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„Die Wallensteins“ im ZDF : Dumme Sprüche am Arbeitsplatz

Die haben als Ermittler noch gefehlt: Bärbel und Kim Wallenstein (Anja Kling und Lisa Tomaschewsky) Bild: Conny Klein

War das der letzte weiße Fleck in der Topographie des Fernsehkrimis? Im ZDF ermitteln jetzt Mutter und Tochter zusammen. Und anschließend werden Familienprobleme gewälzt.

          2 Min.

          Die Samstagskrimis des ZDF sind seit je von erstaunlicher Statur: Krimis zwar, aber doch eher Volksschauspiel, ein besonderer Fall, etwa der Marke „Stubbe“ oder „Wilsberg“. Mit „Die Wallensteins“ probiert das ZDF jetzt etwas Neues aus - es kreuzt die Familienseifenoper mit dem Kriminalfilm und glaubt dabei, wie es die Produzentin Regina Ziegler ausdrückt, auf den letzten weißen Fleck der Topographie des deutschen Fernsehkrimis gestoßen zu sein: Mutter und Tochter als Ermittlerin und Ermittlerin, in einem Büro, in einem Dienstwagen, an einem Tatort. Heftig zerstritten sind sie selbstverständlich. Aber ebenso selbstverständlich wird sich das im Laufe des Falls auflösen. Denn nur dafür ist der Fall überhaupt da.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der handelt von der Explosion einer Wohnung, bei der ein Crystal-Meth-Süchtiger ums Leben und dessen Freundin mit demselben gerade so davonkommt. Der Dresdner Drogenbaron Nummer eins mit besten Lieferverbindungen ins nahe Tschechien könnte dahinterstecken, aber auch die Familien machen sich verdächtig. Nicht zuletzt der Drogenfahnder Rolf Koch (Benjamin Sadler), dessen Tochter Stefanie (Sarah Horváth) nun schwerverletzt im Krankenhaus liegt, erscheint dubios. Doch bevor Bärbel und Kim Wallenstein (Anja Kling und Lisa Tomaschewsky) diese Verhältnisse aufdröseln, befassen sie sich mit ihren eigenen und bewältigen ausgiebig ihre Probleme. Was es da nicht alles zu besprechen gibt!

          Unter Abgeschossenen

          Begleitet wird das im Dialog (Buch Christoph Silber, Thorsten Wettcke) von ausgewählt dummen Sprüchen bei der Arbeit. Angesichts der Fassade des ausgebrannten Tatorts sagt Bärbel Wallenstein: „Wie verlaufene Schminke auf einem verheulten Gesicht, würde mein Vater sagen.“ Die Frau von der Spurensicherung meint: „Hier gab es ein Fegefeuer.“ Der Kriminaltechniker (Tobias Oertel), der zugleich der momentane Liebhaber der Kommissarin ist, fragt deren Tochter: „Hast du ein Problem damit, dass ich deine Mutter vögele?“ Der Gerichtsmediziner, ein Verflossener von Mama Wallenstein (sie hat ihn „abgeschossen“), jammert: „Wieso müssen die immer alle an einem Tag sterben. Sprechen die sich ab oder was?“

          So geht es quälend dahin, neunzig Minuten lang. Die beste Pointe des Films verbirgt sich hinter dem Namen des Vaters (auch ein „Abgeschossener“) der jüngeren Wallenstein. Der lautet, wenn wir richtig verstanden haben: Tilly. Wie die Figur aus der „Sesamstraße“, sagt ein Kollege. Nein, die heißt „Tiffy“, gibt die Angesprochene zurück. Uns kämen die Feldherren Tilly und Wallenstein in den Sinn, die für die Katholiken im Dreißigjährigen Krieg die blutigsten Schlachten schlugen. Getrennt marschieren, gemeinsam schlagen - das wird das Motto der Damen Wallenstein sein. Zum Friedensschluss gibt es Mettbrötchen aus Tofu. Das sagt eigentlich alles.

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