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TV-Kritik: „Maischberger“ : Aufs Scheitern setzen

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Thilo Sarrazin, die verkannte Kassandra, macht lieber Kasse auf dem Buchmarkt, als bei der AfD mitzuspielen. Ihm behagen die seltsamen Töne des Herrn Höcke nicht, der in einem Einspieler mit dem O-Ton zu vernehmen ist, Deutschland brauche „minus 200.000 Asylbewerber jährlich“.

Die AfD würde Sarrazin gern an Bord holen. Dafür spricht der strategische Opportunismus ihres Vordenkers Alexander Gauland, der auch die Flüchtlingskrise als ein Geschenk für die AfD bezeichnete. Die AfD hat von Sarrazin, so könnte man Elmar Brok verstehen, schon profitiert, als es sie noch gar nicht gab. Er habe ihr den Weg bereitet. Darauf reagiert Sarrazin unwirsch. Das Lob behagt ihm nicht. Von Lucke legt nach: Die AfD habe Sarrazins steile Thesen zum Programm erhoben. Damit nicht genug, eskaliere sie mit ihrer Haltung zum Islam eine gesellschaftliche Konfliktlage, die dem IS in die Hände spiele, indem sie die Muslime gesellschaftlich an den Rand der Gesellschaft dränge.

In der Wolle heimattreu

Frau von Storch reagiert darauf mit einem rhetorischen Trick. Von Luckes Kritik sei das Produkt einer Parallelgesellschaft, als komme er von einem anderen Stern, während sie für die Thesen ihrer Partei autochthone Bodenhaftung reklamiert. In der Wolle heimattreu, so ihre Suggestion, brauche sie über solchen Unsinn nicht zu diskutieren. So immunisiert sie sich gegen Kritik.

Der nächste Einspieler illustriert ein politisches Dilemma. Der Reihe nach werden Boris Palmer, Sahra Wagenknecht, Sigmar Gabriel und Thomas Strobl zitiert. Sie erwecken den Eindruck, als bedienten sie sich AfD-naher Prosa. Auch das monatelange Dauerfeuer Horst Seehofers gegen die Politik der Bundeskanzlerin trieb Wasser auf die Mühlen der AfD.

Zum Ende entgleist die Diskussion. Die Frage, zu welchen Folgen ein Austritt Deutschlands aus dem Euro führe, beleuchtet ein Dilemma der Linken. Die ökonomische Kritik Gysis und von Luckes ist in diesem Format kaum vermittelbar. Sie zeigt zugleich ein Dilemma der bürgerlichen Parteien. Vehement wendet sich Elmar Brok gegen die Idee einer Volksabstimmung über den Verbleib Deutschlands in der Europäischen Währungsunion. Das Beispiel der Niederlande (das Nein zur EU-Assoziation der Ukraine) betrachtet er als warnendes Beispiel. Frau von Storch bedankt sich für diese Freihausbelieferung ihrer Vorurteile. Brok zeige die Demokratieferne der CDU.

Die Beispiele geben keinen Anlass, Schwächen der deutschen Demokratie zu beklagen. Sie zeigen, wie sich die AfD parasitär an der Schwäche der Demokraten stärkt. Diese Schwäche ist nicht rhetorisch zu beheben. Der Kampf um die Verteidigung der Demokratie gegen ihre Feinde muss in der Sache härter werden.

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