutsche Ergebnis denn nun für Deutschland und die Stimmung in der großen Koalition bedeuten könnte, und für die Erfolgsaussichten des Sozialdemokraten Martin Schulz.

          Programmiert hat das Erste den Abend als „Denkzettel“-Wahl, angefangen von der Meldung um viertel vor sechs, das Potential für europakritische Parteien betrage etwa 16 Prozent, bis hin zur Formulierung, die Günther Jauchs Redaktion in die Programmübersicht gegeben hatte. Von dieser These freilich bleibt zunächst wenig übrig, das AfD-Ergebnis bewegt sich „im erwarteten Bereich“ - abgewanderte Unionswähler, wie es heißt. Deutschland mag Europa, das ist die Botschaft. Selbst die AfD besteht darauf, aus „begeisterten Europäern“ zu bestehen. Aber wer weiß, was noch kommt. Die Ergebnisse der anderen Länder stehen noch aus. „Was uns aus EU-Staaten erreicht, in denen die Wahl schon vorbei ist, klingt besorgniserregend“, sagte Caren Miosga in den „Tagesthemen“. (math.)

          ZDF: Bettina Schausten stellt die Gretchenfrage

          Na also, es geht doch! Bettina Schausten, Theo Koll und die übrigen Mitarbeiter des einigermaßen pompös im historischen Telegrafenamt in Berlin residierenden Wahlstudios des ZDF machen von 17.45 Uhr an eine sehr gute Figur. Die Wahlberichterstattung, die sich zunächst – und der Datenlage geschuldet – weitgehend auf die deutschen Wahlergebnisse beschränkt, wirkt konzentriert und professionell. Die statistischen Zusatzinformationen sind gut ausgewählt und es gibt keine sinnlosen Ringschaltungen von einem Außenposten zum nächsten. Sogar die Sätze der interviewten Politiker wirken weniger nichtssagend, als man es gewohnt ist.

          Weitere Themen

          So kämpft von der Leyen um Stimmen

          Vor Wahl in Straßburg : So kämpft von der Leyen um Stimmen

          Zu vage und nicht ehrgeizig genug: Für ihren Auftritt vor dem EU-Parlament musste von der Leyen von vielen Seiten Kritik einstecken. Die CDU-Politikerin reagiert mit detaillierten Strategien – vor allem im Klimaschutz. Hilft ihr das so kurz vor der Wahl?

          Topmeldungen

          Bereits ab 14.00 Uhr könnte die gefühlte Temperatur über 32 Grad liegen, dann herrscht Warnstufe 2. (Archivbild aufgenommen in Berlin)

          Deutscher Wetterdienst : Hitzewarnung für Deutschland

          Der Deutsche Wetterdienst rechnet ab Montag mit ersten Hitzewarnungen. Ab Mittwoch soll dann ganz Deutschland von einer Hitzewelle erfasst werden. Besonders Kinder, alte und kranke Menschen sind durch die hohen Temperaturen gefährdet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.