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TV-Kritik: „Dunja Hayali“ : „Unsere Gefährder kennen wir“

  • -Aktualisiert am

Die Russlanddeutschen: ein Besuch im Menschenzoo

Bisher waren sie für die Unionsparteien eine sichere Bank. Das hat sich mit dem Erfolg der AfD deutlich geändert. In Pforzheim-Haidach erlebte die CDU bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg ein Debakel, ein seit langem vorhersagbares. Politisches Unterlassen hat zur Entstehung von sozialen Parallelwelten beigetragen. Diese Parallelwelten halten enge Verbindung nach Russland, zu russischen Medien und zu russischen Supermärkten, die sie mit allem versorgen, was sie aus Almaty gewohnt sind. In den russlanddeutschen Gemeinschaften blüht eine beispiellose Traditionspflege. Sie formen sozialräumliche Inseln vormoderner Lebenswelten, aber mit Satellitenschüssel.

Die AfD hat diese Bastion mit Bravour erobert. AfD-Direktkandidat Waldemar Birkle sitzt bei Frau Hayali im Studio, neben ihm Heinrich Zertik, der einzige Russlanddeutsche im Bundestag, und der Journalist Hajo Schumacher, dessen Rolle als Hayalis Sidekick etwas unklar bleibt, vermutlich, weil Frau Hayali es ihm überlässt, fiese Fragen zu stellen.

Der Einspieler gibt die Richtung vor. Er wirkt wie ein Besuch im Menschenzoo, in dem fürs Publikum wiederholt werden darf, dass in Familien die Frau die Mutter und der Mann der Vater seien. Dass die Russlanddeutschen auf die Zuwanderung egal welcher Herkunft empfindlich reagieren würden, ist nicht verwunderlich. Studien zur politischen Kultur von Einwanderungsländern zeigen die größten Vorbehalte gegen neue Einwanderer oft bei denjenigen, die selbst noch nicht richtig in der Gegenwart der neuen Heimat angekommen sind.

Jedenfalls hat die Modernisierung der CDU unter Frau Merkel noch keine Fans bei den Russlanddeutschen gefunden. Deshalb verfängt auch Schumachers Frage an den AfD-Kandidaten Birkle nicht, was die AfD zur Rentenlücke der Russlanddeutschen sage. Sie wählen die AfD nicht aus sozialpolitischen Gründen. Frau Hayali stellt ihre Befremdung ein wenig zu deutlich aus. Warum hat sie sich überhaupt für das Thema entschieden? Das bleibt ebenso unklar wie die Einladung Hajo Schumachers.

Nach den Russen der Wolf

Der Beutegreifer kehrt zurück. Es gibt ein üppiges Angebot an Beute, der größte Wildbestand in Europa hat sie angelockt. Klagen der Landwirtschaft und der niedersächsischen Politikerin Elke Twesten, die kürzlich aus wolfspolitischen Gründen von den Grünen zur CDU gewechselt sein soll, haben wenig mit der Realität zu tun. Weniger als ein Prozent ihrer Beute finden Wölfe in Nutztieren wie Schafen und Kühen. Mit den Wölfen kommt eine in Vergessenheit geratene andere Tradition wieder in Erinnerung: der Herdenschutzhund. Das sind Kameraden, die auch einem Wolfsrudel Paroli bieten, nebenbei eine einträgliche Geschäftsidee für rumänische, lombardische und schweizerische Züchter. In Niedersachsen gibt es einen Wolfsbeauftragten, der aus den Bisswunden von Nutztieren DNA-Proben für den Nachweis zieht, dass auch tatsächlich ein Wolf und niemand anders zugebissen hat. Verwaltungsstaatlicher Gewissheitstrost.

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